Interview In Extremo mit dem Kompass zur Sonne

Die Band veröffentlicht heute ihr neues Album und kommt am 23. Dezember ins Kölner Palladium. Unsere Zeit sprach vorab mit Micha Rhein und Basti Lange.

 In Extremo sollen am 23. Dezember im Palladium auftreten. Die Band ist optimistisch, dass der Termin bestehen bleibt.

In Extremo sollen am 23. Dezember im Palladium auftreten. Die Band ist optimistisch, dass der Termin bestehen bleibt.

Foto: Jens Koch

Wie erleben Sie die Welt in Corona-Zeiten?

Micha Rhein: Das ist alles schwierig. Demnächst kommt unser neues Album heraus und ab heute wären wir normalerweise auf Tour gegangen. Jetzt ist bis Ende August alles abgesagt – ein Desaster für alle Menschen. Wir stehen in den Startlöchern und müssen warten.

Basti Lange: Man muss sich mit der Situation arrangieren, da geht jetzt die Gesundheit vor. Natürlich wäre auch ich jetzt lieber unterwegs, aber es gilt jetzt nach vorne zu schauen und darauf zu hoffen, dass es besser wird.

Am 23. Dezember ist das Konzert im Palladium terminiert. Wie groß ist die Hoffnung, dass es wirklich stattfindet?

Rhein: Man kann nicht alles absagen und muss sich irgendwie die Hoffnung bewahren, dass es weiter geht. Deshalb gehen wir davon aus, dass unser Konzert in Köln stattfinden kann.

Wie gehen Sie im Alltag mit Corona um?

Rhein: Das ist keine leichte Zeit. Wir sind zu Hause und man ist froh, wenn man einen Garten hat. Schlimm ist das für Leute, die irgendwo in einer Hochhaussiedlung leben und gar nicht raus können. Manche haben da ja noch nicht mal einen Balkon – eine Horrorvorstellung. Für mich bedeutet das Zuhausebleiben schon mal, dass die Langeweile gewinnt und man sich zu viele Gedanken wegen der Krise macht.

Lange: Aber es geht im Moment nicht anders. Man muss sich die Zeit vertreiben. Ich höre viel Musik und mache auch selbst Musik. Außerdem komme ich jetzt auch mal dazu, in Ruhe ein Buch zu lesen. Vielleicht ist es auch gar nicht mal so schlecht, wenn die Menschen jetzt entschleunigt werden.

Wie wird sich die Gesellschaft verändern?

Rhein: Ich gehe davon aus, dass die Menschen, wenn alles vorbei ist, ihren Alltag genauso gestalten werden wie vor der Krise. Der Mensch kommt schnell in seinen alten Trott zurück. Aber vielleicht können wir in der Krisenzeit auch etwas Neues lernen und uns das für die Zeit danach bewahren. Dann hätte Corona auch etwas Positives bewirkt.

Wie kam es beim neuen Album zum Titel „Kompass zur Sonne“?

Rhein: Wir tun uns bei der Titelsuche erfahrungsgemäß immer etwas schwer. Aber dieses Mal hat es einfach gepasst. Wir sind positiv denkende Menschen und in schwierigen Zeiten muss man auch mal optimistisch sein und zur Sonne blicken. Es ist nicht nur in Zeiten von Corona wichtig, positives in die Welt zu setzen.

Wie haben die Fans auf die ersten Boten des neuen Albums reagiert?

Lange: Es gab durchweg von Fans, aber auch von Kritikern, ein positives Feedback, das uns sehr gefreut hat. Da waren wir angenehm überrascht. Die eigene Beurteilung eines eigenen Albums fällt nach der langen Zeit im Studio immer etwas schwer, da tun positive Reaktionen von außen wirklich gut.

Was sind die Veränderungen im Vergleich zum Vorgängeralbum?

Rhein: Verändert haben sich eigentlich nur Nuancen. Aber jedes Album von In Extremo steht für sich und ist abwechslungsreich, auch wenn man sofort weiß, von wem es stammt. Es ist ein lustiges Album, das aber auch zum Nachdenken anregt. Wir sind sehr zufrieden damit.

Was macht den Sound der Band aus?

Rhein: Die Dudelsäcke, der Gitarrensound und auch meine Stimme. Unsere Musik ist authentisch. Vieles passiert einfach und kommt aus dem Bauch heraus. Da wird nichts mit der Brechstange erzwungen. Es muss sich einfach gut anfühlen.

Sie sind international erfolgreich und das in ganz verschiedenen Regionen der Erde.

Lange: Ja, das gilt für Osteuropa genauso wie für Asien oder Mexiko. Wir haben uns im Laufe der Jahre hochgespielt und es gab immer neue Kontakte in neue Länder. Oft waren wir selbst erstaunt, wenn uns da tausende Menschen zugejubelt haben. Das ist ein echtes Geschenk für uns.

Welche Beziehung haben Sie zu Köln?

Rhein: Ich lebe in der Nähe von Köln auf dem Land in einem kleinen Dorf. Aber ich bin gerne in Köln und ziehe dann auch mal durch Ehrenfeld oder durch die Südstadt. Ich mag die Blues-Konzerte in der Torburg, war früher oft im Roxy, besuche aber auch hin und wieder Konzerte im Palladium. 

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