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Prozess-Auftakt: Bankräuber droht lebenslange Sicherungsverwahrung

Prozess-Auftakt: Bankräuber droht lebenslange Sicherungsverwahrung

Ende Oktober 2007 überfiel ein Mann die Burscheider Sparkasse – jetzt steht er vor Gericht.

Solingen/Burscheid. "Geld raus, sonst gibt’s Tote!" Mit diesen Worten überfällt am 2. April 2007 ein maskierter und mit einer scharfen Pistole bewaffneter Räuber die Sparkassen-Filiale Solingen-Grünewald. Beute: 10.000 Euro. Fünf Wochen später wieder ein Überfall auf diese Filiale: Erneut trifft es denselben Kassierer (46).

Diesmal schießt der Maskierte in die Decke der Schalterhalle, weil ihm die 4.300 Euro zu wenig sind, die ihm in eine Plastiktüte gesteckt werden. Wieder drei Monate später stürmt der Bankräuber in die Burscheider Sparkasse, schießt erneut, weil sich ein Kunde nicht auf den Boden legen will. Beute hier: 11.000 Euro.

Erst nach monatelangen Ermittlungen kann der Täter, der keine 400 Meter Luftlinie von der Grünewalder Filiale entfernt wohnt, dingfest gemacht werden. Ein Spezialeinsatzkommando stürmt seine Wohnung, nimmt den gebürtigen Rosenheimer fest.

Jetzt hat sich der 36-jährige Koch deswegen und wegen der Unterschlagung eines 72.000-Euro-Mercedes vor dem Wuppertaler Schwurgericht zu verantworten.

Der Vorsitzende Richter macht dem Angeklagten klar: In diesem Prozess geht es nicht nur um das Strafmaß, das sich trotz eines augenscheinlich umfassenden Geständnisses jenseits von zehn Jahren Haft einpendeln wird, sondern um viel mehr: Dem Angeklagten droht wegen seiner kriminellen Energie und Gefährlichkeit Sicherungsverwahrung.

Und das würde bedeuten: Nach Verbüßung der Haft könnte ihm ein Psychologe frühestens wieder nach zehn Jahren "Sozialfähigkeit" attestieren. Ansonsten bleibt der Mann sein Leben lang weggeschlossen.

Denn seine kriminelle Karriere ist "atemberaubend", wie es der Staatsanwalt bezeichnet. Für das Verlesen des Strafregisterauszugs braucht der Richter mehr als 14 Minuten: 23 Verurteilungen in halb Deutschland. Von elf Jahren Haft hat Angeklagte acht abgesessen. Angefangen hat alles mit 18 Jahren nach Abschluss der Schule mit der mittleren Reife: Immer wieder Autoklau, Diebstahl, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Betrug.

Die Überfälle in Solingen und Burscheid will der junge Familienvater - "ich bin trockener Alkoholiker" - nur wegen seiner Spielschulden begangen haben. Und auch nur deshalb, weil er, die Ehefrau und das einjährige Kind angeblich massiv von den Gläubigern bedroht werden.

Die Frau will übrigens nicht als Zeugin aussagen. Was Zweifel am Geständnis und seiner Glaubwürdigkeit aufkommen lässt: Diese angeblichen Gläubiger will der Angeklagte nicht nennen. Der Prozess geht weiter.