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„Wir steuern ins Verkehrschaos“

„Wir steuern ins Verkehrschaos“

Handwerkskammer kritisiert die Baustellenplanung der Stadt und befürchtet im Frühjahr 2018 überfüllte Straßen.

Köln. „Nicht immer ist es positiv, sich in seinen Prognosen bestätigt zu sehen“, heißt es von der Handwerkskammer zu Köln. Vor rund drei Wochen warnte die Handwerkskammer vor einer Überschneidung der Bautätigkeiten im Kalker Tunnel und an der Mülheimer Brücke. Anlass war die Ankündigung der Stadt, wegen der Verzögerungen bei der Sanierung des Kalker Tunnels auf der B 55a käme es im Frühjahr 2018 zur Überschneidung mit den Arbeiten zur Ertüchtigung der Mülheimer Brücke, die im Frühjahr starten sollen. Die Handwerkskammer kritisierte diese Baustellenplanung der Stadt vor dem Hintergrund der ohnehin angespannten Verkehrssituation im innerstädtischen Straßennetz und auf dem Autobahnring rund um Köln.

Sie stellte in diesem Zusammenhang auch die Einhaltung des geplanten Fertigstellungstermins (Dezember 2017) für die Fahrbahnsanierung auf der Zoobrücke in Frage und prognostizierte auch hier Verzögerungen wie beim Kalker Tunnel. „In der Regel verspürt man ein Gefühl der Genugtuung, wenn man sich in seinen Prognosen bestätigt sieht, in diesem Fall allerdings nicht“, betont Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln. „Wir steuern im Frühjahr 2018 geradewegs in ein Verkehrschaos, wenn die Stadt die Baustellen auf den Hauptverkehrsachsen über den Rhein nicht nacheinander abarbeitet.“

Weltrich will die Hoffnungen der Stadt bezüglich der Fahrbahnsanierung auf der Zoobrücke nicht teilen. „Ich weiß nicht, wie man die bereits aufgetretenen Verzögerungen kompensieren will. Allein auf gutes Wetter zu hoffen und in Zelten zu arbeiten, wird wohl nicht reichen, um in der verbleibenden Zeit fünf Wochen Verzug aufzuholen. Sollten sich die Arbeiten bis ins Frühjahr 2018 hineinziehen und sich dann mit den Arbeiten am Kalker Tunnel und an der Mülheimer Brücke überschneiden, werden unsere Handwerksbetriebe angesichts der zu erwartenden Verkehrsverhältnisse bei der Ausführung ihrer Dienstleistungen noch stärker beeinträchtigt.“ Es gebe dann bei der Fahrzeitenkalkulation zu Kunden beziehungsweise zu Baustellen in Köln überhaupt keine Planungssicherheit mehr.

„Wir haben Mitte Januar die Internationale Möbelmesse auf dem Kölner Messegelände, Ende Januar folgt die Internationale Süßwarenmesse. Dann kommen im Februar unter anderem die Spoga Horse, im März die Internationale Eisenwarenmesse und im April die Fitnessmesse Fibo. Der Besucherverkehr läuft im Wesentlichen über das Autobahnkreuz Köln-Ost und die B 55a. Wegen der Sanierung der B 55a sind am Kreuz-Ost die beiden Zufahrten von der A 3 aus Fahrtrichtung Oberhausen und aus Frankfurt auf die B 55a in Fahrtrichtung Zoobrücke gesperrt.“ Das führe stadteinwärts noch zu einer gewissen Entlastung der B 55a, weil der Messelieferverkehr zumindest teilweise in Mühlheim von der A 3 auf den Clevischen Ring und dann zum Messegelände fahre. „Wenn aber die Arbeiten an der Mülheimer Brücke Anfang 2018 zu Verkehrsbeeinträchtigungen im umliegenden Straßennetz führen und die am Autobahnkreuz Köln-Ost derzeit gesperrten stadteinwärts führenden Abbiegespuren freigegeben werden, wird der Verkehr bei gleichzeitigen Bauarbeiten am Kalker Tunnel und auf der Zoobrücke am Kreuz Ost in Spitzenzeiten kollabieren. Würden die Sperrungen am Kreuz Köln-Ost beibehalten, werde die Situation am Clevischen Ring unkalkulierbar“, warnt Weltrich.

Die Handwerkskammer erwarte von der Stadt eine sachgerechte Baustellenkoordinierung, was bedeute, dass man zunächst eine Großbaustelle fertigstelle, bevor man auf einer Kompensationsstrecke mit verkehrsbeeinträchtigenden Arbeiten beginne. „Jetzt müssen erst mal auf der B 55a die Fahrbahndeckensanierung und im Kalker Tunnel die Nachbesserungsarbeiten beendet werden. Dann kann man mit der Ertüchtigung der Mülheimer Brücke beginnen“, fordert Weltrich und betont, bisher liege ihm kein tragfähiges Baustellenkoordinierungskonzept für die beschriebenen Maßnahmen, das auch die Verzögerungen beinhalte, vor. Das müsse seitens der Stadt aber schnellstmöglich vorgestellt werden.

Die Stadt hat jetzt mit der abschließenden Bauphase begonnen. Derzeit wird für die zwei letzten zu sanierenden Fahrspuren der alte Fahrbahnbelag aufgenommen und abtransportiert. Bevor der neue Asphalt aufgebracht werden kann, ist es auch in diesem Bauabschnitt erforderlich, die vorhandene Abdichtung, die die Stahlkonstruktion der Brücke vor Korrosion schützt, zu erneuern. Da das Wetter maßgeblich dafür ist, ob die Arbeiten überhaupt durchgeführt werden können, hat sich die Verwaltung für den Einsatz eines mobilen Schutzzeltes entschieden. In dem beheizten Zelt sollen die Korrosionsschutzarbeiten witterungsunabhängig fortgeführt werden können.

Nach Ende der Korrosionsschutzarbeiten können die von der Witterung unabhängigeren Deckenbauarbeiten durchgeführt werden. Durch den Einsatz des Zeltes wird die Deckenerneuerung der kompletten Fahrbahn laut Stadt voraussichtlich um die Jahreswende abgeschlossen werden können. An die Erneuerung der Fahrbahndecke sollen sich Anfang 2018 Arbeiten an den in der Mitte verlaufenden Fahrbahnabtrennungen sowie an der Abgrenzung zu den Geh- und Radwegen anschließen.