Mit Lesekompetenz gegen Gewalt

Mit Lesekompetenz gegen Gewalt

Leiterin Barbara Hoevels will die Sprachfähigkeit der Kinder stärken.

Burscheid. Eigentlich sind 100 Tage keine lange Zeitspanne. Für Barbara Hoevels schon. Seit Anfang Mai ist die 42-jährige Kölnerin Leiterin der Burscheider Stadtbücherei, die sie bereits von 1994 bis 1996 geführt hatte. Seitdem hat sich vieles verändert. So viel, dass 100 Tage nicht ausreichen, um alles zu erfassen.

"Im Vergleich zu meiner ersten Zeit ist eine Menge anders geworden. Angefangen von der EDV bis zur Tatsache, dass Schulkinder früher in der Bücherei ein Buch ausgeliehen haben, wenn sie ein Referat schreiben mussten. Heute wird das Thema gegoogelt und ins Manuskript rein kopiert", sagt Hoevels.

Demgemäß hätten sich auch die Lesegewohnheiten der Kinder und Jugendlichen verändert: Ganze Bücher würden von den Kindern nur noch selten verschlungen, dagegen sei schnelles, auszugsweises Lesen gefragt. Genau hier will Barbara Hoevels ansetzen.

Leseförderung heißt das Stichwort, mit dem sie die Lesekompetenz der Kinder stärken will. Das sei allein schon unter dem Aspekt Gewaltprävention wichtig. "Leseverständnis schult die Sprachkompetenz. Wer sich nicht ausdrücken kann, der greift oft zur Gewalt, um sich mitzuteilen", sagt Hoevels. Dazu will Hoevels die Kooperation mit Schulen und Kindergärten suchen, um etwa die ehrenamtlichen Lesepaten in die Schulen zu schicken, wo sie mit einzelnen Kindern nach dem Unterricht an der Lesetechnik feilen.

Um herauszufinden, wie die Stadtbücherei am sinnvollsten auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen kann, wird zurzeit eine Umfeldanalyse erstellt, die Mitte 2010 fertig sein soll. Bei allen ambitionierten Zielen sieht Hoevels die Bücherei schon jetzt ganz gut aufgestellt. "Es macht Spaß, hier zu arbeiten. Das Gebäude ist zentral gelegen und hat ein eigenes Flair. Außerdem sind wir ein tolles Team."

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