Senioren stimmen mit Jusos überein

Senioren stimmen mit Jusos überein

Die AG 60plus der SPD diskutiert die aktuelle Politik. Dabei sprechen sie Themen an, die auch den jungen Sozialdemokraten wichtig sind.

Burscheid. Das Thema Mobilität ist ein Schwerpunkt der AG 60plus der Burscheider SPD. Besonders die gute Beschaffenheit der Fahrradwege in der Region liegt den Senioren am Herzen. Jedoch finden sie, dass auf die vielen Möglichkeiten im Bereich Radfahren oder auch Wandern in Burscheid zu wenig aufmerksam gemacht werde. Klar, allein weil doch Klaus Becker Teil der Runde ist. Er ist begeisterter Fahrradfahrer und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat, organisiert gerade sogar einen Fahrradausflug für Interessierte von Burscheid in die gleichnamige Partnerstadt — Bourscheid — in Luxemburg.

Foto: Doro Siewert

Doch in der Diskussionsrunde geht es nicht nur um lokale Themen. Die Neuauflage der Großen Koalition ist bereits kurz nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags und der Zusammenkunft des Kabinetts Thema bei der sogenannten Basis und wird durchaus kritisch gesehen. „Ich hätte mich gefreut, wenn die GroKo geplatzt wäre“, sagt Klaus Becker. Angst vor Neuwahlen habe er nicht gehabt. Auch Gerd im Sande sieht den Koalitionsvertrag kritisch: „Jeder bekommt ein bisschen was, aber die Dinge werden nicht grundsätzlich neu angegangen.“

Die Dinge, die neu angegangen werden sollten, sind nach Meinung der Senioren unter anderem die Themen bezahlbarer Wohnraum und die Energiewende. Diese Themenfelder hingen unmittelbar zusammen. Hohe Mieten seien oft nicht das einzige Problem für Rentner mit geringem Einkommen, sondern auch die hohen Strompreise, die durch die Umlage zum Ausbau erneuerbarer Energien stark gestiegen sind.

Auch die Digitalisierung ist bei der AG 60plus angekommen. Hier sehen sie dringenden Nachholbedarf. So erzählt Klaus Becker, dass er beim Kündigen eines Internetvertrags lange telefonieren musste, anstatt die Angelegenheit online erledigen zu können. „Es kann doch nicht sein, dass beispielsweise eine Mutter erst einmal stundenlang herumtelefonieren muss, um so etwas banales zu erledigen wie die Kündigung eines Internetvertrags. Das kostet doch viel zu viel Zeit“, sagt Becker.

Wie die Senioren sehen auch die jungen Sozialdemokraten um Wahab Perviz, den Kreisvorsitzenden der Jusos, großen Handlungsbedarf beim Thema Digitalisierung. Dem Zeitverlust durch lange bürokratische Wege, schlechtes oder fehlendes Internet wollen sie entgegenwirken. Sie wollen etwa Mobilität und Digitalisierung verbinden. „Es muss möglich sein, dass wir in Bussen und Bahnen W-Lan haben und dort Leute arbeiten können“, sagt Wahab Perviz. Zudem sollte auch die Frage nach den Konsequenzen der Digitalisierung für die Arbeitswelt gestellt werden. „Uns Jusos ist wichtig, dass wir den digitalen Wandel aktiv mitgestalten und Jugendlichen die Chancen und Möglichkeiten der sogenannten „Arbeit 4.0“ aufzeigen.“, so Perviz.

Das Problem des bezahlbaren Wohnraum liegt dem Juso-Kreisvorsitzenden ebenso am Herzen wie der AG 60plus: „Jetzt soll zum Beispiel das Bafög erhöht werden. Die Erhöhung reicht aber nicht zum Leben. Ich habe letztens gelesen, dass das Bafög nur in drei Städten zum Wohnen reicht“. So solle es seiner Meinung nach einen höheren Mietzuschuss für Studenten, die Bafög bekommen, geben.

Jedoch sieht er auch die Gefahr, dass die konkrete politische Arbeit der Koalition durch interne Streitigkeiten überschattet werde: „Ich bin gespannt, wie Deutschland in vier Jahren aussieht, sollte die GroKo bestehen. Man sieht aber, welche Hürden und Unstimmigkeiten es jetzt schon gibt und welche unnötigen Debatten angestoßen werden, anstatt sich wirklich um wichtige Dinge zu kümmern.“