1. NRW

Der Heimat- und Geschichtsverein spricht nach langer Pause wieder Platt und macht „Spässkes“

Veranstaltung : Plattdeutscher Abend kehrt zurück

Am 26. November geht es im Forum der Grundschule Börgersbruch in der Dresdner Straße in Niedersprockhövel so richtig deftig zu. So ist es jedenfalls der Wunsch des Heimat- und Geschichtsvereins Sprockhövel, der dann zum „33.

Plattdeutschen Abend“ mit Grünkohlessen einlädt und sich dabei ganz auf die Organisationstalente von Hans-Gert Burggräfe verlässt. Der pensionierte ehemalige Lehrer für Englisch und evangelische Religion führt nicht nur Regie und hat die “Stars des Abends“, nämlich Hilde Sirrenberg, Hanspeter Dabruck und Wilhelm Hensing engagiert, sondern trägt selbst seine „Stückskes“ vor und hat jeweils zum Abschied ein ganzes Kaleidoskop von Witzen bereit, die er gesammelt und „tum Utklang“ des Abends ins „Sprockhöveler Idiom“ übersetzt hat.

Burggräfe hatte übrigens zwei Jahre Zeit, die „Spässkes“ zu sammeln, denn im vorigen Jahr war das fröhliche Treffen corona-bedingt ausgefallen. Auch in diesem Jahr wirft die Pandemie ihre Schatten auf den plattdeutschen Abend, denn es sind nur 120 Personen im Forum zugelassen, und es gilt die 2G-Regel (Geimpft oder genesen). „Aber ich denke, dass jemand mit einem aktuellen negativen Test auch hineinkommt“, so Hans-Gert Burggräfe, der sich um den Erhalt des alten Heimatdialekts verdient gemacht hat. „Klar, es werden immer weniger, die das alte Platt noch beherrschen. Es wird im normalen Alltag höchstens noch auf dem Land gesprochen“, weiß der Organisator, der zwar befürchtet, dass das südwestfälische Plattdeutsch so langsam ausstirbt, doch hat er beim letzten Treffen im Forum Börgersbruch auch einige jüngere Zuhörerinnen und Zuhörer ausgemacht.

Die haben dann fröhlich eingestimmt, als zu Klavierklängen, für die sich zuletzt der inzwischen verstorbene Ernst-Ottmar Nölle verantwortlich zeichnete, das „Greinkoahllied“ nach der Melodie „Es war einmal ein treuer Husar“ gesungen wurde. Der Text, der genau schildert, wie das deftige Gemüse im Garten heranreift, geerntet und dann zu einem schmackhaften Mahl verarbeitet wird, ist auch das Werk des „Programmdirektors“. Untrennbar zum Gemüse gehört natürlich „Mettwoaß, Rippenspeer un mähr“, die das Gericht erst so richtig zum Genuss machen.

Und da grau alle Theorie ist, wird die Pause zwischen den humorvollen Beiträgen durch die Feuerwehr mit zünftigem Grünkohl und den dazugehörigen fleischlichen Genüssen sättigend bereichert. Es ist selbstverständlich, dass beim plattdeutschen Abend kein Auge trocken und kein Magen leer bleibt.

Hans-Gert Burggräfe ist auch verantwortlich für das aus voller Brust geschmetterte Liedgut, bei dem er die eingängigen Texte der Volkslieder gleichfalls ins Sprockhöveler Platt übersetzt hat. 

Schon im Sommer Planungen begonnen

Das ist bei der Einladung auch dem Vorsitzenden des Sprockhöveler Heimat- und Geschichtsvereins, Klaus Walterscheid, gelungen, als er die Einladung verfasst hat. „Wir haben uns schon im Sommer entschieden, den Mundart-Abend wieder zu veranstalten“, sagt sein Stellvertreter Gerhard Koch, der voll des Lobes für Hans-Gert Burggräfe und seine Mitstreiter ist. Angeführt von der Seniorin Hilde Sirrenberg, die wie Hensing und Dabruck ihre heiteren und auch zum Nachdenken anregenden „Stückskes“ vortragen und so die früher gebräuchliche Umgangssprache am Leben erhalten.

Nicht mehr dabei ist übrigens die ehemalige Bäuerin Anita Stiepermann. „Die Anita ist jetzt 85 Jahre alt. Die möchte nicht mehr auf die Bühne“, erklärte Burggräfe und bedauert auch, dass sich der vorwiegend aus besonders betagten Senioren bestehende Männerchor aufgelöst hat.

Aber, man darf davon ausgehen, dass die Stimmung am Freitag vor dem 1. Advent, nämlich am 27. November, dennoch hohe Wellen schlagen wird. Und wer nicht alles versteht, der dürfte seine Freude an dem „Spass“ haben, wenn die „ südwestfälischen Ureinwohner“ den „schönen Obend op Platt“ genießen.