Und alle haben sich wieder lieb

Und alle haben sich wieder lieb

Dieses Jahr hat es in Burscheid ordentlich gekracht. Das muss nicht immer so sein: Der Bergische Volksbote macht vier ultimative Voraussagen für ein versöhnliches 2010.

Burscheid. Zank und Streit war gestern, jetzt ist Harmonie das Gebot der Stunde. Nach einem Jahr der Auseinandersetzungen und Krisen dürstet es die Menschen nach Zusammenhalt. Davon werden sich auch die Burscheider beeindrucken lassen - und ihren Frieden machen mit ehemaligen Kontrahenten. 2010, dessen sind wir gewiss, wird das Jahr der überraschenden Partnerschaften.

Bei einer Portion Weinblätter räumen Erika Gewehr (CDU) und Aki Papazoglou (BfB) im Korfu alle Missverständnisse der Vergangenheit aus. Gewehr erklärt, sie habe nie bezweifelt, dass unter den BfB-Mitgliedern zahlreiche ehemalige CDU-Leistungs- und Lastenträger seien, die alle ebenfalls ihr Päckchen zu tragen hätten. Daraufhin springt Papazoglou auf und schwört bei Zeus, dass die konservative Rest-CDU der alleinige Hort wahrer Fortschrittlichkeit sei.

Danach besiegeln beide bei einem Ouzo die neue Partei CDU/BfB, die schon zwei Wochen nach ihrer Gründung einen vorläufigen Aufnahmestopp erlassen muss: weil SPD, FDP, Grüne und UWG nicht abseits stehen wollen, sondern Massenbeitrittserklärungen abgeben, die noch über der Summe ihrer jeweiligen Mitgliederzahlen liegen.

Von dem politischen Feuereifer inspiriert, sinnen Horst Buttkus (TGH) und Bernd Hammans (BVB) beim gemeinsamen Tipp-Kick über eine Lösung in der verfahrenen Kunstrasenfrage nach. Schließlich erklärt sich Rentner Buttkus bereit, auf dem Hilgener Sportplatz in Handarbeit Naturrasen zu säen und großzuziehen. Im Gegenzug soll der Kunstrasenplatz auf dem Griesberg entstehen.

Aus Dankbarkeit verfügt Hammans die sofortige Auflösung des BVB, erklärt Burscheid zu einem unbedeutenden Ortsteil Hilgens und stimmt der gemeinsamen Gründung des neuen Fußballclubs Bergische Picke zu. Der Vorverkauf für alle Spiele auf dem Griesberg soll allein dem Hilgener Sportplatzhaus vorbehalten bleiben.

Die Kunde von so viel selbstlosem bürgerschaftlichen Engagement rührt den Regierungspräsidenten Hans Peter Lindlar zu Tränen. Sofort richtet er einen privaten Dauerauftrag ein, um zu verhindern, dass eine Stadt, die solche Bürger hervorbringt, finanziell den Bach runtergeht. Anschließend verdonnert er seine gesamte Familie zu einem wöchentlichen Besuch im Burscheider Bad.

Mit Badehaube getarnt und vom Wasserdampf geschützt, verabreden Lindlar und Bürgermeister Stefan Caplan schließlich bei einem konspirativen Treffen im Solebecken eine jährliche Ausfallbürgschaft der Bezirksregierung für den Burscheider Haushalt. Als Gegenleistung erklärt Caplan öffentlich, Lindlar habe ihm mit seiner klugen Beratung in Haushaltsfragen neue Welten eröffnet.

Mit einem Teil des Geldes aus Köln arrangiert Caplan nur wenige Wochen später an der Carrerabahn des Megaphons einen geselligen Abend für den Landesbetrieb Straßenbau und die Anwohner von Geilenbach und Oberlandscheid. Obwohl das Team des Landesbetriebs Schwierigkeiten hat, aufs Tempo zu drücken, und darum jedes Rennen verliert, erhält es zum Ende einen Ehrenpokal für besondere Verdienste um die Verkehrssicherheit auf der Rennstrecke.

Das ist der Eisbrecher für einen sensationellen Kompromiss: Der Landesbetrieb erklärt sich damit zufrieden, wenn auf der Oberlandscheider Seite der A1 Platz für nur einen Lkw-Auflieger geschaffen wird. Die dazugehörige Zugmaschine könne ja auf der Geilenbacher Gegenseite parken. Die begeisterten Anwohner laden die Behördenvertreter daraufhin zu einem Wiener Schnitzel in die Raststätte Remscheid ein.