Altweiber: Rathaus verfällt dem Samba-Wahn

Altweiber : Rathaus verfällt dem Samba-Wahn

Um 13.11 Uhr stürmten die Weiber die „Verwaltung“ mit viel Radau und Ramba Zamba.

Der stärkste Mann, der dem Chef der Samba-Truppe aus dem Rathaus vielleicht noch hätte helfen können, beobachtete das Geschehen schmunzelnd aus den Reihen der stürmischen Weiber. „Du hast auf der falschen Seite gestanden, du hättest mir helfen sollen“, rief Stefan Caplan dem kräftigen Wikinger zu, nachdem er die große Schar der Frauen hatte ziehen lassen müssen. Dem graubärtigen Kaltblut aus dem Norden unter dem Helm mit den Hörnern war es aber gar nicht zum Kämpfen um einen Schlüssel zumute. Bernhard Rappert wollte Kölsch, wie sich nur wenig später herausstellen sollte.

Es war nur ein kurzes Ringen
um den Rathausschlüssel

Und so war es ein kurzes Ringen um die Macht im Rathaus, das seit mittlerweile 13 Jahren jetzt das Schützenhaus ist. Übermütig im siebten Macht-Himmel gaben noch die Samba-Trommler Dirk Runge und Mark Baack den Salsa-Takt vor. Dann folgte das verbale Gefecht, originell von Ghostwriterin Renate Bergfelder-Weiss mit musikalischen Originaltiteln für das Motto („Mit Radau und Ramba Zamba, auch in Burscheid tanzt man Samba“) gespickt. So stimmten die alten Weiber an: „Wie ,Echte Fründe’ steh’n wir heute hier zusammen, um dich hier aus deinem Rathaus zu verbannen.“ Und: „,Atemlos durch die Nacht’ sollst du ziehen, und vor uns singenden und tanzenden Weibern fliehen.“ Auch der Bürgermeister zeigte musikalisches Standvermögen: „,Su lang mer noch am lävve sin’, bleibt der Schlüssel mein.“ Wenig später wurde kurz gerungen und die Horde an Weibern hatte das Haus erobert. Wohl auch, weil der Samba-Chef immer wieder mit seinem Stohhut zu kämpfen hatte, der von den Gitarrenhälsen an seiner stylischen Brille gen Himmel geschoben wurde.

Für die Sicherheit sorgten die Bodyguards des Schützenvereins. Andreas Tonn und Nils Raddatz hatten sich gleich in SEK-Montur gequetscht, um der renitenten Verwaltungs-Bande klarzumachen: Kein Kölsch unter freiem Himmel! Die Schützen sorgten auch für die Bewirtung und die Dekoration des Saals.

Stefan Caplan freute sich über die große Resonanz aus dem Rathaus und der Bevölkerung. Schon kurz nach dem Auftakt hatten sich über 100 Gäste eingefunden – und es sollten noch deutlich mehr bei freiem Eintritt im Schützenhaus werden. Der Verwaltungschef sah als Grund für den großen Zuspruch auch die veränderte Uhrzeit des Rathaussturms. Zum zweiten Mal ging es erst um 13.11 Uhr los. „Vorher müssen die meisten noch arbeiten. So können sie noch kurz nach Hause, etwas essen und entspannt hier hinkommen.“ Sogar zwei Gäste aus den Niederlanden waren dabei und feierten mit den Burscheider Narren.

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