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Ausstellungen: Von Grafikdesign über Fotografien bis hin zu ausdrucksstarken Keramiken

Ausstellungen : Von Grafikdesign über Fotografien bis hin zu ausdrucksstarken Keramiken

Nach vielen Monaten im Shutdown blick das Käthe-Kollwitz-Museum trotz der weiterhin bestehenden Planungsunsicherheit voller Zuversicht auf die kommende Zeit und stellt seine Jahresplanung 2021 vor. Bedingt durch das Infektionsgeschehens können sich eventuell Verschiebungen der Termine ergeben.

Das abwechslungsreiche Ausstellungsprogramm spannt einen Bogen vom Pariser Grafikdesign des Art Déco bis hin zu den zeitgenössischen Zeichnungen der Österreicherin Maria Lassnig. Es erzählt in Friedrich Seidenstückers Photographien aus der Zeit der Weimarer Republik und in den Werken der Käthe Kollwitz vom Leben der Menschen in der Metropole Berlin. Es lädt ein zur Begegnung mit Jan Kollwitz, dem Urenkel der Künstlerin, der seine neueste, im ostholsteinischen Klosterdorf Cismar gefertigte japanische Keramik bei einem Gastspiel im Käthe Kollwitz Museum präsentieren wird.

Art Déco - Grafikdesign aus Paris, Verlängerung geplant bis 2. Mai:

Rankende florale Formen und strenge geometrische Elemente, kontrastreiche Farben, klare und zugleich verspielte Typografie – das Grafikdesign des Art Déco vereint das scheinbar Gegensätzliche. Kunstvolle Plakate, Illustrationen und Anzeigen spiegeln die großen Themen dieser Zeit: Die neue Werbung für Haute Couture oder Jazz, Tanz und technische Errungenschaften – nicht zuletzt auch für Kriegs- und Staatsanleihen – entführt in die Illusion einer besseren und schöneren Welt.

Was anknüpfend an den französischen Jugendstil der Jahrhundertwende seinen Anfang nimmt und zur Pariser Weltausstellung der angewandten Künste 1925 seine Benennung findet, dokumentiert nichts weniger als den gesellschaftlichen Tanz auf dem Vulkan der Zwischenkriegszeit: In kühn gezeichneten Visionen extravaganten Lebens zeigt Frankreich sich nach und vor den dunklen Jahren farbenfroh, progressiv und exaltiert.

Noch hängt die Schau im Dunkel und wartet auf Licht: Nach dem Lockdown präsentiert das Käthe Kollwitz Museum voraussichtlich bis zum 2. Mai die überaus erfolgreich angelaufene Ausstellung mit mehr als 100 faszinierenden, zum Teil großformatigen Druckgrafiken aus der Sammlung des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und nimmt seine Besucher mit auf eine Reise in das glanzvolle Paris vor 100 Jahren.

Friedrich Seidenstücker,
geplant 8. Mai bis 1. August:

Friedrich Seidenstücker zählt zu den bedeutenden Chronisten des Alltagslebens im Berlin der Weimarer Republik. Seine atmosphärischen Aufnahmen erzählen von beiläufigen Ereignissen und Begebenheiten: vom leichten Sonntagsvergnügen und vom beschwerlichen Arbeitsalltag, von Kinderspielen auf der Straße und dem Treiben auf Bahnhöfen und im Zoo. Seidenstücker zeigt mit seinem augenzwinkernden, ja, humoristischen Blick die Menschen und das Leben in der Metropole. Seine Fotographien von Kleingewerblern wie fliegenden Händlern, Zeitungsverkäuferinnen, Kutschern und Kofferträgern machen jedoch auch die Härten der Großstadtexistenz sichtbar und lassen oftmals im Hintergrund und an den Bildrändern die Gegensätze der sozialen Realität in den Zwischenkriegsjahren durchscheinen.

Das Käthe Kollwitz Museum präsentiert in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsgemäldesammlung | Pinakothek der Moderne das mehr als 100 Werke umfassende Konvolut an Aufnahmen aus der Sammlung Ann und Jürgen Wilde.

