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„Unsere Brücken sind sicher“

„Unsere Brücken sind sicher“

Seit anderthalb Jahren ist die Düsseldorferin Andrea Blome in Köln Verkehrsdezernentin. Ein Amt mit großen Herausforderungen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Verkehr in Köln gemacht?

„Unsere Brücken sind sicher“
Foto: Stadt Köln/Birgitta Petershagen

Andrea Blome: Als Verkehrsdezernentin habe ich natürlich einen anderen, kritischen Blick auf den Verkehr in Köln. Da fällt mir die veraltete Ampeltechnik auf, mit der eine effiziente Koordinierung nicht möglich ist. Insgesamt muss bei der Infrastruktur noch sehr viel getan werden. Deshalb freue ich mich, anders als die anderen Verkehrsteilnehmer, wenn ich eine Baustelle sehe — diese steht dafür, dass sich etwas zum Besseren ändert.

Was hat jetzt eine besondere Priorität?

Blome: Die Verbesserung des Verkehrsflusses in der Stadt ist sehr dringlich. Hohe Priorität haben auch der Luftreinhalteplan und die Digitalisierung des Verkehrs mit einer modernen Verkehrsleitzentrale, die an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden im Einsatz ist. Dazu kommt eine bessere Ampeltechnik mit einer modernen digitalen Steuerung. Zu den großen und wichtigen Projekten gehört die Generalsanierung der Mülheimer Brücke. Das ist eine einschneidende Maßnahme, die vier Jahre Bauzeit in Anspruch nehmen wird. Da muss auf einer Brücke, die täglich von 40 000 Verkehrsteilnehmern passiert wird, mit erheblichen Einschränkungen gerechnet werden.

Nach dem fatalen Brückeneinsturz in Genua gibt es große Diskussionen. Sind die Kölner Brücken sicher?

Blome: Deutschland ist bei der Überwachung der Brücken sehr gut organisiert. Es gibt Hauptprüfungen und einfachen Prüfungen alle drei Jahre. Jedes Jahr gibt es zudem eine optische Überprüfung aller Bauteile. Das wird sehr akribisch gemacht. Ein spontanes Versagen ganzer Brückenteile wie in Genua halte ich hier in Köln für ausgeschlossen. Unsere Brücken sind sicher.

Was muss auf den Kölner Ringen noch für den Verkehr getan werden?

Blome: Dort geht es jetzt darum, das Radverkehrskonzept umzusetzen und so das Radfahren in der Innenstadt attraktiver zu machen. So gibt es neue, breite Radspuren, für die Fahrspuren aufgegeben werden. Erst vor kurzem wurde die neue Radspur an der Cäcilienstraße am Neumarkt in Betrieb genommen. Auch am Theodor-Heuss-Ring gibt es eine solche Spur. Das Ganze erscheint nach außen oft wie ein Flickwerk, es ist aber ein großes Puzzle, das sich nach und nach zu einem großen Gesamtkonzept zusammenfügt. In diesem und im kommenden Jahr wird hier noch viel passieren.

Noch scheinen sich viele Autofahrer nicht an die Neuerungen gewöhnt zu haben und nutzen die Radspur für sich.

Blome: Da sind noch Nachsteuerungen nötig. In Berlin hat man zum Beispiel Radwege komplett rot eingefärbt und im Bereich des Rechtsabbiegens an Kreuzungen auf Knickpfosten gesetzt.

Wie kann man mehr Menschen dazu bringen, aufs Rad umzusteigen?

Blome: Da sind leistungsfähige Angebote für die Hauptverkehrsachsen in der Stadt notwendig. Früher waren die Radfahrer langsamer auf den Nebenstraßen unterwegs, heute werden schnelle Wege auf den Hauptachsen bevorzugt. Entsprechend muss ein passendes Konzept entwickelt und umgesetzt werden. Das wird ein großer Schritt für Köln — so müssen auch die Ampelanlagen entsprechend angepasst werden. Möglich wird dies in einer wachsenden Stadt dadurch, dass man den Autoverkehr spürbar verringert.

Da kommt auch der Ausbau des Angebots von Bus und Bahn ins Spiel?

Blome: Da gibt es wichtige Projekte wie die Stärkung der Ost-West-Achse. Das ist ein großes Thema mit einer sehr regen und engagierten Beteiligung der Bürger.

Köln steht beim ÖPNV oft in der Kritik. Warum ist das so?

Blome: Wir haben Engpässe bei den Kapazitäten, die entstanden sind, weil in den vergangenen zehn bis 15 Jahren zu wenig gemacht wurde und sich so jetzt alles an einem Punkt ballt. Man muss Anreize zum Umsteigen auf Bus und Bahn schaffen. Deshalb ist der Druck auf das Ost-West-Projekt jetzt so hoch. Wir müssen dort unbedingt die Kapazitäten durch längere Bahnen und Bahnsteige erhöhen.

Wie wird die Verkehrssituation in Köln im Jahr 2030 aussehen?

Blome: Es wird deutlich mehr Qualität im Straßenraum für alle Beteiligten geben. Wir werden weniger Parkplätze an den Straßen anbieten. Der Autobesitz ist spürbar reduziert, dafür gibt es viel mehr Car- und Bikesharing-Angebote. Insgesamt sind weniger Autos auf den Straßen unterwegs, das gilt nicht nur für die City, sondern auch für die Veedel. In Parkhäusern könnte auch eine Etage nur für abgestellte Räder reserviert werden. Außerdem wird es breitere Gehwege und mehr Abstellmöglichkeiten für Räder dort geben. Insgesamt wird die Verkehrsbelastung für die Menschen zurückgehen.

Wie sieht es mit dem Luftreinhalteplan aus. Wird es Dieselfahrverbote in Köln geben?

Blome: Wie alle betroffenen Großstädte müssen wir einen Masterplan dafür entwickeln. Durch die Digitalisierung kann man den Verkehrsfluss optimieren und so Staus vermeiden bzw. den Verkehr besser in der Stadt verteilen. Wichtig ist es auch, den Umstieg auf Rad und den ÖPNV attraktiver zu machen. Wenn diese Maßnahmen Wirkung zeigen, können Verbote vermieden werden. Es gibt aber auch andere Bereiche wie Emissionen aus Schiffsverkehr und Industrie, die hier mit einbezogen werden müssen.

Sie sind jetzt anderthalb Jahre als Verkehrsdezernentin im Amt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Blome: Köln ist anders als Düsseldorf, wo ich zwölf Jahre Amtsleiterin war. Das betrifft die Verwaltungsarbeit genauso wie die Politik bzw. die Zusammenarbeit von Politik und Verwaltung. Ich musste erst Köln mit dem riesigen Stadtgebiet kennenlernen — da geht es verkehrlich auch um Landesstraßen und Ortsumgehungen, so etwas gibt es in dieser Bandbreite in Düsseldorf nicht. Eindrucksvoll ist das bürgerliche Engagement, das in Köln sehr ausgeprägt ist. Da ist die Freude am Mitdiskutieren sehr groß. Inzwischen war ich sehr viel unterwegs und habe viele Menschen kennengelernt. Der so entstandene Eindruck ist sehr positiv, Ich wurde mit offenen Armen empfangen.