Interview: „Worte können mich nicht beschreiben“

Interview : „Worte können mich nicht beschreiben“

Am 12. April kommt Christian Steiffen mit seinem Album „Gott of Schlager“ ins Kölner E-Werk.

Das Warten hat ein Ende, endlich ist es da: sein drittes Meisterwerk. Nüchtern und sachlich, wie immer gewohnt reflektiert. „Gott of Schlager“- so der Titel des dritten Ergusses- ist ein weiterer Höhepunkt im Steiffen-Œuvre. Und Christian Steiffen steht wieder voll im Saft. Schon in der Wahl des Albumtitels greift Christian auf das von ihm so perfekt inszenierte und auch zelebrierte Stilmittel der Untertreibung zurück und fügt hinzu: „Worte können mich und dieses Album nicht beschreiben. Der Begriff „Gott of Schlager“ kann nur ein Versuch sein, wird aber für immer eine Krücke bleiben.“

Wie kam es zu dem Titel „Gott of Schlager“?

Christian Steiffen: Schon bei meinem ersten Auftritt 2008 habe ich mich als „Gott of Schlager“ selbst angekündigt. Außerdem behandle ich ja viele Schlagerthemen vom Schützenfest bis zum Karneval. Da hat der Titel gut gepasst. Es ist auch ein Blick zurück zu den Anfängen. Dass ich jetzt damit ins E-Werk kommen darf, hätte ich nie für möglich gehalten. Früher war mein Publikum bei Weitem nicht so zahlreich, dass es für so eine Halle gereicht hätte.

Was reizt Sie so am Thema Schlager?

Steiffen: Das war nie ein bewusster Prozess, sondern hat sich einfach so ergeben. Einen Titel wie „Sexualverkehr“ hatte ich mir sehr lange aufbewahrt. Mit der Musik konfrontiert worden bin durch die 70er Jahre im Partykeller meiner Eltern. Da war ich dem Schlager ungeschützt ausgesetzt. Ab und zu muss das jetzt einfach raus. Es macht meine Kunstfigur auch aus. Ich hätte nie gedacht, dass so ein Projekt so groß werden könnte. Anfangs habe ich immer mit ein paar Leuten meine eigene Party gefeiert. Und es macht Spaß, die Subtexte im Schlager zu erkennen. Da wird aus „Ganze Nacht von dir getrennt“ schnell „Ganze Nacht von mir getrennt“, was die selbstverliebte Schlagerwelt zeigt. So werden aus Songs Persiflagen. Das in den eigenen Liedern formulieren zu können, ist sehr reizvoll.

Wie entstehen die Songs?

Steiffen: In der Regel aus ganz normalen Alltags- und Lebenssituationen. Zum Schreiben nutze ich gerne in der Nacht und bin dann fertig, wenn andere Leute morgens zur Arbeit gehen. Manchmal habe ich Titel jahrlang im Kopf und irgendwann ist der Song dann binnen von 20 Minuten fertig. Eine feste Formel für die Songs gibt es aber nicht.

Sie spielen auch gerne mit verschiedenen Genres.

Steiffen: Das ergibt sich auch aus der Zusammenarbeit mit Dr. Martin Haseland. Er macht immer das, was im gerade gut gefällt. Da entstehen Anti-Karnevalslieder perfekt im Karnevalsstil. Bei meiner Kunstfigur ist eigentlich fast alles denkbar, Disco genauso wie Pop, Rock und andere Genres.

Welche Beziehung haben Sie zu Köln?

Steiffen: Da habe ich mich langsam durch die Locations gearbeitet. Angefangen vom Stereo Wonderland, dem Blue Shell und dem Underground über das Gloria bis jetzt zum E-Werk. Köln ist so zum Steiffen-Land geworden – meine wichtigste Stadt, in der ich es vom Punkladen bis zur großen Halle geschafft habe.

Was erwartet die Fans am 12. April im E-Werk?

Steiffen: Ich mache das, was ich immer mache – kontrolliert explodieren mit den besten Hits. Ich werde zwei Stunden lang Vollgas geben.

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