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Rundgang: Vom Justizpalast zur Kartause

Rundgang : Vom Justizpalast zur Kartause

In der vergangenen Woche ging der Stadtspaziergang zur Schäl Sick, jetzt steht das linksrheinische Köln wieder im Fokus. Los geht es beim Oberlandesgericht am Reichensperger Platz. Das Gebäude ist ein prächtiger Palast, der seine Umgebung prägt.

Entstanden ist der Steinbau von 1907 bis 1911 in der Architektur des Historismus mit einer neubarocken Gestaltung. Insgesamt 34 Sitzungssäle und 400 Amtszimmer gibt es im Gebäude. Zu diesen führt ein imposantes Treppenhaus und fast vier Kilometer lange Flure. Im Gebäude befinden sich auch die Generalstaatsanwaltschaft und Teile des Amtsgerichtes. Auf dem Fries über dem Hauptportal thront Justitia – bei der Darstellung wurde bei der Göttin der Gerechtigkeit in Köln ungewöhnlicherweise auf die Augenbinde verzichtet. Im Boden vor dem Gericht befindet sich ein alter Röhrenbunker.

Der Weg führt nun in Richtung Innenstadt, dabei wird der Eigelstein passiert. Dort findet sich auf Höhe der Hausnummer 115 das schmalste Haus der Stadt und eines der schmalsten Gebäude der gesamten Republik. Die Außenmauern der Nachbargebäude sind dort auch die Innenmauern des Lückenfüllers mit seiner Glasfront. Die vier Etagen sind gerade einmal 2,56 Meter breit, dafür aber stolze 33 Meter lang. So wird der Flur zur kompletten Wohnung. Gebaut wurde das Haus von den Architekten Arno Brandlhuber und Bernd Kniess. Ein Treppenhaus gibt es nicht, dafür führt eine Freitreppe im Hinterhof zu den Etagen.

Nun geht es weiter zu einem besonderen Denkmal. Unweit des Farina-Hauses befindet sich das ruhige Jupp-Schmitz-Plätzchen mitten in der hektischen Kölner City. Dort haut Jupp Schmitz in die Tasten. Und der war eine echte Legende in Sachen Karnevalsmusik. Zu seinen bekanntesten Liedern gehört „Wer kann das bezahlen“ oder „An Aschermittwoch ist alles vorbei“. Wegen seines markanten Oberlippenbartes hatte er den Spitznamen der „Schnäutzer“. 1994 bekam er drei Jahre nach seinem Tod seinen Platz und sein Denkmal. Seine Hits liegen als kleine Zettel am Boden bewacht von einer Katze. Einen Blick wert ist im benachbarten Innenhof neben den bunten Beeten auch der Frauenbrunnen.

Nach dem Besuch des bescheidenen jecken Helden führt der Rundgang nun zum Neumarkt, von wo es mit der Linie 9 bis zur Haltestelle „Weyertal“ geht. Von dort sind es nur ein paar Schritte zu einem alten, fast in Vergessenheit geratenen Friedhof. Die Natur scheint das Areal mitten im Univiertel wieder zurückerobert zu haben. Die Wege sind aber gepflegt und die Sitzbänke laden zur Pause ein. Der Geusenfriedhof ist ein alter protestantischer Friedhof mitten im katholischen Köln. Als Geusen wurden protestantische Niederländer bezeichnet, die als Flüchtlinge ab dem 16. Jahrhundert nach Köln eingewandert sind. Sie konnten ihre Messen nur im Geheimen durchführen. Ihr erster eigener Friedhof war 1576 der an der Kerpener Straße, der damals noch weit vor den Stadttoren lag. Benutzt wurde das Gelände bis zum Jahr 1876. Ab 1829 durften die Protestanten auch den Melatenfriedhof für ihre Toten nutzen.

Die letzte Station des Rundgangs ist ein Kleinod und liegt in der Südstadt unweit der Ulrepforte. Es ist die Kartäuserkirche mit ihrem schönen Innenhof und dem dazugehörigen Gebäudeensemble. Seinen Ursprung hat das alles im Kloster der Kartäusermönche, der Kartause, die vor 600 Jahren nach Köln gekommen sind. Einen Blick wert ist der Garten. Bekannt wurden die Kirche auch als Drehort der ZDF-Serie „Herzensbrecher“.