1. NRW

Corona-Pandemie beeinflusst Kriminalität im Kreis Mettmann

Kriminalität im Wandel : Kriminelle nutzen die Pandemie

Weniger Einbrüche, mehr Betrugsfälle – Kriminelle im Kreis Mettmann haben sich längst an Corona angepasst.

(abin) Zwischen März und Juni dieses Jahres waren Straßen und Innenstädte leergefegt. Coronabedingt blieben die Menschen zu Hause, viele arbeiteten auch dort. Schlechte Zeiten für Einbrecher und Taschendiebe. So konnte NRW-Innenminister Herbert Reul im Juli einen Rückgang bei der Zahl der Strafanzeigen um knapp 23 Prozent vermelden. Doch die Gauner machten nur eine Atempause. Längst haben sie sich und ihre Delikte an die Corona-Pandemie angepasst.

Das musste ein Ratinger Ehepaar im Juli schmerzlich erleben. Eine Frau gab sich am Telefon als ihre Schwiegertochter aus und erklärte, ihr Mann – der Sohn des Ehepaares – läge mit schweren Corona-Symptomen im Krankenhaus. Einzig eine teure Spritze könne ihn retten. Gutgläubig hob das Ehepaar eine große Menge Bargeld vom Konto ab und übergab es schließlich einem Boten. Zu spät flog der Schwindel auf.

Der klassische Enkeltrick erlebt
in der Pandemie einen Wandel

Kein Einzelfall, wie Daniel Uebber, ein Sprecher der Kreispolizeibehörde, weiß: „Neu ist tatsächlich, dass Trickbetrüger bei Straftaten zum Nachteil älterer Menschen die Corona-Lage ausnutzen. Sie gaben sich zum Beispiel als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus und wollen Corona-Tests verkaufen.“ Der klassische Enkeltrick erlebt einen Wandel. Bernd Hildebrand, Leiter der Kriminalprävention, warnt: „Sobald jemand am Telefon um Geld bittet, sollte der Angerufene sensibilisiert sein. Rechnungen kommen stets per Post oder per E-Mail. Lassen Sie sich nicht nach Ihrem Vermögen ausfragen, geben Sie auf keinen Fall persönliche Daten oder Kontoverbindungen am Telefon heraus, legen Sie auf.“ Bringt jemand einen vermeintlich schwer Erkrankten Verwandten ins Spiel, hilft nur ein: „Selbst schlaumachen und im Krankenhaus oder den Verwandten anrufen, aber niemals verbinden lassen“, rät der Leiter der Kriminalprävention. Oft fliegt so der Schwindel auf.

Dass es nicht immer leicht ist, standfest zu bleiben, weiß auch Bernd Hildebrand. „Betrüger versuchen Vertrauen zu erwecken.“ Sie verwickeln die Angerufenen beharrlich in ein Gespräch, um ihnen Daten, wie Namen von Familienangehörigen, zu entlocken. Auf misstrauische Fragen nach einer veränderten Stimmer antworten sie, dass die Schutzmaske die Stimme verzerre. Haben die Trickdiebe alle erforderlichen Daten, bauen sie Druck auf. Sie wollen ihre Opfer dazu bewegen, große Summen Geld bei der Bank abzuheben.

Viele Bankmitarbeiter sind inzwischen für das Thema sensibilisiert. Erst am 3. November konnte so ein Ratinger vor großem finanziellen Schaden bewahrt werden. „Meist geht es um 10.000, 15.000 oder 25.000 Euro“, so Hildebrand. In Gütersloh hat die Polizei einen speziellen Briefumschlag gestaltet, der von den Banken beim Geldabheben ausgegeben wird. Aufgedruckt sind Fragen, die auf einen möglichen Betrug hinweisen. Ein Modell, mit dem auch die Kreispolizei Mettmann liebäugelt. „Wir sind derzeit in Gesprächen mit Banken und Sparkassen“, so Hildebrand.Wachsam sein heißt es auch, wenn Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an der Tür klingeln und einen Corona-Test machen wollen. „Diese Besuche werden immer vom Amt angekündigt“, so Hildebrand.

Auch von Datenfängern ist der Kreis Mettmann nicht verschont geblieben. Mit gefälschten Internetseiten fingen Betrüger im Frühjahr Anträge auf Soforthilfe ab und wirtschafteten in die eigene Tasche. Corona macht Diebe und Betrüger erfinderisch.