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Coronavirus-Ausbreitung: Schultoiletten ohne Seife und Desinfektion

Folgen werden spürbar : Coronavirus-Ausbreitung: Schultoiletten ohne Seife und Desinfektion

Dafür, dass sich Schüler in Zeiten von Corona richtig die Hände waschen können, sind die Schulträger zuständig, sagt das NRW-Ministerium.

In Schulen sind Kinder und Jugendliche täglich solch großen Menschenansammlungen ausgesetzt wie nur wenige Erwachsene. Das Bundesgesundheitsministerium wirbt dafür, vor allem durch Verzicht auf Körperkontakt und regelmäßiges Händewaschen als Schutzmaßnahme vor dem Coronavirus zu befolgen. Doch längst nicht auf allen Schultoiletten gehören Seife und Papierhandtücher zur Ausstattung.

Am Wuppertaler Gymnasium am Kothen sorgt der Schulleiter Claus-Alexander Wyneken für ausreichend Hygiene. „Ich habe den Hausmeister angewiesen, mehrmals am Tag zu kontrollieren, ob Seife und Papierhandtücher auf den Toiletten vorhanden sind“, sagt Wyneken. Desinfektionsmittel hingegen sei „nur eingeschränkt“ vorhanden. Das wolle er privat besorgen. „Der offizielle Weg ist mit großer Verzögerung behaftet“, sagt der Schulleiter.

Nicht alle legen sich so ins Zeug. Von einem gegenüberliegenden Berufskolleg berichtet ein Schüler, dass gar keine Seife vorhanden sei, von einer Gesamtschule heißt es aus der Schülerschaft, dass nur auf den Mensatoiletten Seife vorhanden sei. Auf Nachfrage wollte man sich nicht äußern.

An der Düsseldorfer Joseph-Beuys-Gesamtschule heißt es auf Nachfrage dieser Redaktion, ob auf allen Toiletten Seife und Papiertücher bereitstehen würden: „Ich gehe mal davon aus.“ Das NRW-Bildungsministerium  sieht sich nicht für die Ausstattung der Sanitäranlagen und Räumlichkeiten der Schulen zuständig. Nach Angaben des Ministeriums falle dies in die Verantwortung der Schulträger. „Grundsätzlich müssen nach dem Infektionsschutzgesetz in allen Gemeinschaftseinrichtungen entsprechende Hygienepläne vorgehalten werden“, heißt es dazu aus dem Ministerium.

In einem Rundschreiben hat das Bildungsministerium die Schulen informiert, wie sie mit potenziellen Verdachtsfällen umzugehen haben und der Verbreitung vorzubeugen. So sei es nur im äußersten Notfall nötig, Schüler zu isolieren. Zudem sind die Schüler zur Teilnahme am Unterricht verpflichtet. Nur nach Rücksprache mit einem Arzt ist es möglich, dem Unterricht fernzubleiben. Schüler, die unter Quarantäne stehen, benötigen nach Angaben des Schulministeriums keine Krankschreibung.

Unterricht per Internet bei Schließung vorstellbar

Die Absage von Klassenfahrten liegt in der Verantwortung der Schulleitung. Das Gymnasium am Kothen in Wuppertal würde planmäßig Ende des Monats einen Schüleraustausch nach England durchführen. „Von unserer Seite spricht bisher nichts dagegen“, sagt Claus-Alexander Wyneken. Dennoch wisse er nicht, wie sich die Situation entwickeln wird und wie die Partnerschule entscheidet.

Einen Austausch nach Wuhan, der chinesichen Stadt, in der das Coronavirus seinen Ursprung nahm, führte die Schule das letzte Mal vor zwei Jahren durch. Auf den Ernstfall – die Schließung der Schule – ist das Wuppertaler Gymnasium vorbereitet. „Auch wenn das vor allem für die Gymnasien eine Vollkatastrophe wäre“, so Wyneken. Manche Schüler hätten wohl dennoch nichts dagegen. „Ich wurde am Wochenende schon von Schülern angeschrieben, wann sie schulfrei bekommen würden“, erzählt der Schulleiter.

Da das Schulhalbjahr besonders kurz sei, würde es schwierig, den Stoff aufzuholen und die Pflichtklausuren zu schreiben. Er könne sich Szenarien vorstellen, in denen anschließend am Samstag Unterricht stattfinden könnte und Klausuren geschrieben würden. Während einer potenziellen Schließungsphase sei es möglich, über ein internes Portal Schüler mit Aufgaben zur Heimarbeit zu versorgen. „Vor allem für die Abiturienten ist der Kontakt mit den Lehrern wichtig.“ Videounterricht sei ebenfalls denkbar. So wird es aktuell auch in Japan gehandhabt. Dort bleiben alle Schulen bis Anfang April geschlossen, die Schüler bekommen online Material zum Lernen gestellt.

In Bonn wurde die Schulschließung schon Realität. Bis zum 13. März bleibt eine Grundschule geschlossen. Nach der Infektion eines Mitarbeiters der offenen Ganztagsbetreuung (OGS) gab die Stadt eine erste vorsichtige Entwarnung. Am Sonntagabend lagen negative Tests für 185 Kinder vor, die die Grundschule besuchen, wie eine Sprecherin sagte. 30 Tests auf das neuartige Coronavirus stünden noch aus. Darunter seien sowohl Schüler als auch Lehrer.

Krisenteams hatten die Familien am vergangenen Wochenende aufgesucht, aber noch nicht alle Kontaktpersonen des 23 Jahre alten OGS-Mitarbeiters angetroffen. Er hat nur leichte Symptome und befindet sich nach Angaben der Uniklinik Bonn in häuslicher Quarantäne. Der Student hatte Karneval im Kreis Heinsberg gefeiert. Dort waren die ersten Coronavirus-Fälle in Nordrhein-Westfalen bekannt geworden.