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Parlamentarisches Patenschaftsprogramm: Ein neues Leben in Amerika

Parlamentarisches Patenschaftsprogramm: Ein neues Leben in Amerika

Julia (16) geht für ein Jahr nach Dilley — eine kleine Stadt in Texas. Möglich macht das ein Stipendium.

Burscheid. Sechs Tage noch, dann setzt Julia Engelhardt sich ins Flugzeug und lässt ihr altes Leben hinter sich.

Das neue beginnt 8612 Kilometer entfernt, in einer kleinen Stadt namens Dilley, ganz im Süden der USA und fast schon an der mexikanischen Grenze.

„Ehrlich gesagt habe ich nie gedacht, dass ich wirklich ausgewählt werde“, sagt die 16-jährige Schülerin.

Ist sie dann aber doch — und zwar für das Parlamentarische Patenschaftsprogramm (siehe Kasten), das jedes Jahr etwa 360 jungen Menschen einen Aufenthalt in Amerika ermöglicht. Julia ist die erste Burscheiderin, die ein solches Stipendium bekommen hat. Ein Jahr wird sie in Dilley bleiben, dort in einer Gastfamilie wohnen, neue Geschwister haben, neue Freunde finden.

Ausgewählt worden ist Julia von Bundestagsmitglied Wolfgang Bosbach, der in den vergangenen Jahren schon 18 Stipendiaten betreut hat. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung sind vor allem gute Schulnoten und eine reife Persönlichkeit.

„Man schickt junge Leute nach Amerika und bekommt Erwachsene zurück“, sagt er. Julias Mutter Sabine Engelhardt nickt: „Das wird schwer, aber es ist ihr Wunsch. Trotzdem wird sie mir sehr fehlen.“

Gerade einmal 3500 Einwohner zählt Dilley, die Stadt hat einen kleinen Park, ein großes Einkaufszentrum, ein paar eher unscheinbare Kirchen sowie ein kleines aber modernes Krankenhaus. Bekannt ist Dilley vor allem für seine Wassermelonen.

„Es ist das Ziel, dass die jungen Leute nicht unbedingt in die großen Metropolen wie New York oder Los Angeles kommen“, sagt Wolfgang Bosbach. „So haben sie die Chance, das Land ganz anders kennenzulernen.“

Auch Julia hat vor, sich auf die neue Erfahrung einzulassen. Bislang war sie nur einmal zwei Wochen von ihrer Familie getrennt, bei einer Ferienfreizeit. Und Europa hat sie auch noch nicht verlassen. „Ich freue mich auf meine Gastfamilie. Gestern habe ich noch mit der Mutter telefoniert — und E-Mails haben wir auch schon einige geschrieben“, sagt die Schülerin des Landrat-Lucas-Gymnasiums. „Sie macht einen total netten Eindruck.“

Zurücklassen wird Julia ihre Eltern und ihren kleinen Bruder. Zwölf Jahre ist er alt und sieht ihren Aufenthalt eher von der praktischen Seite: Er hat jetzt schon Anspruch auf ihr Zimmer angemeldet, wenn sie nicht da ist. In Amerika bekommt sie dafür einen älteren Bruder, zwei weitere Geschwister, einen Hund und einen Schulleiter als Gastvater.

„Das wird glaube ich ziemlich chaotisch, wenn ich ankomme. Denn genau an diesem Tag zieht die ganze Familie um“, sagt Julia. Vorsorglich hat ihre Gastmutter sie daher für die erste Nacht in einem Hotel untergebracht.

Wenige Stunden vor dem Abflug merkt Julia, dass es bald ernst wird. „Das nimmt jetzt langsam Gestalt an.“ Dafür sorgen auch die Sachen, die sie schon rausgelegt hat, und die bald in den großen Koffern verschwinden werden.

Darunter natürlich auch ein paar Gastgeschenke: Schokolade und Gummibärchen sind dabei, ein Backbuch — und ein Buch über den Rheinisch-Bergischen Kreis.