Counter-Strike: Warum die ESL One Cologne mehr als nur ein Turnier ist

Counter-Strike : E-Sports: Warum die ESL One Cologne mehr als nur ein Turnier ist

Das große Counter-Strike-Turnier ESL One Cologne in der Kölner Lanxess-Arena lockt Tausende Menschen in die Domstadt. Dabei geht es allerdings um mehr als nur das Spiel.

Wenn von der „Kölner Kathedrale“ die Rede ist, dürften die meisten Menschen sofort an den Dom denken. An diesem Wochenende allerdings gibt es eine weitere Kathedrale: die Lanxess Arena. Zumindest, wenn es nach den Organisatoren des dort stattfindenden Turniers, der ESL One Cologne, einem der größten E-Sport-Events Deutschlands, geht. Denn die Veranstalter haben das offizielle Motto „Welcome to the cathedrale of Counter-Strike“, also „willkommen in der Kathedrale des Counter-Strike“, ausgegeben. Counter-Strike: Global Offensive (CS:Go) ist das Spiel, um das sich an diesem Wochenende alles drehen soll, wenn die internationalen Teams, bestehend aus Profispielern, vor Publikum gegeneinander antreten. Schnell wird jedoch deutlich: Die Veranstaltung ist bedeutend größer als das Turnier selbst.

Die Lanxess Arena ist an diesem Tag leicht zu finden. Es gilt, einfach den Menschenmassen zu folgen. Tausende Besucher pilgern zur selbsternannten Kathedrale, um ihren Idolen beim Spielen der sieben Jahren alten Variante des Ego Shooters, der insgesamt sogar bereits rund 20 Jahre auf dem Buckel hat, zuzuschauen. Doch bevor es losgeht, heißt es erstmal: anstehen. Sowohl vor der Halle als auch an der einzigen Garderobe gibt es lange Schlangen. Julius de Wit aus den Niederlanden ist davon ein wenig genervt. „Wenn die Veranstalter gesagt hätten, dass man in diesem Jahr keine größere Tasche mit hineinnehmen darf, hätte ich sie nicht mitgenommen“, erklärt er. Und fügt hinzu: „In den letzten Jahren war das nicht der Fall.“ Er muss es wissen, ist die diesjährige Ausgabe doch bereits die dritte für den 18-Jährigen. „Ich bin mit einigen Freunden hier, meine Eltern haben kein Problem damit. Es ist ja nur für ein Wochenende.“

Wie auch Julius de Wit sind viele der Besucher in den Trikots ihrer Lieblingsteams erschienen. Vor allem das Outfit des einzigen deutschen Vertreters, des Teams Big, ist annähernd überall zu sehen. Zwar hat die Berliner Truppe die Gruppenphase nicht überstanden und wird damit auch nicht mehr live zu sehen sein; das Turnier startet öffentlich mit den Viertelfinals. Doch der Stimmung der Gäste tut das keinen Abbruch: Die Atmosphäre ist, wenn die Warteschlangen einmal überwunden wurden, herzlich, viele kommen schnell untereinander ins Gespräch. Die erste Frage lautet dabei meistens „Welches ist dein Lieblingsteam?“ – zumindest, wenn das bereits nicht über die Kleidung erkennbar ist.

Vorab-Analysen und Unterhaltungsmöglichkeiten

Das Objekt der Begierde: der Pokal, um den die Spieler kämpfen. Am Sonntag steht der Gewinner der diesjährigen Auflage fest. Foto: Stephen Kraut

Bevor die Viertelfinals in der ausverkauften Lanxess Arena starten – die Veranstalter sprechen von 15 000 verkauften Tickets – stehen, wie es sich für ein Sportevent gehört, Analysen auf dem Programm. Ein Team von Experten diskutiert über die Stärken und Schwächen der einzelnen Teams, die beste Taktik und statistische Kuriositäten. Wem das auf die Dauer zu eintönig ist, der findet im Rondell der Arena unterschiedlichste Unterhaltungsmöglichkeiten: Ein Fahrsimulator wurde aufgebaut, verschiedene große Unternehmen bieten Werbestände – das Potenzial des E-Sports haben viele Firmen bereits erkannt.

An einem Airbrush-Stand stehen Björn Ehlgen und Julia Dumke, beide tragen ein Trikot des britischen Teams Fnatic, das ebenfalls in Köln spielt. „Wir waren bereits dreimal hier und jedes Mal so begeistert, dass wir wiederkommen wollten“, erklärt er. Beide würden auch selbst Counter-Strike spielen. Nun aber soll erstmal ein kleines Logo ihres Lieblingsteams per Airbrush auf die Haut.

Dann endlich startet das eigentliche Event: Lichtshow und wummernde Bässe stimmen die Besucher auf das Bevorstehende ein, die Zuschauer zahlen es mit frenetischem Jubel zurück. Die ersten beiden Teams laufen ein, es wird noch lauter, einige versuchen, ihre Stars abzuklatschen. Der Sicherheitsdienst muss den Gang freihalten.

Es stehen sich in diesem ersten Viertelfinale das US-Team NRG Esports – zu deren Investoren der Ex-Basketballer Shaquille O’Neal gehört – und das Team Vitality aus Frankreich gegenüber. Aber nicht nur auf der Bühne geht es international zu: Der Moderator spricht von 61 Ländern, die in Köln in den Zuschauerreihen vertreten sind. Einer von ihnen ist der 19-jährige Marc Hepworth aus England, der zum ersten Mal in Köln ist. „Ein Freund hat es vorgeschlagen. Und es ist wirklich etwas Besonderes“, betont er. Diese besondere Stimmung versuchen Mario, Fabian und Dominic zu beschreiben: „Hier stehen alle auf Dasselbe“, sagt Fabian. Dominic pflichtet ihm bei: „Es ist egal, was du machst, Hauptsache, du hast Spaß.“ Mario ergänzt: „Es ist auch einfach etwas Besonderes, die Spieler live zu erleben.“

Das zeigt sich auch, sobald das erste Viertelfinale beginnt: Jede Aktion der beiden Teams wird lautstark bejubelt, mit aufblasbaren Klatschstangen sorgen die Anwesenden zusätzlich für Dezibel. Teilweise sind die Kommentatoren in der Halle kaum noch zu hören.

Auf dem Rondell ist es entsprechend leer geworden. Lediglich an den Verpflegungsständen gibt es noch kleine Schlangen. Eine Ausnahme bildet die „Signing Area“ vor den Eingängen, in der jeweils ein Team, das gerade nicht spielt, Autogramme gibt. Dutzende Menschen stehen erneut brav an. Aus dem Innenraum der Kathedrale dringt derweil der Jubel bis zu ihnen.

Das Turnier wird auf der Streaming-Plattform Twitch übertragen.

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