Reparaturcafé: Neues Leben für die alten Schätzchen

Reparaturcafé : Neues Leben für die alten Schätzchen

Zum ersten Mal konnten am Samstag Burscheider defekte Gegenstände ins Reparaturcafé bringen. Pürierstäbe, Mixer und Plattenspieler wurden fit gemacht.

Burscheid. Eveline Oberhäuser konnte schon lange nicht mehr Keyboard spielen. Das Musikinstrument ließ sich einfach nicht mehr einschalten. „Es tut es nicht mehr. Tote Hose“, sagt die Burscheiderin. Als sie vom Reparaturtreff im Tri-Café erfuhr, schöpfte Eveline Oberhäuser wieder Hoffnung. „Ich habe das Keyboard direkt unter den Arm genommen und bin hierher gekommen. Ich bin froh, dass es das Reparaturcafé jetzt auch in Burscheid gibt“, so die Seniorin, die ihren Blick nicht von ihrem lieben Besitztum losreißen wollte.

Sie bangte mit, als die ehrenamtlichen Tüftler das Innenleben des Keyboards freilegten. Mit der großen Platine und der vielen Elektronik konnte Manfred Buch einen Tisch weiter nichts anfangen. Bei der modernen Technik habe der Leverkusener irgendwann den Überblick verloren. Als Mitglied der „Reparaturwertstatt“ aus Leverkusen, die am Samstag den Burscheider Kollegen bei ihrer ersten Veranstaltung unter die Arme griff, hatte sich eher auf ältere Elektrogeräte und mechanische Probleme spezialisiert. „Ich hatte schon Küchengeräte aus den 50ern in der Hand. Und sie funktionieren wieder“, erzählt Manfred Buch. „Es ist doch so: Viele Leute hängen an diesen Sachen. Und wenn sie nicht mehr funktionieren, kommen sie erst einmal in den Keller, bis man jemanden findet, der sie reparieren kann.“

Dass die defekten Geräte nicht im besten Zustand sind, wenn sie aus dem Keller geborgen werden, das komme immer mal wieder vor. Vor dicken Staubschichten ist Manfred Buch nicht fies. Auch vor kniffeligen Aufgaben schreckt er nicht zurück. Kühlschränke und Popcornmaschinen hat der Rentner, der einst beruflich medizinische Geräte und Geldautomaten wartete, schon wieder flott bekommen.

Zu den wohl kuriosesten Patienten gehörte ein kleiner Spielzeughund, ein Scherzartikel. Manfred Buch muss schmunzeln, als er die Geschichte erzählt. Die Funktion des Spielzeugs war es, sich an einem Menschenbein zu klammern, dabei zu zappeln und zu stöhnen. „Der Besitzer hat sich gefreut, als es wieder funktionierte“, sagt der Leverkusener. Er zuckt mit den Schultern. Er repariert, was die Besucher ihm bringen, ganz gleich, was und wie sinnvoll es ist.

In Burscheid war die Auswahl fider zu reparierenden Dinge weniger kurios: Pürierstäbe, Grammophone, Mixer, vibrierende Heizkissen und Plattenspieler. Klaus Schafenort nahm eine Bohrmaschine auseinander. Hochkonzentriert zieht der Burscheider die kleinen Schrauben aus dem Gehäuse. „Ich habe Elektriker gelernt. Als ich hörte, dass es hier ein Reparaturcafé geben soll, bin ich zu den Treffen gekommen“, erzählt Klaus Schafenort, der sich in seiner Freizeit mit alten Treckern befasst. „Es macht mir Spaß, hier zu sein.“

Vergnügen war das eine. Für Dieter von Kannen aus Leverkusen hat das Reparieren aber noch einen viel tieferen Sinn. „Mein Ziel ist, dass kaputte Sachen nicht weggeworfen werden. Das muss doch nicht sein. Ich will, dass das in den Herzen der Menschen ankommt, nicht nur im Verstand“, sagt der 75-Jährige. So könne man doch auch einen Stuhl aus den 20er Jahren retten, der zusehends zusammensackt. So wird gebohrt und gehämmert. Die Lehne sollte jetzt nicht mehr unter dem Gewicht des Sitzenden nachgeben. Dieter von Kannen ist zuversichtlich. „Den Stuhl kriegen wir wieder hin.“ Damit die Basteleien nicht so auffällt, bohrt er kleine Löcher in das Holz und versteckt darin die Nägel. Das sollte Wurmstich vortäuschen.

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