1. NRW

Cypress Hill in Köln – dicke Luft und fette Beats

Hip-Hop-Konzert : Cypress Hill – dicke Luft und fette Beats

Rapper um die 50 bringen im Kölner Palladium Mikrofone und Joints zum Glühen.

Die Beats im Raum sind so breit wie die Mehrheit der Besucher, die unter ihren Käppis und Wollmützen bedächtig auf und ab wogen. Genau so breit wie der Rapper am Mikrofon, der bei jedem Luftholen an seinem Joint zieht. Cypress Hill in Köln. Das selbst ernannte „Black Sabbath des Hip-Hop“. Es ist wie eine Zeitreise: Als wäre man in ein schwarzes – naja, vielleicht eher ein grünes – Loch gesogen worden und in einer Epoche ausgespuckt worden, in der es noch kein Rauchverbot gab, Turnschuhe und Kapuzenpulli als Party-Outfit und Rufe nach einer Marihuana-Legalisierung als revolutionäre politische Botschaft firmierten.

„Cypress Hill ... ist das nicht die Band, die nur ein Lied hatte“, fragte ein Freund Tage zuvor – was zeigt, dass selbst erklärte Gegner des amerikanischen Hip-Hop den Klassiker „Insane in the Brain“ von 1993 wohl nach wenigen Takten erkennen. Falsch ist die Aussage natürlich trotzdem, nähern sich die Rapper Sen Dog und B-Real sowie Produzent DJ Muggs doch ihrem 30-jährigen Bandjubiläum und haben mit „Elephants on Acid“ soeben ihr neuntes Album vorgelegt. Zu „Locos“ von dieser aktuellen Platte singt die Menge am Mittwochabend im Kölner Palladium genauso mit wie zu  „How I could just kill a man“ vom ersten Album 1991. In einem Dunst, der nur teilweise aus den Nebelmaschinen stammt und jedem Drogenspürhund wohl auf der Stelle einen Herzinfarkt bescheren würde, schlagen die Raps der kalifornischen Kombo Brücken zwischen Anfangzwanzigern in Schlabberhosen, die allerdings in der Unterzahl sind, und grau melierten Herren, die sich wohl wie die Künstler selbst um die 50 bewegen  – es herrscht ein frappierender Männerüberschuss.

US-Rap geht auch künstlerisch und handgemacht

Auf ihrer ambitionierten Europatour – Mittwoch Köln, Freitag Dortmund, Samstag Berlin, Sonntag Hamburg – räumen Cypress Hill mit einer Menge Vorurteilen gegenüber dem Genre Rap auf. Wem die Gangster-Jüngelchen in den deutschen Charts auf den Geist gehen, die nichts von dem erlebt haben, das sie da besingen, der hat bei diesen Veteranen zwei Ex-Mitglieder der berüchtigten Bloods-Gang vor sich. Noch nicht „real“ genug? Rapper B-Real wurde Ende der 80er sogar angeschossen. Das ist zwar kein Verdienst – brachte ihn aber auf den rechten Weg, zur Musik und uns damit zu einem weiteren Hip-Hop-Vorurteil: das sei ja gar keine richtige Musik, weil nicht handgemacht. Das widerlegt spätestens ein Intermezzo von Schlagzeuger Eric Bobo und Mix Master Mike – dreifacher DJ-Weltmeister und durch seine Plattentellerdreherei bei den Beastie Boys sowie zuletzt auf Tour mit Metallica über die Stilgrenzen hinweg bekannt –, das den nicht mehr taufrischen Rappern wohl auch eine Atempause verschaffen soll. Oder eine weitere Raucherpause, man weiß es nicht. Immerhin: Auch B-Real ist in seiner Kunst so artikuliert, pointiert und gut bei Stimme, dass sich im Publikum das Gerücht verbreitet, zumindest Teile der Show könnten Playback sein.

Letztlich scheint es niemanden wirklich zu jucken. Ebenso wenig, dass nach einer guten Stunde allmählich das Ende eingeleitet wird mit den Worten: „This is how we say good night!“ (zu deutsch: So sagen wir Gute Nacht“) und dem Evergreen „Rap Superstar“.  Ja, das seid ihr wohl. Auch wenn ihr heutzutage offensichtlich um 23 Uhr brav im Bett liegt.