Bornheimer Bach: Trinkwasser aus der Tiefe

Bornheimer Bach: Trinkwasser aus der Tiefe

Vor einem Jahr hat sich die Solidargemeinschaft von vier Ortschaften auf die Suche gemacht — und ist fündig geworden. Inzwischen fließt Grund- statt Quellwasser in die Leitungen.

Burscheid. Ein Jahr ist es her, dass am Bornheimer Bach unterhalb des Burscheider Bads gebohrt wurde. Die Wasserversorgungsgesellschaft Heddinghofen, Repinghofen, Kämersheide, Rötzinghofen war auf der Suche nach Grundwasser. Es sollte das Quellwasser ersetzen, mit dem die Solidargemeinschaft seit über hundert Jahren die Anwohner der vier Ortsteile mit Trinkwasser versorgt. Und die Gesellschaft wurde fündig: Seit Ende Juni wird das Grundwasser aus 55 Meter Tiefe in die Vorratsbehälter und das Leitungsnetz gepumpt.

Foto: Judith Michaelis

Schon die Probebohrung war ein kleines Abenteuer gewesen. „Uns lag ein rund 30 Jahre altes geologisches Gutachten vor, dass es an dieser Stelle einen Wasserlauf geben müsse“, erzählt der Vorsitzende Klaus-Dieter Wolter. Die Firma Brunnenbau Hering aus Ruppichteroth kam vor einem Jahr unabhängig davon zu demselben Ergebnis — unter anderem durch den Einsatz einer Wünschelrute. Die Firma gab sogar eine Erfolgsgarantie: Wäre sie auf kein Wasser gestoßen, hätte für die Bohrung nichts gezahlt werden müssen.

Tatsächlich aber wurde der prognostizierte Wasserlauf entdeckt. „Und dann begann das Genehmigungs-Prozedere“, sagt Wolter. Die Wasserqualität musste nachgewiesen werden. Pumpversuche über mehrere Stunden mit anschließender Wasserstandsmessung sollten belegen, dass der Spiegel durch die Entnahme nicht dauerhaft abgesenkt wird. „Aber das war alles kein Problem.“

Probleme machte allein anfänglich der zu hohe Mangangehalt. Das Spurenelement wird zwar im Körper benötigt, darf aber Grenzwerte nicht überschreiten. Doch dann erhielt Wolter den Tipp, der Gehalt im Grundwasser könne sich auch durch die Bohrungen vorübergehend erhöht haben. Und in der Tat: „Im Februar war der Wert schon gesunken und im Mai bei einer großen Untersuchung war alles in einem super Verhältnis“, blickt Wolter zurück.

Die Genehmigung zur Grundwasserentnahme besteht zunächst für ein Jahr. Dann muss erneut der Wasserstand des Brunnens nachgewiesen werden. Jährlich dürfen 20 000 Kubikmeter Wasser aus der Tiefe gefördert werden. Da die Wasserversorgungsgesellschaft für die 155 Haushalte der vier Ortschaften eigentlich nur 18 000 Kubikmeter braucht und der Wasserverbrauch eher sinkt als steigt, müsste die Versorgung gesichert sein. Ohnehin springen im Notfall auch die Stadtwerke ein.

Rund 25 000 Euro wird die Gesellschaft die Umstellung vom Quell- zum Grundwasser am Ende gekostet haben. Sie war notwendig geworden, weil das Quellwasser nicht ganz keimfrei und zu sauer war und daher eine aufwendige Behandlung erforderte. Es läuft jetzt wieder in den Bornheimer Bach.

Im Frühjahr sollen die Arbeiten endgültig abgeschlossen werden. Dann erhält das Brunnengelände zum Schutz noch einen fest installierten Zaun. Und die Wasserversorgungsgesellschaft hat ihrem Namen wieder alle Ehre gemacht, nämlich eben — die Wasserversorgung gesichert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung