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Bußgelder für Impf-Schwänzer? Lieber Anreize setzen

Kommentar : Bußgelder für Impf-Schwänzer? Lieber Anreize setzen

Politiker wie Karl Lauterbach (SPD) wollen nun diejenigen zur Kasse bitten, die ihren Impftermin verstreichen lassen, ohne sich abzumelden. Wie sinnvoll ist die Idee und welche Alternativen gibt es?

Gehamstert wurde in der aktuellen Pandemie nicht nur Toilettenpapier. Manche sammelten auch Impftermine auf Vorrat, meldeten sich beim Impfzentrum an und ließen sich gleichzeitig bei verschiedenen Ärzten auf die Wartelisten setzen. Verwerflich? Nein. Schließlich gilt seit Monaten die Devise: Je höher das Impftempo, desto besser für die Gesellschaft, die ihr normales Alltagsleben erst wieder zurückbekommt, wenn von dem neuen Virus, in welcher Varainte auch immer, nur noch eine geringe Gefahr ausgeht.

Ärgerlich ist zweifellos, dass manche die einmal bestellten Impfungen nun einfach ignorieren und ihre Termine nicht absagen, obwohl sie mittlerweile eine andere Impfgelegenheit wahrnehmen konnten. Die Gründe dürften vielfältig sein. Manche haben vielleicht den Überblick verloren, andere haben es womöglich einfach vergessen. Und dann gibt es leider vermutlich auch ein paar, denen es schlicht egal ist, dass sie Mehraufwand verursachen und im ungünstigsten Fall eine Impfdose nicht in die Vene eines Impfwilligen, sondern in den Müll wandert.

Politiker wie Karl Lauterbach (SPD) wollen nun diejenigen zur Kasse bitten, die ihren Impftermin verstreichen lassen, ohne sich abzumelden. Das klingt bei allem verständlichen Unmut nach billigem Populismus, der zudem einige bürokratische Folgen hätte, denn irgendjemand müsste die Kosten- oder Bußgeldbescheide ja schreiben. Ohnehin ist die Frage, ob das Problem wirklich so groß ist, dass es staatliche Sanktionen erfordert. Und ob man es vorher nicht vielleicht auf andere Weise versuchen könnte.

In Sachsen zum Beispiel erwägt man ein Bonussystem mit Prämien für die Menschen, die ins Impfzentrum kommen. Anreize setzen statt bestrafen, das ist im Verhältnis zwischen Staat und seinen Bürgerinnen und Bürgern häufig der klügere Weg. Zumal auch auf staatlicher Seite bekanntlich nicht alles reibungslos geklappt hat in der Pandemie. Ein wenig Weit- und Nachsicht stünde den Verantworlichen gut zu Gesicht.