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Dom Kelly: „Wir wollten etwas schaffen, mit dem sich die Menschen identifizieren“

Dom Kelly : „Wir wollten etwas schaffen, mit dem sich die Menschen identifizieren“

In einer Zeit, in der die meisten öffentlichen Konzerte ausfallen müssen, kommt ein ganz besonderes Dom-Konzert zu den Menschen nach Hause: Michael Patrick Kelly und Gäste sind in einen musikalischen Dialog mit der Kölner Kathedrale getreten.

Die bildgewaltige, 30-minütige Aufzeichnung dieser Performance, die in einer schwierigen Zeit Hoffnung, Trost und Halt vermitteln möchte, ist morgen ab 12 Uhr auf dem offiziellen YouTube-Kanal des Musikers zu erleben.

„Ich bin immer noch ganz beseelt, dass Michael Patrick Kelly unsere Einladung angenommen hat, in der Karwoche ein ‚Lockdown-Konzert‘ im Kölner Dom zu geben“, sagt der emeritierte Dompropst Gerd Bachner. „Schon die Vorgespräche über die Gestaltung eines starken, musikalischen Hoffnungszeichens aus dem Dom waren ungeheuer intensiv. Michael Patrick Kelly ist ein unglaublich reflektierter Mensch. Die Chemie zwischen uns hat gleich gestimmt.“

Ein besonderer Film
zum Finale der Osterzeit

Schon nach den ersten Minuten der Vorgespräche habe festgestanden, dass man die jeweiligen Pfründe – Michael Patrick Kellys Musik und den einzigartigen Dom – zusammenbringen wolle, um vor allen jüngeren, eher kirchenfernen Menschen ein Zeichen der Zuversicht zu schenken, so der ehemalige Dompropst weiter. „Wir wollten etwas schaffen, mit dem sich diese Menschen identifizieren und mit dessen Hilfe sie Trost finden können, wenn sie im aktuellen Ausnahmezustand auf der Suche nach Halt und Geborgenheit sind. Dass inzwischen im Dom wieder öffentliche Gottesdienste stattfinden und sich die ersten Lockerungen im Kölner Stadtbild bemerkbar machen, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Menschen dauerhaft unter den massiven Folgen der Corona-Pandemie leiden, ja, existenziell bedroht sind. Ich freue mich, dass wir den Film an Pfingsten, zum Finale der Osterzeit, der Öffentlichkeit vorstellen können. So dokumentiert der Film die Zeit der absoluten Schockstarre, um dann gen Ostern und in eine Perspektive eines Neuanfangs zu weisen, wie wir ihn vorsichtig wieder spüren.“

In Rekordzeit haben der bekannte Musiker und der ehemalige Kölner Dompropst Ende März einen dramaturgischen roten Faden konzipiert, dessen einzelne Bestandteile in der Karwoche am Dom filmisch umgesetzt worden sind. „An zwei Tagen haben wir jeweils am späten Nachmittag mit den Dreharbeiten begonnen und waren am nächsten Morgen gegen vier Uhr fertig“, erzählt der Dompropst. „Es war für alle Beteiligten ein immenser Kraftakt. Normalerweise planen wir für Projekte dieser Dimension viele Monate lang. Aber weil es schnell gehen musste, haben alle an einem Strang gezogen und sind über sich hinausgewachsen.“

Das Ergebnis: Eine bildstarke Performance. Michael Patrick Kelly ist im Dialog mit seiner „alten Liebe“, dem Kölner Dom. „Als ich noch im Kölner Umland gewohnt habe, habe ich dort oft Gottesdienste besucht“, erinnert er sich. „Der Dom ist ein Ort, der fest zu meinem Leben gehört.“ Michael Patrick Kelly hat sich in einer Zeit, in der der Dom nur zum Gebet geöffnet war, einschließen lassen, seine Gedanken und Gebete dabei musikalisch formuliert – und das nicht immer nur leise. Neben eigenen Kompositionen – darunter spirituelle Stücke, die während seines sechsjährigen Klosteraufenthaltes in Frankreich entstanden sind – performt der Musiker auch Klassiker wie Bob Dylans „Knocking On Heaven’s Door” oder das Spiritual „Motherless Child” mit seinen verzweifelten, aggressiven Passagen. „Wir wollten damit die Stimmung der Menschen abbilden, die aktuell von großen Zukunftsängsten und von sozialer Isolation geprägt sind“, sagt Kelly. „Wir wollten sie mit diesen Songs abholen, um ihnen etwas Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln. In jeder Dunkelheit bietet sich auch irgendwo ein Licht an: ‚There Is Hope‘, wie es im Titel einer meiner Songs heißt.“

Unterstützt wird Michael Patrick Kelly einerseits von Gastmusikern wie dem Rapper Motrip und der Metal-Sängerin Jennifer Haben, die ihre Parts auf dem Vierungsturm des Domes eingesungen haben. Andererseits von der gewaltigen Architektur der Hohen Domkirche, die von den Bildgestaltern so aufwändig wie sinnlich in Szene gesetzt wird. „Es war sehr bewegend in dieser leeren Kathedrale zu singen, in der sonst täglich tausende Besucher aus der ganzen Welt ein und aus gehen“, sagt Michael Patrick Kelly. „Ich bin dem ehemaligen Dompropst Gerd Bachner und dem ganzen Team des Kölner Domes sehr dankbar für diese großartige Möglichkeit“, so der Musiker.