Türkische Herzen schlagen für Özil

Türkische Herzen schlagen für Özil

Nach dem Qualifikations-Aus ihrer Nationalmannschaft sind die Burscheider Türken Feuer und Flamme für das Multikulti-Team von Jogi Löw.

Burscheid. "Ein Türke rettet die deutsche Nationalmannschaft", sagt Aki Efkan und lacht. Der Besitzer des Internetcafés in der Kirchenkurve hatte beim letzten Gruppenspiel der Deutschen am Mittwochabend volles Haus. "80 Prozent der Türken halten zu Deutschland", schätzt er.

Der Siegtreffer des türkischstämmigen Bremers Mesut Özil hat die Begeisterung noch gesteigert. "Als das Tor fiel, haben hier alle gejubelt", erzählt Ibrahim Dindar, 2.Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in Massiefen. Und er ist sich sicher, dass damit noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist: "Wer ist England?", fragt er mit Blick auf den Achtelfinalgegner der Deutschen.

Das Herz der türkischen Fans in Burscheid schlägt für Jogi Löws Team - umso mehr, als die türkische Nationalmannschaft die WM-Qualifikation verpasst hat. Am Ende lag sie in ihrer Gruppe nur auf Platz drei, hinter Spanien und Bosnien-Herzegowina.

Jetzt müssen sich die Türken Alternativen suchen. Über drei türkischstämmige Nationalspieler verfügt der Schweizer Kader. Aber den meisten Türken in Burscheid sind die Deutschen mit Mesut Özil und Serdar Tasci näher. "Ist doch klar", sagt Yasar Akbas, Mitglied im Türkisch-Islamischen Kulturverein. "Das ist doch unsere zweite Heimat." Man habe am Mittwochabend gut gefeiert. "Und ein paar von uns haben sich dann dem Autokorso in der Innenstadt angeschlossen."

Denn der Einzug ins Achtelfinale hat Burscheid den ersten wirklich großen Autokorso dieser WM beschert. Nachdem noch Verstärkung aus Hilgen eingetroffen war, drehten zwischenzeitlich an die 50Autos ihre Runden durch die Innenstadt.

Bei der Polizei bewertet man das ausgelassene Treiben "großzügig", wie Sprecher Peter Tilmans sagt. "Das darf nur nicht ausarten. Wenn Leute auf dem Autodach stehen, müssen die Kollegen einschreiten." Aber ansonsten sei auch die Polizei erfreut, "dass die Fans Spaß haben".

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