Zeitarbeit: Enttäuschte Job-Hoffnungen

Zeitarbeit: Enttäuschte Job-Hoffnungen

Wenig Geld, schnelle Kündigung: Ein junger Leiharbeiter berichtet.

Burscheid. Zeitarbeit als Chance auf eine spätere Festeinstellung und notwendiges Mittel der Flexibilität — so wurde das umstrittene Instrument in der vergangenen Woche von Unternehmerverbänden, Zeitarbeitsfirma und IG Metall verteidigt. Auch der Burscheider Florian P. (Name geändert) hoffte auf einen festen Job — und wurde enttäuscht.

Ein Jahr war der gelernte Elektroniker für Betriebstechnik nach der Ausbildung übernommen worden. Das sieht der Tarifvertrag vor. Doch Ende Januar war für den 22-Jährigen Schluss. Der Zeitvertrag wurde nicht verlängert, wie bei vielen anderen auch.

Florian bewarb sich umgehend bei einer Reihe von Industrieunternehmen der Branche. „Dort habe ich dann immer gehört, fachlich sei alles super, aber ich hätte noch zu wenig Berufserfahrung.“

Also sattelte er auf Zeitarbeitsfirmen um. „Es gab viele Versprechungen, aber zurückgemeldet hat sich keine.“ Über einen Bekannten kam er schließlich doch bei einer unter, die ihn Anfang Februar in einen Betrieb vermittelte.

„Dort habe ich zunächst auch als Elektroniker gearbeitet, doch dann musste ich mechanische Arbeiten übernehmen.“ Letzte Woche folgte nach gut einem Monat die Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen. Die Zeitarbeitsfirma sah danach ebenfalls keine Möglichkeit der Weiterbeschäftigung.

Finanzielle Konsequenz: Statt 1600 Euro in der Festanstellung erhielt Florian bei der Zeitarbeitsfirma nur 860 Euro netto. Das hat auch Auswirkungen auf das Arbeitslosengeld: Ende Januar hätte es sich noch an seinem früheren Tariflohn orientiert und 67 Prozent des Durchschnittsgehalts betragen.

Da er aber einen Monat Leiharbeiter war, müsste er auch hier empfindliche Einbußen hinnehmen. Müsste — weil Florian nun kurzfristig ins Elektrohandwerk gewechselt ist. Dort verdient er zwar längst nicht so gut wie als Facharbeiter in der Industrie, aber er ist wenigstens nicht arbeitslos.

Dennoch will er irgendwann wieder in seine Ursprungsbranche zurück. Und wird auf dem Weg dorthin trotz aller Skepsis weiter auf den Einstieg über Zeitarbeitsfirmen setzen müssen. „Als junger Mensch ist es fast unmöglich, irgendwo direkt unterzukommen.“

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