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Trauer um Altbürgermeister Ott

Trauer um Altbürgermeister Ott

Der Flüchtling und frühere Sozialdemokrat starb mit 98 Jahren — eine knappe Woche nach seiner Frau Gertrud.

Burscheid. Sie waren das aktuell am längsten verheiratete Ehepaar in Burscheid. Im März 2010 hatten Kurt und Gertrud Ott bei ihrer Gnadenhochzeit auf 70 Jahre Ehe zurückgeblickt. Vergangene Woche Mittwoch ist die gebürtige Pommerin dann im Alter von 92 Jahren gestorben. Seit Dienstag ist auch ihr Mann tot. Der frühere Burscheider Bürgermeister wurde 98 Jahre alt.

Ihr Leben spiegelt ein Stück dramatischer deutscher Geschichte wider. Die Beziehung beginnt in Kolberg an der Ostsee in Hinterpommern. 1940 folgt dort die Hochzeit, dann wird der gelernte Güterverwalter eingezogen. Seine beiden Töchter sieht Ott im Krieg nur selten.

1945 muss Gertrud Ott nach Salzwedel flüchten, ihr Mann gerät in Gefangenschaft und reist ihr nach seiner Freilassung in die spätere DDR nach. Bis 1951: Dann fällt Ott dort in Ungnade und flieht. Zwei Jahre später gelingt auch seiner Frau nahe dem Berliner Zoo mit den mittlerweile drei Kindern die Flucht in den Westen.

In Burscheid fängt die Familie von vorne an. Ott, noch vor der Entstehung der SED Sozialdemokrat geworden, findet bei der Deutschen Bahn eine neue Beschäftigung und zieht 1956 in den Burscheider Rat ein. Dreimal wird er zum Bürgermeister gewählt: 1961 wegen Pattsituation noch durch Losentscheid, beim dritten Mal dann ohne Gegenstimme. Seine Amtszeit dauert bis 1969.

Auf Kollegialität zwischen allen Parteien legt Ott, der auch Träger des Burscheider Ehrenrings ist, dabei großen Wert. Aber er ist auch kantig: Als das FDP-Mitglied Paul Luchtenberg zum Ehrenbürger gewählt werden soll, verlässt die SPD den Saal, um die Wahl zu verhindern. Ott geht wieder hinein und sorgt so für die nötige Mehrheit. Das Verhältnis zu seiner eigenen Partei kühlt dadurch ab. Bis 1973 ist Ott noch Ratsmitglied, tritt aber in der Zeit aus der SPD aus und bleibt parteilos.

Lange lebt das Ehepaar Ott an der Altenberger Straße, das letzte Jahr dann im Evangelischen Altenzentrum — dort bis zuletzt, so erzählt es Sohn Lutz, meist Hand in Hand.