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Corona wirbelt Ausbildungsmarkt auch in Leverkusen durcheinander

Ausbildungsmarkt und Corona : Corona-Pandemie mischt den Lehrstellenmarkt durch

Corona wirft den Ausbildungsmarkt durcheinander. Noch sind Lehrstellen für 2020 zu bekommen. Für 2021 ist die Bewerbungsphase angelaufen.

Einen Strich durch die Rechnung machen – ein Sprichwort, was in diesem Jahr vor allem mit einem Wort in Verbindung gebracht wird: Corona. Kaum ein Bereich, der nicht von dem Virus betroffen ist. Beispiel Lehrstellen: „Der Ausbildungsmarkt liegt Corona-bedingt zeitlich etwa zwei bis drei Monate hinter der Entwicklung zurück, die sonst üblich ist“, heißt es von der Industrie- und Handelskammer Köln, die auch für Leverkusen zuständig ist.

Marcus Otto, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, hat das schon vor Wochen gesehen: „Auch bei den Handwerksbetrieben muss allmählich trotz der Corona-Belastung die Ausbildung mit in den Fokus gerückt werden. Entscheidend beim vorherrschenden Fachkräftemangel ist stets die Bereitschaft, selbst auszubilden“, hatte er damals gesagt.

Positiver Aspekt, wenn man das so sehen möchte: Für Jugendliche, die dieses Jahr noch in eine Ausbildung starten wollen und bisher kein Glück bei Bewerbungen hatten, bedeutet das: „Es gibt noch viele freie Ausbildungsstellen – auch in bei jungen Leuten besonders beliebten Ausbildungsberufen“, sagt Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Köln.

Die Kammer nennt für ihre Region rund 300 freie Ausildungsplätze imkaufmännischen und industriell-technischen Bereich bei fast 200 Unternehmen. „Dem stehen knapp 300 Jugendliche auf der Suche nach einem solchen Ausbildungsplatz gegenüber“, heißt es von der IHK. Sie hatte bisher eine spezielle Hotline geschaltet, die Unternehmen und Jugendliche zusammenbrachte. Ganzjährig, so eben auch jetzt, übernimmt das die Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln.

Tatsächlich könnte es mit einer Lehrstelle noch bis 1. August klappen. Denn auch in Leverkusen haben etliche Firmen zu diesem Starttermin noch Bedarf, wie Anzeigen etwa von Currenta-Tocher Chemion auf diversen Ausbildungsseiten im Internet zeigen. Auch Anzeigen von Lanxess und Currenta, Metro und etwa großen Handelsketten sind dort zu finden – Ausbilungsstart sind der 1. August und der 1. September.

Viele Unternehmen werben jetzt für das Ausbildungsjahr 2021

Die Unternehmen denken schon weiter: Viele werben jetzt fürs Ausbildungsjahr 2021, Bayer etwa oder Covestro: Der Kunststoffhersteller sucht künftige Chemikanten, Chemielaboranten, Mechaniker, Elektroniker, Mechatroniker, Wirtschaftsinformatiker und duale Studierende in den Bereichen Chemie und Technik und IT. „Wir suchen nach Auszubildenden, die motiviert sind, gerne im Team arbeiten und Lust auf selbstständiges Arbeiten haben. Wer darüber hinaus eine gute Portion Mut mitbringt, Neues zu wagen, ist bei uns genau richtig“, wirbt Daniel Avanzato vom Bereich „Employer Branding & Recruiting“ bei Covestro. Durch das Virus habe sich grundlegend nichts an den Ausbildungsinhalten geändert, aber es gebe zusätzliche Regelungen. Vor allem in Sachen Abstand und Hygiene. „Digitales Lernen wird in diesen Zeiten wichtiger. Aber das kennen die Schüler ja aus dem vergangenen Schuljahr“, ergänzt Ausbildungsleiter Stephan Busbach.

Und: Covestro wünscht sich mehr Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen, denn da seien sie immer noch unterrepräsentiert. Um jungen Frauen diese Arbeitsfelder schmackhaft zu mache, wirbt Covestro mit Videoclips um weibliche Lehrlinge in vermeintlichen Männerberufen, stellt unter anderem Merve Koc vor.

Die heute 22-Jährige arbeitet nach ihrer Ausbildung als Chemikantin für Covestro am Standort Dormagen und sagt, sie sei froh, so mutig gewesen zu sein, sich für diesen Beruf beworben zu haben. Mehr Frauen seien durchaus wünschenswert. Aktuell wirbt der Kunststoffkonzern mit guten Übernahmechancen nach der Lehre. Vorausgesetzt, es klappt mit der Bewerbung auf den letzten Drücker oder fürs kommende Jahr.