„Wir sind nicht objektiv“

„Wir sind nicht objektiv“

Schwierige Wahl der weiterführenden Schule.

Burscheid. Auf eine Seite möchten die Burscheider Eltern sich, was die Schulpolitik angeht, ungern schlagen. Mutter Petra Berndsen (47) zum Beispiel. Ihre Tochter besucht die Ernst-Moritz-Arndt-Schule in Hilgen, geht dort noch in die dritte Klasse.

Bald steht die Frage an, welche weiterführende Schule die Tochter besuchen wird. Berndsen befürwortet, dass hier noch die Lehrer das letzte Wort haben. "Ich halte gar nichts von Eltern, die ihre Kinder unbedingt aufs Gymnasium schicken wollen, auch wenn sie dort nicht hinpassen. Eltern können ihr Kind nicht selbst beurteilen. Wir sind nicht objektiv", sagt sie.

Davon, die Grundschulbezirke wieder einzuführen, rät sie dagegen ab. Die Familie Berndsen lebt in Wermelskirchen. Doch die Schulen dort gefallen Berndsen nicht. Sie sei froh, die Möglichkeit zu haben, ihre Tochter in Burscheid zur Schule zu schicken.

Ähnlich sieht das auch Vater Karl Heinz Gayk, auch seine Tochter besucht die Ernst-Moritz-Arndt-Schule: "Wenn Eltern eine Schule stärker anspricht, sollen sie ihre Kinder auch dorthin schicken."

Kopfnoten halten beide, Berndsen und Gayk, für sinnlos. "Konstruktive Gespräche mit den Eltern über das Verhalten des Kindes machen doch viel mehr Sinn", sagt Berndsen. Eine Meinung, die Daniela Ortmann (33), deren Tochter die dritte Klasse der Montanusschule besucht, nicht teilt: "Die Noten zeigen, wie das Kind sich verhält und was es kann." Mutter Astrid Gerleve (40) wiederum spricht sich gegen diese Form der Beurteilung aus: "Wenn die Lehrer kompetent sind und Eltern ihren Kindern ein vernünftiges Sozialverhalten mitgeben, ist das nicht nötig."

Von einer Neuschaffung der Grundschulbezirke rät sie ab. Sie selbst wird ihren Sohn nach dem Sommer auf eine Lützenkirchener Grundschule schicken: "Einfach, weil die Schule auf dem Weg zur Arbeit liegt."

Babette Schluck, Schulpflegschaftsvorsitzende der Realschule, weiß, wie unterschiedlich Eltern die Schulpolitik bewerten. Darum könne sie nur in einem Punkt für alle sprechen: "Jeder, der ein Kind auf der Realschule hat, will, dass diese Schulform erhalten bleibt."