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Mit Tönen diese Stadt beschenkt

Mit Tönen diese Stadt beschenkt

Serenadenkonzert in der Kirchenkurve begeistert. OVH, Junges und Junior- Orchester beglücken über 700 Zuhörer.

Burscheid. Welch ein Glück, solche musiktreibenden Vereine in der Stadt zu haben! Das 15. Serenadenkonzert, gespielt vom Orchesterverein Hilgen, dem Jungen und dem Junior-Orchester, war am Samstag Abend in der Kirchenkurve ein Geschenk an die Bürger der Stadt; über 700 Musikbegeisterte hatten sich bei bestem Sommerwetter versammelt und warteten schon lange vor dem offiziellen Start auf die Musiker. Das wohl auch, weil die Sitzmöglichkeiten begrenzt waren. Die aufgestellten Stühle waren bald besetzt, dann wurden Reservestühle gestellt, Bänke belegt, Campingstühle aufgeklappt, Sitzwürfel herangetragen und weitere Möbel aus dem umliegenden Häusern herbeigeschafft — alles war proppenvoll und doch in durchaus charmanter Enge sehr familiär.

Mit Tönen diese Stadt beschenkt

Die ehrenamtlich stellvertretende Bürgermeisterin Silke Riemscheid begrüßte auch im Namen des verhinderten Schirmherren Stefan Caplan das Publikum, dankte allen Helfern, würdigte den großen Aufwand und die intensive Probenarbeit der Musikvereine. Das Serenadenkonzert sei ein Beweis der Liebe zur Musik und der Liebe zur Stadt gleichermaßen — und als Darbietung auf der Freiluftbühne in der Kirchenkurve seit 2003 fester Bestandteil Burscheider Kulturlebens.

Mit Tönen diese Stadt beschenkt

Das Junior-Orchester des OVH unter der Leitung von Heide Wendt eröffnete den musikalischen Reigen. Als „Old McDonalds Band“ beschäftigten sich die jungen Musiker in einem Potpourri englischer und irischer Kinderlieder mit den Tieren auf dem Bauernhof. Maja, Caroline und Constantin als potenzielle Nachwuchsstars wurden bei dieser Gelegenheit vorgestellt. Sie spielen seit genau drei Wochen im Junior-Orchester mit und trauten sich am Samstag gleich mit auf die große Bühne.

Mit Tönen diese Stadt beschenkt

Mit „Smile“ aus dem Soundtrack des Chaplin-Films „Modern Times“ ging es voran und mit einem Potpourri aus „Star Wars“ ließen die Kinder Luke Skywalker auftreten. Das war in der Tat eine echte Herausforderung für die Kinder, auf Neudeutsch eine „Challenge“. Minutenlanger, reicher Applaus belohnte sie für ihre Courage.

Nach kurzem Umbau präsentierte sich mit dem Orchesterverein Hilgen und dem Jungen Orchester ein großer, ja gewaltiger Klangkörper mehrerer Generationen dem Publikum — Musik verbindet, das war die Botschaft. Unter wechselndem Dirigat von Timor Oliver Chadik (OVH) und Simon Roloff (Junges Orchester) wurde die karibische Nacht zum Tage gemacht.

Melodiös, so verswingt wie beschwingt, ging es ins Musical „Westside Story“. „I like to be in America“ erinnerte an die schöneren Tage der Staaten und „Tonight, tonight“ ließ schwelgen. Die Burscheider erlebten in diesem Moment die Vereinigten Staaten so strahlend wie das Versprechen der Freiheitsstatue auf das bessere und erfolgreiche Leben jenseits jeder Beengung.

Als Solist brillierte Simon Roloff am Marimbaphon: Im „Concertino for Marimba“ von Alfred Reed ließ er die Schlägel tanzen. Lange hat der Chronist das Instrument nicht mehr gehört. Simon Roloff mit seinen vier Schlägeln als Schöpfer perlender Klänge, quellend aus einem mit jeder Faser musizierenden Körper, harmonierte vortrefflich mit dem Orchester, das einen edlen Big-Band-Sound ablieferte. Und dann — ja, und dann setzte Simon Roloff in seiner Marimbaphon-Zugabe noch eins drauf und entlockte dem Instrument den wild wirbelnden „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow.

Nach der Pause (Hochbetrieb für Eisdiele und „Bergische Stuben“) setzte das Riesenorchester sein Programm fort. Nach forcierten Marschklängen ging es an diesem warmen Abend in die Tropen. „Fluch der Karibik“, komponiert von dem 1967 geborenen Deutschen Klaus Badelt, ist ein Klassiker für sinfonische Blasorchester. Mal stürmisch, mal fordernd, mal grollend, aber auch wieder sanft präsentierte sich der „Fluch“— alle Achtung!

„You raise me up“, geschrieben von Rolf Løvland, ist ein schmachtendes, der irischen Volksmusik angelehntes Stück. Wunderschön arbeitete der Klangkörper vor der evangelischen Kirche den stimmungsvollen Wechsel zwischen Soli und Tutti heraus, machte dieses Werk bei schwindendem Licht der Stadt zum Geschenk, zur musikalischen Liebeserklärung.

Ein verruchter Tango des argentinischen Bandoneon-Virtuosen und Komponisten Astor Pantaleón Piazzolla geriet zum Spiel mit dem Feuer. Knisternde Spannung lag bei einem James Bond-Medley in der Luft, als „Live And let Die“, „Skyfall“ und natürlich die Bond-Melodie erklangen.

Als vorletztes Stück wurde „Lord Tullamore“ des Niederländers Carl Wittrock gespielt. Trommeln und Fanfaren machten erneut eine Begegnung mit Irland möglich. In einem großartigen Schluss endete dieses Stück und riss die Burscheider zu Beifallsstürmen hin, ließ sie frenetisch nach einer Zugabe verlangen.

Die gab es mit Tom Jones’ „Sex Bomb“. Das Orchester zollte dem walisischen „Tiger“ seinen Tribus und würzte die karibische Nacht mit einer Prise Frivolität, die vom Ohr bis in den kleinen Zeh vordrang. Wow — und das ist jetzt weder irisch noch walisisch, sondern deutsch. Welch eine Nacht, welch eine Leistung!