Schmuck und Geld weg — und ein „Hakenkreuz“ an der Tür

Schmuck und Geld weg — und ein „Hakenkreuz“ an der Tür

Bei einem Einbruch in Witzhelden haben Täter ganz gezielt die Abwesenheit der Bewohner abgewartet, routiniert Beute gemacht, Schäden angerichtet und ein Symbol gesprüht. Nun ermittelt auch der Staatsschutz.

Witzhelden.Als Gerhard Schlossberg am Dienstagmorgen von einem kurzen Spaziergang mit dem Hund zu seinem Haus am Heider Weg kam, sah er den Schaden nicht sofort. Eine massive Kellertür, hinter der sich die Souterrain-Wohnung des Hauses befindet, war mit brachialer Gewalt aufgehebelt worden.

Als er die Wohnung später mit seiner Frau betrat, schlotterten dem Leichlinger die Knie, als er ein nach links gedrehtes Hakenkreuz auf der Innenseite der Tür sah — aufgesprüht mit Farbe von den Tätern. „Mein Mann ist Jude, seine Eltern waren im Konzentrationslager, er ist am Boden zerstört“, erklärt Gattin Renate Röder. Nun ermittelt neben der Kripo auch der Staatsschutz. Ob die Behörde einenrechtsextremen Zusammenhang sieht, wurde nach Anfrage des Bergischen Volksboten gestern nicht mehr bekannt gegeben.

Foto: Doro Siewert

Auch ohne diese Einschätzung hat die Familie Angst. Obwohl Gerhard Schlossberg nur einmal vor ein paar Jahren „einen Zwischenfall“erlebt habe. Nachdem er ebenfalls mit seinem Hund Spazieren gegangen war, und seine religiöse Herkunft in einem Gespräch mit einem anderen Herrchen bekannt gegeben habe, darf dieser Hund laut Renate Röder nun nicht mehr mit dem Vierbeiner der Familie am Heider Weg spielen.

Irritierend ist, dass die Einbrecher offenbar genau gewartet hatten, bis der 67-Jährige das Haus um 9.40 Uhr verlassen hatte. Schon um 10.20 Uhr war der Mann wieder zu Hause. Dass die Tochter kurz vor Schlossberg das Haus verlassen hatte und Renate Röder beim Zahnarzt war, wussten sie wahrscheinlich ebenso. Nur dass der Schwiegersohn unter dem Dach weilte, war ihnen vermutlich unbekannt. Allerdings bekam der von dem Einbruch nichts mit, da er im Bad war.

So stellten die oder der Einbrecher das gesamte Souterrain auf den Kopf, nahmen Goldschmuck, Bargeld (für einen Urlaub, der morgen beginnen sollte) und ein Sparbuch mit. Modeschmuck dagegen blieb zurück. Und der oder die Täter nahmen sich die Zeit, Schäden anzurichten. Ein Fernseher wurde angesprüht und überall auf dem Boden wurde Wasser verschüttet.

Seltsam auch: Schon seit zwei Wochen bemerken die Eheleute Schäden an ihren Fahrzeugen und am Haus. An einem Wohnmobil war der Tankdeckel abgebrochen und der Seitenspiegel zerkratzt. „Wir dachten, hier wohnt ein aggressiver Jugendlicher“, sagt Renate Röder. Als am Vortag des Einbruchs die Scheibe der Souterrainwohnung eingeworfen war, glaubte niemand mehr an frustrierte Streiche. Und auch der 17-jährige Neubewohner hat nun Angst. Ein Flüchtling mit muslimischen Wurzeln, der von der Familie aufgenommen worden ist.