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IHK: Unternehmen wagen wieder einen vorsichtigen Blick nach vorn

IHK : Unternehmen wagen wieder einen vorsichtigen Blick nach vorn

Die Pandemie hat die Unternehmen in der IHK-Region Köln immer noch fest im Griff, denn in nahezu allen Branchen berichten viele Betriebe auch im Sommer von schwächeren Umsätzen und drückenden Liquiditätsengpässen.

Nachdem mittlerweile zahlreiche Unternehmen im Gefolge von Abstandsregeln und Hygienevorschriften ihr Geschäft wiederaufgenommen haben, richtet sich ihr Blick ganz langsam wieder nach vorne. „Nach dem historischen Einbruch im Frühjahr waren die Geschäfte der meisten Betriebe am Boden. Auch ihre Erwartungen für die nächsten Monate waren so pessimistisch wie seit der Finanzkrise nicht mehr“, erklärt Ulrich S. Soénius, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Köln. In diesem düsteren Stimmungsbild gebe es inzwischen einen kleinen Hoffnungsschimmer, so Soénius weiter. „In Bezug auf die kommenden zwölf Monate äußern sich Unternehmen im IHK-Bezirk erstmals wieder vorsichtig optimistisch“.

Mehr als ein Drittel der Unternehmen geht inzwischen davon aus, dass sich die Geschäftserwartung in den kommenden zwölf Monaten verbessert. Rund ein Viertel glaubt, dass sich die Geschäfte verschlechtern. Und über 40 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Rückkehr zur Normalität der Geschäfte im Jahr 2021, zehn Prozent können sich das erst nach 2021 vorstellen.

Geschäfte kommen erst
langsam wieder in Gang

Das geht aus dem Sonderkonjunkturbericht hervor, den die IHK Köln jetzt vorgelegt hat. Er basiert auf den Umfrageergebnissen von insgesamt fünf Befragungen von Unternehmen zwischen Anfang März und Ende Juni zu den Auswirkungen von Covid-19 auf die Wirtschaft im IHK-Bezirk Köln. „Die Pandemie ist nach wie vor aktuell, und auch die Wirtschaft ist noch lange nicht über den Berg. Viele Unternehmen sehen derzeit mit großer Sorge, dass ihre Geschäfte erst langsam wieder in Gang kommen, obwohl die Beschränkungen in Deutschland und anderen Partnerländern gelockert worden sind“, fasst die IHK Köln die Situation der Betriebe zusammen.

Der Absturz der vergangenen Monate spiegelt sich deutlich in der Entwicklung des Konjunkturklimaindikators im IHK-Bezirk wieder: Nach dem Start ins Jahr mit auf niedrigem positiven Niveau mit stabilen 102 Prozent erreichte der Wert in Folge der Corona-Beschränkungen bis zum Mai einen historischen Tiefststand von 49,3 Prozent – konnte sich in Folge der allmählichen Lockerungen mittlerweile aber wieder auf 88,1 Prozent verbessern.

Von Befragung zu Befragung kristallisiert sich die zunehmend schlechte Verfassung der Unternehmen deutlicher heraus. Bei der letzten Befragung im Juni schließlich melden nur noch 16 Prozent der Betriebe in der IHK-Region Köln eine gute Geschäftslage, 45 Prozent beschreiben ihre Situation als schlecht. Damit sackt der Geschäftslageindikator von minus 16,6 Prozent im April abermals, und zwar auf minus 28,8 Prozent.

Zu den leidtragenden Branchen gehören vor allem Gastronomie, Reisewirtschaft, Kultur- und Kreativwirtschaft sowie weite Teil des Handels. Sie versuchen, sich mit Kurzarbeit durch die Krise zu retten. Der Einzelhandel nutzt zudem Soforthilfen und Steuerstundungen, um die Krise abzumildern. Das Verkehrsgewerbe setzt zusätzlich den Verlustrücktrag sowie Förderkredite ein. Mittlerweile arbeiten insgesamt rund 15 Prozent der befragten Unternehmen der IHK-Region Köln in oder über der Vorkrisenauslastung.

Die Industrie musste im April einen historischen Rückgang beim Auftragseingang hinnehmen. Auch die Exporte brachen im April und im Mai deutschlandweit um rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ein. Während insbesondere Reisewirtschaft und Gastronomie frühestens im Jahr 2021 eine Rückkehr zur Normalität erwarten, erreichen zum Beispiel im Baugewerbe bereits knapp 60 Prozent der Unternehmen wieder in Vorkrisenauslastung, im Einzel- und Großhandel sowie bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen sind es immerhin 20 Prozent der Unternehmen.

Bei der Einschätzung der Umsatzentwicklung zeigt sich bei der letzten Umfrage im Juni eine minimale Entspannung. Bezogen auf das Gesamtjahr rechneten im Juni noch 79 Prozent der Unternehmen mit Umsatzrückgängen - nach 80 beziehungsweise 90 Prozent in den vorherigen Umfragen. Unter ihnen sind allerdings noch einmal mehr Firmen aus Gastgewerbe und Reisewirtschaft, während die erwarteten Umsatzverluste in den Branchen Verkehr, Großhandel, Baugewebe sowie Industrie, personenbezogene und unternehmensorientiere Dienstleistungen minimal geringer ausfallen.

Auch die Exporterwartungen für die kommenden zwölf Monate sind in Folge der Pandemie stark gesunken. Nur noch drei Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung. Dagegen gehen 65 Prozent von einer Verschlechterung aus. Insgesamt bleibt die Verunsicherung der Unternehmen groß und die Pandemie wirkt sich auch mehr und mehr auf die langfristige Planung der Unternehmen aus. Insgesamt gaben im Juni 84 Prozent der Unternehmen an, ihre Investitionsplanung in Folge der Pandemie angepasst zu haben und Investitionen zurückzufahren. Ihr Personal will die überwiegende Mehrheit (64 Prozent) der Befragung zufolge aber halten.

Zu kämpfen haben demgegenüber immer mehr Unternehmen mit Finanzierungsproblemen. Rund 40 Prozent berichten von Liquiditätsengpässen, Zahlungsausfällen und schrumpfendem Eigenkapital durch hohe Verluste. IHK-Geschäftsführer Soénius: „Wir befürchten im Herbst eine Insolvenzwelle großen Ausmaßes." Bis Ende September ist die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt, damit angeschlagene Firmen Luft bekommen, um staatliche Hilfen zu beantragen und Sanierungsbemühungen voranzutreiben. Die staatlichen Überbrückungshilfen, die bis Ende August laufen, müssten verlängert werden, fordert Soénius. „Dann bekommen viele Unternehmen noch einmal drei, vier Monate Luft, um sich zu stabilisieren, bis die Geschäfte eventuell auch wieder ein Stück stärker anziehen."