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Corona: Willicher Schul-Caterer Keppner muss in Kurzarbeit

Corona: Willicher Schul-Caterer Keppner bangt um seine Existenz : Schul-Caterer hat Existenz-Sorgen

Kilian Keppner beliefert mit seiner Firma 86 Schulen und Kitas mit Mahlzeiten. Die Maßnahmen wegen des Coronavirus sind ein harter Schlag für die Willicher.

Normalerweise gibt’s den Spruch „von 0 auf 100“. Geschäftsführer Kilian Keppner kann diese Aussage auf den Kopf stellen: Für seine Cateringfirma heißt es im Moment von 4000 auf 170. Denn er liefert im Schnitt an normalen Werktagen 4000 Essen aus – ausschließlich an Schulen und Kindertagesstätten. Und die sind wegen des Coronavirus auf behördliche Anweisung, bis auf Notgruppen, geschlossen. „Für uns ist das Existenz bedrohend“, sagte Keppner am Montag im WZ-Gespräch.

Seit 2009 ist das Willicher Unternehmen auf diese Klientel spezialisiert. Beliefert werden 86 Schulen und Kitas unter anderem in Kempen, Tönisvorst und Willich, aber auch in Dinslaken und Grevenbroich. „Wir sind seit heute Morgen 6 Uhr in der Firma und telefonieren rum, wer noch Essen bekommt und wie viele Portionen“, so Keppner am Montagvormittag. Denn erst am vergangenen Freitag wurde die Befürchtung von Schließungen zur Gewissheit. „Aber wir sind heute noch mal alle angetreten“, sagt der Unternehmer und gelernte Koch. Alle heißt 65 Mitarbeiter, davon 14 Köche.

„Für heute haben die noch genug Arbeit.“ Auch wenn am Montag nur 170 Essen an Notgruppen geliefert würden. Denn Keppner hatte noch Ware bestellt. Darunter 1500 Ananas. Eine Frucht, die wegen der Kosten eher selten auf dem Speiseplan steht. „Jeder Fahrer hat ein paar mit in die Notgruppen genommen, die schmecken auch am Nachmittag.“ Der Rest wird geschält, geschnitten, gegart, vakuumiert und eingefroren. „Dann können wird später darauf zurückgreifen, beispielsweise für Joghurt oder auch eine Currysauce“, sagt Keppner.

Die meisten Lebensmittel werden beim Caterer frisch verarbeitet. Dennoch gibt es ausreichend Tiefkühlhäuser, um frische Ware, die zumindest in den Wochen bis nach den Osterferien nicht gebraucht wird, einzufrieren. Im Vorfeld hat das Unternehmen aber auch zusätzliche, haltbare Lebensmittel bestellt. Wie die Lieblingsspeise der meisten Kinder und Jugendlichen: Nudeln. „Von unserem Lieferanten aus Italien bekommen wir keine mehr“, so Keppner. Weshalb er 2,5 Tonnen vorsorglich geordert hat. „Wenn es hart wird, könnten wir auch die Bevölkerung versorgen.“

Am Montag brüteten Keppner und sein Betriebsleiter Philipp Enxing nicht nur über Lebensmittelbestellungen, sie diskutieren auch über Kurzarbeit. „Um das Thema kommen wir nicht herum.“ Auch wenn seine Köche eine Menge Ananas zu verarbeiten hätten, würden sie sich langweilen. Er denkt, dass er nur zwei bis drei Köche brauchen wird. Insgesamt wird er seine Mannschaft wohl von 65 auf zehn Mitarbeiter herunterfahren. Keppner: „Das machen wir in Absprache mit den Mitarbeitern.“

Der Geschäftsführer ist sich auch nicht sicher, wie lange er für fünf Essen täglich weite Strecken zurücklegen kann. Schließlich muss er, beziehungsweise Enxing als studierter Betriebswirt und Koch, spitz rechnen. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Schließungen verlängert werden könnten. „Ich muss Gehälter zahlen“, sagt er. Und auf welche Hilfen er von staatlicher Seite hoffen kann, sei ungewiss. „Bislang habe ich nur von 0,0-Prozent-Krediten gehört. Aber auch Kredite und aufgeschobene Steuern müssen irgendwann einmal bezahlt werden.“ Er habe den Auftrag der Städte, für die Schulverpflegung zu sorgen, sagt der Unternehmer. Weshalb man mit den Städten in enger Verbindung stehe.