Rückkehr in das weite Land

Am Sonntag wird Pastor Ingar Boe nach fünf Jahren in Richtung Norwegen verabschiedet.

Burscheid. Wo er hingeht, ist der nächste Nachbar vier Kilometer entfernt. Das nächste Dorf acht Kilometer. Das nächste Krankenhaus 100 Kilometer. Und die nächste Großstadt (Oslo) 240 Kilometer. Doch Ingar Boe sorgt sich nicht. Er kennt den Ort. Es ist der Ort seiner Kindheit.

Fünf Jahre war Boe Pastor der Freikirchlichen evangelischen Gemeinde Burscheid — seine erste Stelle. Am Sonntag um 11 Uhr wird der 34-Jährige in einem Festgottesdienst verabschiedet, eine Woche später noch einmal gemeindeintern. Ende Juli macht er sich mit seiner deutschen Frau Mareike (31), den Kindern Marit (3) und Johannes (1) dann auf den Weg, zurück nach Lia Gard, wo seine Eltern nach seiner Geburt aus dem verlassenen Bauernhof der Urgroßeltern über die Jahre ein christliches Zentrum aufgebaut haben.

Jetzt werden Boe und seine Frau dort einsteigen — zunächst als Angestellte und mit schrittweise wachsender Verantwortung. Drei Jahre gibt er sich, um zu klären, ob das Miteinander mit den Eltern funktioniert und eine Nachfolge denkbar ist.

Die Einsamkeit schreckt ihn dabei am wenigsten: „Durch die Gäste haben meine Eltern viele Beziehungen aufbauen können.“ Bis zu 80 Menschen gleichzeitig können den idyllischen Ort zur Besinnung und Begegnung nutzen. Einmal im Jahr kommen beispielsweise Brüder der ökumenischen Kommunität von Taizé (Frankreich) nach Lia Gard, um dort ein paar Tage mit Jugendlichen zu verbringen.

Was nimmt Boe mit auf die Heimreise? Ein Stück bergischer Bodenständigkeit. „Als Theologe hat man viele Theorien im Kopf, wie es sein soll. Aber meine Gedanken sind nicht so lebensnah.“ In Burscheid habe er (manchmal auch schmerzhaft) gelernt, was er sei und was nicht — und was es bedeute, Verantwortung zu tragen. Ein erstes Ankommen nach Jahren der Unstetigkeit.

Seiner Gemeinde, die sich durch Zuwachs und Neubaupläne im Aufbruch befindet, wünscht Boe, „dass es nicht so lange dauert, bis ein neuer Pastor kommen kann“. Und er weiß, dass die nächsten Tage emotional schwierig werden. „Ich merke schon manchmal, dass die Traurigkeit hochkommt.“

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