Kriminalitätsstatistik 2018: Weniger Einbrüche, Betrug von Senioren eine Seuche

Kriminalitätsstatistik 2018 : Weniger Einbrüche, Betrug von Senioren eine Seuche

Die Zahl der Straftaten im Kreis ist deutlich zurückgegangen. Die Polizei will deshalb an ihrer Taktik festhalten.

Wie auf Landesebene sind im Kreis die Zahlen der Straftaten deutlich zurückgegangen – und zwar um über zehn Prozent. Während 2017 noch 13 573 Fälle die Kreispolizei beschäftigt haben, waren es im vergangenen Jahr 12 203.

Besonders über den erneuten Rückgang der Einbruchszahlen zeigten sich gestern während der Präsentation der Kriminalitätsstatistik Landrat Stephan Santelmann und Ralf van Uden als Leiter der Direktion Kriminalität erfreut. „Das bedeutet aber nicht, dass die Polizei jetzt die Hände in den Schoss legt“, erklärte der Landrat als Behördenleiter. „Sicherheit bleibt ein wichtiges Thema.“

475 Einbrüche in Häuser und Wohnungen sind im vergangenen Jahr angezeigt worden. In dieser Zahl sind auch die Versuche enthalten, die mit über 50 Prozent einen deutlichen Anteil haben. „Das zeigt, dass die Bürger unsere Empfehlungen annehmen“, erklärte van Uden. Verstärkte Sicherheit an Türen und Fenstern mache den Dieben das Leben schwerer. Schon mit den sinkenden Zahlen zeige sich aber, dass die Sensibilisierung der Menschen nachlasse. „Der Bedarf an Beratung lässt nach.“ 226 vollendete Wohnungseinbrüche bedeuten statistisch 0,6 Einbrüche pro Tag. Eine Zahl von 0,4 oder sogar 0,3 sei womöglich realistisch zu erreichen. „Eine Null ist aber nur ein Traum.“

Zurückzuführen seien die Erfolge insbesondere beim Rückgang der Wohnungseinbrüche mit dem jetzt tiefsten Stand seit 13 Jahren auf die direktionsübergreifende Kooperation von Behörden, intensive Kontrollen und damit die Verflechtung mit der Direktion Verkehr sowie der Einsatz von so genannten Wohnungs-Einbruchs-Diebstahl-Teams. „Daher sollen diese Ansätze auch weiter verfolgt werden“, sagte Landrat Santelmann und verwies darauf, dass der Kreis den dritten Platz bei der Sicherheit von Regionen in NRW belege. Ralf van Uden ergänzte, dass es sich bei den noch sichereren Regionen um Lippe und Höxter handele – und damit der Kreis in der Metropolregion Köln seine Arbeit besonders gut gemacht habe.

Dennoch wird die aktuell gute Bilanz getrübt. Denn weiter auf dem Vormarsch sind die so genannten Straftaten zum Nachteil von älteren Menschen. 726 Betrugsfälle unter anderem mit dem „Polizei-Trick“ wurden im vergangenen Jahr angezeigt. Bei 22 dieser Taten wurden die Senioren tatsächlich betrogen. Und zwar insgesamt um eine Summe (zumeist Bargeld und Schmuck) in Höhe von 650 520 Euro. Statistisch ist damit bei jedem Opfer ein Schaden in Höhe von 30 000 Euro entstanden. Ralf van Uden wies darauf hin, dass die Kreispolizei relativ machtlos sei, da die Hintermänner zumeist von Callcentern aus dem Ausland operierten. Täter seien auch schon bei der Übergabe gefasst worden. „Doch die kennen die Hintermänner nicht persönlich.“ Die Strippenzieher könne man nur in gemeinsamen Ermittlungen über die Grenzen hinweg dingfest machen. Dass selbst das schwierig werden wird, zeigt die Dimension der Schäden. Van Uden: „Das ist ja lukrativer als der Handel mit Betäubungsmitteln.“

Stark angestiegen ist auch die Zahl der Raubdelikte. Hier gab es einen Anstieg um 40 auf 118 Fälle (+51 Prozent). Schwerpunkt liegt laut dem Kripochef in Bergisch Gladbach mit 75 Taten (+92 Prozent) und sei dort zumeist als „Abziehdelikt“ unter Jugendlichen wahrzunehmen. Einen leichten Rückgang gab es bei den Körperverletzungen, ebenfalls weniger Sexualstraftaten (135 statt 154) wurden angezeigt. Die Aufklärungsquote liegt bei allen Straftaten über 50 Prozent, der Gesamtschaden beträgt fast 16 Millionen Euro.

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