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Postmuseum in Kartons und Schränken

Postmuseum in Kartons und Schränken

Heinz-Jürgen Fiedler ist leidenschaftlicher Sammler. Der einstige Zusteller hat sich viele Schätze aus dem ehemaligen Postamt Burscheid gesichert — und noch viel mehr.

Burscheid. Wer als Kind mit Autos gespielt und sie womöglich selbst gesammelt hat, bekommt im Lager von Heinz-Jürgen Fiedler feuchte Augen. Etwa 5000 Spielzeugautos, von kleinsten Wiking-Modellen über Matchbox-Autos bis hin zu größeren Maßstäben verschiedenster Hersteller besitzt der 65-Jährige. Doch das beschreibt nur annähernd, welche Schätze der Burscheider noch verborgen hält: Ein regelrechtes Postmuseum, deren Utensilien in Schränken und Kartons ihr Dasein fristen, sind darunter. Und noch viel mehr.

„Ein Postmuseum würde mir schon vorschweben“, antwortet Fiedler auf die Frage, wie er seine Sammelstücke am liebsten der Öffentlichkeit zugänglich machen würde. Doch das sei illusorisch, sagt er. Woher den Raum dafür nehmen und unterhalten? Genug Präsentationsstücke hat er — und eine profunde Kenntnis der Materie sowieso: Der 65-Jährige, der exakt seit dem gestrigen Tag Rentner ist, kam 1971 nach seiner Tätigkeit als Kfz-Schlosser für Omnibusse in Berlin nach Burscheid. Und arbeitet bis zum Sommer dieses Jahres bei der Post. Unter anderem auch im Amt an der Bürgermeister-Schmidt-Straße. Burscheider Bürger kennen ihn als langjährigen Briefzusteller. Seine Frau Marion arbeitet noch heute bei der Post in Burscheid.

„Ich könnte sofort wieder auf Zustellung fahren“, erklärt Fiedler, als er zwischen hunderten von Kartons unter anderem mit Schriftstücken und Zustellkarten auf ein gut erhaltenes Postrad stößt. Obwohl es von der Größe und Farbe her sehr markant ist, geht es fast unter zwischen den Bergen an Sammelstücken. „Das haben mir meine Kollegen zum Abschied geschenkt.“ Zu diesem Zeitpunkt war der Burscheider längst mit dem gelben Sammelvirus infiziert. 1975 begann alles mit Wiking-Autos. Kleine Kunststofffahrzeuge, die trotz ihrer minimalen Größe so aussehen wie die Originale. Jahre später präzisierte Fiedler, der Mitglied im Geschichtsverein ist, seine Leidenschaft. „Etwa ab 1983 habe ich gezielt Autos von der Post gesammelt. Und dann ist es explodiert.“

Vielleicht war es da ein Glücksfall für ihn, dass er zur Jahrtausendwende dabei sein konnte, als im Burscheider Postamt der Schalter aufgelöst wurde — und später der Zustellersaal. „Ich habe alles mitgenommen, was nicht zu sperrig war und in meiner Scheune untergebracht werden konnte.“

So genannte Abroller, aus denen die Briefmarken gezogen wurden, waren darunter. Irgendwann fiel ihm auch ein ganz besonderes „Histörchen“ in die Hände: Das originale Postamtsschild von 1923, das einst an dem Burscheider Gebäude angebracht war. Und natürlich hat der 65-Jährige auch ein Flagge der Post — die deutsche Flagge mit einem Posthorn in der Mitte. „Die Fahne haben wir an besonderen Tagen gehisst“, erinnert sich Fiedler. Allerdings ist er nicht der Besitzer des Originals. Das Internet ist heute der Ort, wo er jene Relikte erwerben kann, die er noch nicht hat. „Ich fange jetzt erst an, Geld zu investieren.“

Bestimmte Sammlerschwerpunkt, die er neben seinem Post-Faible pflegt, kann er allerdings dort nicht mehr erweitern. Bücher über VW-Busse beispielsweise: „Da habe ich fast jedes von.“ Und von Büchern über Schottland und Berlin habe er „fast alles“. Und von seiner jetzigen Heimat? „Von Burscheid glaube ich, fast jedes Buch zu haben.“

An einer psychologischen Deutung seiner Sammel-Leidenschaft hat sich Fiedler auch schon versucht. „Wir konnten uns als Kinder nicht alles kaufen. Vielleicht sind es die Wünsche, die ich mir jetzt erfülle.“ Auf jeden Fall sei es auch der Wunsch „etwas zu erhalten, was verschwindet“.