Kunst: Schwimmtiere ziehen ins Badehaus

Kunst : Schwimmtiere ziehen ins Badehaus

Die Ausstellung „Von Orkas und anderen Tieren“ ist zwar erst im Sommer in Burscheid zu sehen, doch schon jetzt weckt sie Erinnerungen und löst Sehnsüchte aus.

Aufmerksame Burscheider Kulturbeobachter werden sich an die Ausstellung „Porös“ der Künstlerin Patrizia Marchese erinnern. Vor viereinhalb Jahren drapierte sie jedes Fleckchen des Kulturbadehauses mit ihren Kunstwerken: Eine Nixe mit dem Namen „große Bademeisterin“ empfing zum Beispiel damals die Besucher im Foyer, auch das damals gerade entdeckte alte Duschbecken des Badehauses wurde in die Installation integriert – zwei Beine mit Schwimmflossen daran schauten über den Rand heraus.

Nun hat der Kulturverein – um im Bilde zu bleiben – einen neuen Fisch an Land gezogen. Genau genommen sind es viele Fische und anderes Meeresgetier – von vier Künstlerinnen. „Von Orkas und anderen Tieren“ mit dem Untertitel vom Auszug der Schwimmtiere heißt die Ausstellung der vier Künstlerinnen Judith, Funke, Susanne Möller-Kölmel, Güdny Schneider-Mombaur und Ela Schneider, die jetzt erst mal im Aquarius Wassermuseum Mülheim zu sehen ist, im August aber nach Burscheid kommt.

Nach guter alter Tradition hat der 2. Vorsitzende des Burscheider Kulturvereins, Heinz Peter Knoop, die Bewerbungen für die diesjährige Jahresausstellung gesammelt, sich bei der abschließenden Bewertung der insgesamt fünf Bewerbungen aber zurückgehalten. Die Gruppe der vier Künstlerinnen, die den Vorzug erhielten, ist nämlich mit Knoop bei den Solinger Künstlern aktiv. Lobende Worte darf er freilich dennoch finden. „Die Kunstaktion fand in einem Bad statt“, sagt er. „Das Ergebnis dieser Performance werden wir zeigen, es sind herausragende Bilder entstanden. Auch die Aktivitäten der Künstlerinnen werden wir über einen Beamer präsentieren.“

Schwimmerbecken des Hallenbades wurde zum Labor

Als Labor diente der Gruppe das Schwimmerbecken des Solinger Hallenbades Vogelsang kurz vor dem Abriss. „Ein ganzes Wochenende haben wir darin gearbeitet, ohne Strom“, sagt Susanne Möller-Kölmel. „Wir wollten raus aus der Komfortzone des Ateliers.“ Eine Erlaubnis zum Arbeiten in dem Bad vor dem Abbruch habe die Gruppe aber nur mit großem Kampf bekommen. Die Öffentlichkeit, die ursprünglich zuschauen sollte, durfte aus Sicherheitsgründen nicht hinein. In dem von Wasser bereits geleerten Becken mussten die Künstlerinnen nicht mehr drauf achten, etwas schmutzig zu machen. In einer gemeinschaftlichen Farb-Performance wurden Schwimmtiere aufgepustet und mit Acrylfarbe zu Kunstobjekten gemacht. „Wir haben sie auch geteert und gefedert“, ergänzt Güdny Schneider-Mombaur. Als Symbolik für den anstehenden Abriss zogen die Plastiktiere dann aus dem Schwimmbad aus. Und ihnen in einer zweiten künstlerischen Arbeitsphase wurde ihnen die Luft herausgelassen. Im Atelier erfuhren sie eine Metamorphose, eine Wandlung. Entstanden sind daraus zweidimensionale Kunstwerke für die Ausstellung, die ab August auch in Burscheid zu sehen ist. Die reliefartigen Bilder wirken nun wie Schwimmhäute.

Vorsitzende Jelle von Dryander, die zusammen mit Geschäftsführerin Vera Leweke die Künstlerinnen entdeckt und zur Bewerbung motiviert hatte, sieht in den Werken auch eine gutes Medium, Erinnerungen an kindlichem Spaß aufleben zu lassen.

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