Protest an allen FM-Standorten

Protest an allen FM-Standorten

IG Metall und Betriebsrat rufen für den 6. Mai auch zur Kundgebung in Burscheid auf.

Burscheid. Der Konzernbetriebsrat von Federal Mogul (FM) und die IG Metall planen für Mittwoch, 6. Mai, einen bundesweiten Aktionstag gegen den angekündigten Stellenabbau bei FM. An allen neun deutschen Standorten soll es Protestkundgebungen gegen die Massenentlassungspläne geben. In Burscheid werden sich die Demonstrationszüge von Werk 1 und 2 um 10 Uhr in Richtung Markt in Bewegung setzen. Dort ist dann eine zentrale Veranstaltung vorgesehen.

Rund 7000 Arbeitsplätze hat der Konzern in Deutschland, "1200 davon sind gefährdet", sagt Michael Bergmann, Vorsitzender sowohl des Burscheider Betriebsrats als auch den Konzernbetriebsrats. "Wir hoffen auf eine große Beteiligung der Burscheider Bevölkerung."

Dass der Protest so schnell auf den 1. Mai folgt, sieht er nicht als Problem: "Die SPD kann am Freitag gerne auf unseren Protest in der kommenden Woche aufmerksam machen, wenn sie will."

Betriebsrat und Vertrauenskörper der IG Metall hatten sich wie berichtet entschieden, an der zentralen Mai-Kundgebung der Gewerkschaft in Köln teilzunehmen und nicht an der SPD-Aktion in Burscheid. Die Fahrt nach Köln liegt organisatorisch in der Hand der Vertrauenskörperleitung um den Vorsitzenden Harald Mebus.

Für den dann in der kommenden Woche folgenden Protest zählt der IG-Metall-Bevollmächtigte Witich Roßmann auch auf die Mitarbeiter von Johnson Controls (JC). "Johnson Controls ist in der Region die einzige Europazentrale der Branche, die keinen Betriebsrat hat."

Bei JC war im März angekündigt worden, nach einem ersten Wegfall von 200 Verwaltungsstellen europaweit in Verwaltung und Entwicklung weitere 350 Arbeitsplätze zu streichen. Wie viele davon auf Burscheid entfallen, ist nach Angaben von Sprecherin Ina Longwitz nach wie vor unklar. Noch mindestens bis Ende April laufe das Angebot zum freiwilligen Ausscheiden. Auch werde weiter geprüft, ob es an anderer Stelle im Konzern Beschäftigungsmöglichkeiten gebe.

Derweil haben bei Federal-Mogul Geschäftsführung, Betriebsrat, Gewerkschaft und Juristen schon zwei Verhandlungsrunden über einen Interessenausgleich und Sozialplan hinter sich, kommende Woche Donnerstag folgt die dritte.

Die Arbeitnehmerseite, so Roßmann, habe ein Konzept zur Kurzarbeit und Qualifizierung vorgelegt, um Entlassungen zu verhindern und die Folgen der scharfen Auftragskrise abzumildern. Entsprechend soll kommende Woche auch unter dem Slogan "Köpfe qualifizieren statt Menschen entlassen" demonstriert werden.

Inhaltlich haben sich beide Seiten auf Stillschweigen verständigt, um die Verhandlungen nicht zu belasten. Atmosphärisch sei aber allen Beteiligten die ungeheure Anspannung "angesichts der Dramatik der Situation" anzumerken, sagt Roßmann.

Gleichwohl will er nicht von einer konfrontativen Stimmung sprechen: "Beide Seiten hören intensiv zu und bemühen sich um Lösungen, die die Interessen der jeweils anderen Seite einbinden."

Mehr von Westdeutsche Zeitung