Cologne Pride: Köln feiert 50 Jahre CSD: „Es muss in die Herzen der Menschen“

Cologne Pride : Köln feiert 50 Jahre CSD: „Es muss in die Herzen der Menschen“

Der CSD wird 50 Jahre alt - und ist passend dazu diesmal besonders politisch. Denn manch einer sieht Homophobie auf dem Vormarsch. Dagegen soll ein Zeichen gesetzt werden - auch wenn nicht alle aus der Community vom Nutzen überzeugt sind.

Betty BBQ ist Dragqueen, Entertainerin aus Freiburg und Schorlekönigin. Aber im Endeffekt ist er einfach ein lustiger schwuler Mann, der die Welt ein bisschen bunter machen will. Mit seinem Schwarzwälder Bollenhut passt er perfekt zur Christopher-Street-Day-Parade, die sich am Sonntag wieder durch die Straßen von Köln windet. Regenbogenflaggen wehen über dem Rhein, und sogar die Ampelmännchen sind stellenweise gleichgeschlechtlich.

Es gibt so viele fantasievolle Kostüme, dass man das Ganze auf den ersten Blick für eine Art Sommerkarneval halten könnte. Doch vom Selbstverständnis her ist es eine politische Demonstration - diesmal ganz besonders. Das Motto „50 Years of Pride. Viele. Gemeinsam. Stark!“ erinnert an die „Stonewall“-Proteste 1969 in New York: Dort wehrten sich Homosexuelle gegen Polizeischikanen, später entstand daraus der CSD.

Dirk Büchsenschütz (37) hat in Köln den legendären Barkeeper aus der New Yorker „Stonewall Inn“ getroffen, wo die Proteste damals losgingen. „Das ist gelebte Geschichte“, schwärmt er. „Wenn man hier mitläuft, hat man das Gefühl, man ist Teil dieser Revolution von damals. Ich finde das bewegend, wenn man sich bewusst macht, wie viele Generationen vor uns für uns gekämpft haben.“

Und dieser Kampf gehe weiter, betont der Wuppertaler: „Wenn ich lese, dass in Pirna in Sachsen der CSD gefährdet ist, weil AfD und NPD massiv Stimmung gegen die Schwulenparade machen, Regenbogenflaggen zerstören, dann denke ich: Der CSD ist politischer als je zuvor.“ Dragqueen Uwe (54) aus Dortmund sieht das genauso: „Gerade jetzt, wo Homophobie wieder salonfähiger wird.“

Doch nicht alle aus der Community finden es uneingeschränkt gut, wenn Schwule und Lesben so extrovertiert Flagge zeigen. „Ich bin absolut nicht gegen den CSD“, sagt Alexander aus Köln, der selbst schwul ist. „Mit den Grundgedanken - Gleichberechtigung, jeder kann sein, wie er will - kann ich mich voll identifizieren. Das Problem ist nur: Die Leute, die das noch nicht so sehen - und von denen gibt es ja noch reichlich - die sitzen abends vor der "Tagesschau" und sehen da den 16-Jährigen mit Feder-Boa und die Dragqueen. Und denken dann natürlich: "Ach guck an, die sind ja alle nicht normal!"“ Natürlich gehe es hier um bewusste Überzeichnung mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu erzeugen und so für Offenheit, Respekt und Gleichbehandlung zu werben. Nur komme das außerhalb der Community häufig nicht rüber.

Dragqueen Uwe kennt diesen Einwand. „Dazu sage ich immer: Wenn wir alle als graue Mäuse rumlaufen, dann fallen wir nicht auf. Wir müssen sichtbar sein.“ Travestie-Künstler Mira Coli (47) hat neulich erst wieder die Erfahrung gemacht, dass es noch einiges zu tun gibt. Er wollte mit seinem Freund in Aachen einen Tanzkurs machen, aber viele Tanzschulen wiesen das Männerpaar ab. Der CSD ist für ihn eine Möglichkeit, solche Vorbehalte abzubauen. Denn unter den Hunderttausenden Zuschauern müssen zwangsläufig auch ein paar Heteros sein. „Wir können uns hier einem Publikum präsentieren, das nicht zur Community gehört. Wenn sie uns erstmal kennengelernt haben, merken sie: Wir haben ganz normale Berufe, wir sind ganz normale Menschen wie sie auch. Und das ist schön.“

Uwe drückt es so aus: „Es muss in die Herzen der Menschen, das ist das Allerwichtigste. Wichtiger als Weihnachten, Geburtstag und alles andere zusammen.“

So schillert Köln beim CSD
(dpa)
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