Das sind die Menschen des Jahres 2018 in NRW

Jahresrückblick 2018: Das sind die Menschen des Jahres 2018 in NRW

Sie haben aufgerüttelt, Diskussionen geprägt und in den Schlagzeilen gestanden. Diese Menschen haben die politische und wirtschaftliche Entwicklung Nordrhein-Westfalens im Jahr 2018 geprägt:

RICARDA BRANDTS: Nordrhein-Westfalens ranghöchster Richterin Ricarda Brandts ist im August der Kragen geplatzt. Im Streit um die rechtswidrige Auslieferung des Islamisten Sami A. warf sie der Politik vor, die Grenzen des Rechtsstaates bewusst ausgetestet zu haben. Der Justiz seien vom Integrationsministerium in Düsseldorf bewusst Informationen vorenthalten worden, um die bereits geplante Abschiebung nicht noch durch eine Entscheidung des Gerichts zu verhindern. Bundesweit sorgte die Präsidentin des Oberverwaltungsgerichts und des Verfassungsgerichtshofs damit für Aufsehen. Eine solche Politik-Schelte von einer Gerichtspräsidentin ist selten.

HEINRICH HIESINGER: Angetreten als Sanierer sollte der schwäbische Bauernsohn Heinrich Hiesinger Thyssenkrupp aus der Krise führen. Nach anfänglichen Erfolgen warfen ihm Kritiker jedoch vor, dass ihm der große Wurf nicht gelinge. Anfang Juli zog der Manager nach gut sieben Jahren an der Spitze überraschend die Notbremse und bat um Auflösung seines Vertrags. Wenig später räumte auch Aufsichtsratschef Ulrich Lehner seinen Posten, so dass das Unternehmen in eine tiefe Führungskrise stürzte. Nachfolger Guido Kerkhoff kündigte umgehend massive Aufräumarbeiten auf der „Baustelle“ Thyssenkrupp an. Der Geschäftsbericht beziffert die Abfindung für Hiesinger auf rund 4,5 Millionen Euro.

CHRISTINA SCHULZE FÖCKING: Kein Kabinettsmitglied stand so im Visier wie Ex-Agrarministerin Christina Schulze Föcking (CDU): zunächst wegen der „Schweine-Affäre“ um die Tierhaltung im Familienbetrieb, dann wegen der Auflösung einer „Stabsstelle Umweltkriminalität“ und schließlich wegen einer vermeintlichen Hacker-Attacke auf ihr privates TV- und Video-Netz - die nichts anderes als ein Bedienfehler war. Nach einer Serie von Hassmails und Drohungen gegen ihre Familie trat die 42-Jährige im Mai als Ministerin zurück und machte Platz für ihre Nachfolgerin Ursula Heinen-Esser (CDU).

JÖRG SARTOR: Eine Debatte über Armut in Deutschland löste im Frühjahr die Essener Tafel aus. Anlass war der umstrittene Beschluss, vorübergehend keine Ausländer mehr neu aufzunehmen. Der Trägerverein hatte dies mit einem sehr hohen Anteil an Ausländern unter ihren Kunden begründet. Anfang April wurde die Regelung wieder abgeschafft. Der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, gab der kontroversen Debatte ein Gesicht. Aus Frust über Kritik aus den eigenen Reihen trat Sartor im Juli als Vizechef im Landesverband der Tafeln zurück.

STEFANIE CARP: Die Intendantin der Ruhrtriennale Stefanie Carp hat schon vor dem Beginn ihrer ersten Spielzeit Schlagzeilen gemacht. Allerdings nicht mit großen Künstlern, sondern durch einen wankelmütigen Umgang mit der Pop-Band „Young Fathers“. Die Musiker unterstützen die israelkritische BDS-Kampagne („Boycott, Divestment and Sanctions“), die sich für einen Boykott Israels wegen der Palästinenserpolitik einsetzt und als antisemitisch gilt. Der Landtag war aufgebracht und verurteilte die BDS-Kampagne. Die Festival-Direktorin mit dem aufgesteckten Haarschopf bekam einen Stellvertreter zur Seite gestellt.

DIETER DEGOWSKI: Knapp 30 Jahre nach einem der spektakulärsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte hat der Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski das Gefängnis verlassen. Mit neuer Identität kommt er im Februar 2018 auf Bewährung frei. Ein Gutachten hält ihn für „nachgereift, psychisch stabil“. Gemeinsam mit seinem weiter in Haft sitzenden Komplizen Hans-Jürgen Rösner hatte Degowski im August 1988 nach einem missglückten Bankraub in Gladbeck Geiseln genommen. Bei dem 54-stündigen Drama starben zwei Geiseln und ein Polizist.

(dpa)
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