Seilbahn macht hitzefrei

Veränderter Betrieb bei der Bergbahn in Burg. Ausflugstipp zu technischem Kleinod und Kulturgut in Familienbesitz

Schloss Burg. Wegen der Hitzewelle hat sich die Betreiberfamilie Irlenbusch dazu entschieden, die Öffnungs- und Betriebszeiten der Burger Seilbahn zu ändern. Bis auf weiteres gelten folgende Dienstzeiten: Dienstags bis freitags startet die erste Fahrt um 10 Uhr, die letzte um 16,50 Uhr. Am Wochenende öffnet die Seilbahn von 10 bis 17.50 Uhr. Montags ist Ruhetag.

Die Burger Seilbahn ist seit 1952 ein Stück technischer Geschichte und Attraktion des Ortes Burg an der Wupper. „Die einzige weit und breit“: Mit diesem Slogan wirbt die Seilbahn Burg. Im bergischen Land sei die Anlage tatsächlich die einzige, sagt der Chef Stefan Irlenbusch. Die nächste Kabinenbahn — derzeit stillgelegt — ist in Köln, der nächste historische Sessellift in Boppard am Rhein. Erbaut wurde die Seilbahn Burg 1952 von der Remscheider Unternehmerfamilie Backhaus, die später an die Irlenbuschs verkaufte.

Stefan Irlenbusch ist mit der Burger Seilbahn aufgewachsen. 1986 kauften seine Eltern die Anlage, die Unterburg mit Oberburg verbindet. Da war Irlenbusch elf Jahre alt. 2011 stieg der Betriebswirt selbst in den Familienbetrieb mit ein. „Ich habe es nicht bereut.“ Seit 2017 ist der 43-Jährige offiziell Eigentümer. Die Geschäfte führt er zusammen mit seinem Vater Hans.

In den vergangenen Jahren haben die Irlenbuschs ihre Seilbahn behutsam saniert. 2013 wurde der Antrieb der über 50 Jahre alten Anlage modernisiert. Die Sessel wurden gesandstrahlt und neu gestrichen. Alle 30 sind inzwischen mit einem Fahrradträger ausgestattet. Eine Fachfirma hat die drei mächtigen Stahlstützen mit einem Korrosionsschutz versehen, alle Stahlrollen für das Tragseil wurden erneuert.

Bis zu 200 000 Fahrgäste befördert die Bahn in guten Jahren. Mit 0,65 Metern pro Sekunde geht es den Berg hinauf. „Es ginge schneller, aber das wollen wir nicht. Das ist ja keine S-Bahn.“ Das Erlebnis stehe im Vordergrund.

Im vergangenen und in diesem Jahr sind die Fahrgastzahlen indes kein Quell reiner Freude. Durch die Vollsperrung der Talstraße in Unterburg und der damit verbundenen veränderten Verkehrsströme fehlen Gäste. Dies und die aktuelle Sonnenglut machen der Bahn zu schaffen — die Folge sind nun die veränderten Betriebszeiten.

Gleichwohl geht die Hoffnung dahin, dass sich wieder normale Werte einstellen, sobald die Straßenbauarbeiten abgeschlossen sind. Einen positiven Schub erhofft man sich zudem durch die touristische Neuausrichtung und Sanierung der Burg.

Stammgäste und weitgereiste Touristen indes wissen die Seilbahn immer zu schätzen. Das Publikum ist international: Auch viele Amerikaner, Südeuropäer und Asiaten nehmen die Bahn, um vom Wupperufer hinauf nach Schloss Burg zu gelangen. Zu den Gästen zählen seit jeher auch viele Schulklassen. „Viele Schulkinder sind auch Multiplikatoren, weil mit ihren Eltern später wieder kommen“, erzählt Stefan Irlenbusch. .ak/as

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