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Archiv: „Vergangenes für die Zukunft sichern”

Archiv : „Vergangenes für die Zukunft sichern”

Hundertausende Seiten vergilbten Papiers lagern zwischen unscheinbaren Aktendeckeln im Keller der Handwerkskammer zu Köln. In den vergangenen Tagen hat sich ein Team erfahrener Archivare durch dutzende Regalmeter gearbeitet, Wichtiges von Unwichtigem getrennt und Erhaltenswertes gesichert.

Das historische Archivgut wird jetzt in das Magazin des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs zu Köln aufgenommen, konservatorisch bearbeitet, in der Archivdatenbank erschlossen und für Forscher zur Verfügung gestellt.

Urkunden, Geschäftsberichte, wichtige Dokumente und Entscheidungen der Geschäftsführung, des Präsidiums, der Vollversammlung und Kammerausschüsse gilt es für die Nachwelt zu bewahren. Dazu ist die Handwerkskammer zu Köln nicht nur nach Archivgesetz Nordrhein-Westfalen verpflichtet – der Blick in die Vergangenheit hat aber auch einen ganz praktischen Nutzen: „An dem was war kann man bestimmte Leitlinien erkennen und eigene Handlungsweisen und Entscheidungen darauf abstimmen. Ganz praktisch kann man das am Beispiel der Berufsbilder sehen: Wie sich etwa der Handwerksberuf des Klempners zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik entwickelt hat, spiegelt die Innovationskraft unserer Gesellschaft wieder. Auf diese Weise wird greifbar, wie sich die Anforderungen in vielen Berufen des Handwerks über Jahrzehnte etwa in Richtung Digitalisierung entwickelt haben und weiter entwickeln werden“, betont Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln.

Ulrich Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs zu Köln, hat mit einem dreiköpfigen Team den Bestand im Keller der Handwerkskammer am Heumarkt gesichtet. Mittlerweile sind die historischen Unterlagen sicher verpackt im Wirtschaftsarchiv angekommen. Dort werden sie nun systematisch in der digitalen Datenbank erfasst, die Originale konservatorisch behandelt und unter optimalen Bedingungen archiviert. „Das heißt, die Akten werden umgebunden. Metall und Plastik werden entfernt; sie werden in eine säurefreie Mappe gelegt und mit einer Signatur versehen. Später können sie dann in unserer Datenbank recherchiert werden, sogar online, denn öffentliche Bestände werden ins Internet gestellt. Forscher aus Amerika, Japan oder auch von deutschen Universitäten können in unserem Lesesaal in die Unterlagen Einsicht nehmen und zu ihren Themen forschen“, erklärt Soénius.

„Archivare arbeiten immer für die Zukunft, nicht für die Vergangenheit. Dabei sichern sie Vergangenes, um Antworten auf Fragen zu liefern, die beispielsweise erst in Jahrzehnten wichtig werden könnten. So wächst unser Bestand an Informationen immer weiter an. Wir haben heute fast 450.000 Einträge in unserer Datenbank“, berichtet Soénius weiter.

Insgesamt verwahrt die Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln über 600 Bestände zur rheinischen Wirtschaftsgeschichte mit 20 laufenden Regalkilometern Unterlagen. Neben Handwerksunternehmen, Handwerkskammern und Innungen findet sich hier auch das Archiv des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.