Käthe Kollwitz, geplant
5. August bis 26. September:

Käthe Kollwitz, die bedeutendste deutsche Künstlerpersönlichkeit der klassischen Moderne, thematisiert in ihren Werken wie keine Zweite Krieg, Armut und Tod, aber auch Liebe, Geborgenheit und das Ringen um Frieden in nachdrücklicher Weise. Mit ihren Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen erlangt sie bereits zu Lebzeiten weltweites Ansehen.

Eine neue Monografie stellt ab Sommer einen Überblick über ihr gesamtes künstlerisches Œuvre vor. Mit über 200 Werkabbildungen, nach Themen geordnet, beinhaltet der Katalog eine repräsentative Auswahl aus der Sammlung des Käthe Kollwitz Museum Köln. Mit ihrem weltweit größten Bestand an Zeichnungen, druckgrafischen Blättern und Plastiken ist die Kölner Kollwitz-Sammlung eine engagierte Botschafterin der Künstlerin: Das neue Standardwerk mit Textbeiträgen der Kunsthistoriker des Museums erscheint in einer deutschen und englischen Ausgabe.

Die Buchvorstellung wird von einer Sonderausstellung im Käthe Kollwitz Museum begleitet, die in Anlehnung an den Katalog die Themenfelder ihres Schaffens vorstellt. Aber nicht allein das künstlerische Können der Künstlerin fasziniert. Vor allem die zeitlose, emotionale Schlagkraft ihrer Arbeiten berührt Menschen in aller Welt bis heute. Daher wird die Schau um einen besonderen Aspekt ergänzt: Die Museumsmitarbeiter stellen ihre Sammlungs-Höhepunkte vor. Die subjektiven Werkbetrachtungen vermitteln als persönliche Impulse eine tiefe Verbundenheit mit der Künstlerin.

Jan Kollwitz, japanische Keramik, geplant 19. bis 29. August:

Jan Kollwitz zählt zu den herausragenden Keramikern unserer Zeit. Seit mehr als drei Jahrzehnten fertigt der Urenkel von Käthe Kollwitz ausdrucksstarke Gefäße in traditionell japanischer Technik – abseits aller künstlerischen Moden und Strömungen.

Während seiner Ausbildung in Japan konnte er Ofenbaumeister Watanabe Tatsuo dazu gewinnen, für seine Werkstatt im ostholsteinischen Klosterdorf Cismar einen originalen Anagama-Ofen zu errichten. In dessen Holzfeuer zeichnen Rauch, Flammen und Glutkohle lebendige Farben auf den Oberflächen. Flugasche, die zu einer natürlichen Glasur verschmilzt, verleiht den Gefäßen einen besonderen Glanz. 

Vor drei Jahren war Jan Kollwitz zum letzten Mal zu Gast im Käthe Kollwitz Museum. Im August präsentiert der Künstler mit mehr als 80 Einzelstücken seine neuesten Produktionen aus dem japanischen Brennofen – von zarten Schalen für die Teezeremonie bis hin zu kraftvollen Bodenvasen.

Maria Lassnig, geplant
1. Oktober bis 9. Januar 2022:

Die österreichische Künstlerin Maria Lassnig fand erst in ihrer zweiten Lebenshälfte die Anerkennung, die ihr schon viel früher zugestanden hätte. Sie hinterließ ein mehr als 60 Jahre umfassendes Werk von internationalem Renommee, in dem sie sich vor allem mit dem eigenen Körper, dem Ausloten dessen Grenzen und dem menschlichen Bewusstsein auseinandergesetzt hat.

Der Münchner Galerist und Sammler Helmut Klewan kannte und schätzte die Künstlerin schon lange vor ihrem Ruhm. Das Käthe Kollwitz Museum präsentiert nun seine umfassende Maria Lassnig-Sammlung in einer eigenen Ausstellung. Über die langjährige Verbindung zwischen Künstlerin und Sammler eröffnet sich in der Kölner Präsentation ein persönlicher Einblick in die außergewöhnliche Kunst- und Körperwelt von Maria Lassnig, die vor allem durch ihre Radikalität bei gleichzeitigem Humor besticht.