Demo am Hambacher Forst: Aktivisten kündigen neuen Widerstand an

Hambach-Aktionen : „Hambi bleibt“ - Aktivisten wollen neue Baumhäuser bauen

50.000 Menschen sind nach Angaben der Veranstalter zur Großdemo am Hambacher Forst gekommen. Aktivisten haben stärkeren Widerstand angekündigt - und zum Bau neuer Baumhäuser aufgerufen.

„Hambi, Hambi, Hambi – bleibt, bleibt, bleibt!“ Der Schlachtruf der Umweltschützer und Demonstranten ist am Samstag auf den trockenen Äckern in unmittelbarer Nähe zum Hambacher Wald immer wieder zu hören gewesen.

50.000 Menschen sollen sich laut Angaben der Veranstalter versammelt haben. Mit Bussen, Motorrädern und Fahrrädern hatten sie sich auf den Weg zur Großdemonstration in der Nähe von Kerpen gemacht, um gegen die Rodung des Hambacher Waldes zu protestieren.

Die Veranstalter von Greenpeace, BUND, campact, Naturfreunde Deutschlands und dem Bürgerbündnis „Buirer für Buir“ hatten mit zuvor mit 20.000 Teilnehmern gerechnet.

Aktivisten rufen zum Bau neuer Baumhäuser auf

Und nicht nur das: Die Aktivistengruppe „Ende Gelände“ hat zum Bau neuer Baumhäuser im Hambacher Forst aufgerufen. „Ende Gelände freut sich über neue Baumhäuser und andere Besetzungs-Strukturen, die heute entstehen“, teilten die Aktivisten am Samstag mit.

Musik - unter anderem von Revolverheld und Wise Guys Gründer Eddi Hüneke - heizte den Teilnehmern zwar ein, die Stimmung blieb jedoch überwiegend ruhig.

Kritiker wenden sich gegen RWE und Merkel

Auf der Bühne wurde neben dem musikalischen Rahmenprogramm auch Kritik laut: das beliebteste Angriffsziel der Redner war hierbei neben dem Energieriesen RWE, den die Veranstalter nicht nur für die Rodung des alten Waldes, sondern auch für die eskalierende Gewalt im Hambacher Wald verantwortlich machen, insbesondere Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul.

Diesen bezeichnete ein Redner als Cheflobbyisten von RWE. Auch die Bundesregierung bekam ihr Fett weg: Antje Grothus vom Bündnis „Buirer für Buir“ bedauerte, gefolgt von viel Applaus, dass sich die Regierung um Kanzlerin Angela Merkel nicht schützend vor den „Hambi“ gestellt habe.

Neben aller Kritik an der Braunkohleindustrie dürfe man aber auch nicht die Beschäftigten im Tagebau vergessen, sagt BUND-Vorsitzender Hubert Weiger: „Den Kohleausstieg darf RWE nicht auf den Rücken seiner Beschäftigten austragen.“

Am Nachmittag schließlich schlossen sich zahlreiche Teilnehmer der Kundgebung zusammen, um friedlich im Hambacher Wald spazieren zu gehen. Unter ihnen waren auch einige Vermummte, die Texte wie „In die Wälder, auf die Bäume!“ riefen. Nicht nur sie solidarisierten sich mit den Waldbesetzern, deren Baumhäuser inzwischen geräumt sind.

Die Polizei konnte später nicht bestätigen, dass neue Baumhäuser gebaut worden sind. „Aber es sind Tausende von Menschen im Wald“, sagte eine Sprecherin. Den Wald zu betreten, sei seit Ende der Räumungsarbeiten nicht mehr verboten - wohl aber der Bau neuer Baumhäuser. Bis Dienstag hatte die Polizei mit Millionenaufwand 86 Baumhäuser geräumt und abgebaut.

Aktivisten dringen in den Tagebau - RWE stoppt Bagger

Auch BUND-Chef Hubert Weiger hatte sich zuvor solidarisch mit den Aktivisten gezeigt. Einige Demonstranten kritisieren den „Waldspaziergang“ jedoch. „Die gehen da zu Tausenden rein und trampeln alles platt! Gegen diese Zerstörung kämpfen wir doch eigentlich“, sagte eine Demonstrantin.

Ihren bislang größten Erfolg hatten die Aktivisten da längst erzielt: Am Freitag entschied das Oberverwaltungsgericht Münster, dass der Hambacher Wald vorerst nicht gerodet werden darf. Für die Demonstranten ist der Kampf für den Kohleaustieg damit aber noch nicht beendet. So singt es an diesem Nachmittag auch Eddi Hüneke: „Das könnte euch so passen, es ist noch lange nicht vorbei!“

Etwa 100 Aktivisten drangen nach Angaben der Polizei auch in den Tagebau vor. Der Energiekonzern RWE hielt daraufhin zu ihrem Schutz einen der riesigen Bagger an, die dort eingesetzt werden.

(Mit Material der dpa)

Mehr von Westdeutsche Zeitung