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Mehr Praxis für Fachkräfte

Mehr Praxis für Fachkräfte

Die Gebäudewirtschaft der Stadt und die Technische Hochschule Köln vereinbaren weitere Zusammenarbeit.

Köln. Studenten der Fakultät für Bauingenieurwesen und Umwelttechnik an der Technischen Hochschule (TH) Köln haben vergangene Woche zeitweise auf einer Baustelle der städtischen Gebäudewirtschaft an der Kantstraße in Köln-Kalk verbracht. Im Rahmen einer Projektwoche zum Thema Bauablaufplanung führte der Bauleiter des dort tätigen Ingenieurbüros die Gruppe über die Baustelle. Die angehenden Ingenieure erfuhren, begleitet von der Projektleitung der Gebäudewirtschaft, am Beispiel des realen Bauvorhabens, wie ein Projekt- und Bauzeitenplan entsteht.

An der Kantstraße errichtet die Gebäudewirtschaft derzeit einen Erweiterungsneubau sowie eine Dreifachturnhalle für die Kaiserin-Theophanu- Schule. Insgesamt werden dort rund 34 Millionen Euro investiert. Voraussichtlich wird alles 2021 fertiggestellt sein.

Derartige Praxiswochen sind ein Beispiel für die bereits seit 2015 stattfindende Zusammenarbeit zwischen der städtischen Dienststelle und der TH Köln. Diese wurde jetzt mit einem neuen Kooperationsvertrag weiter ausgebaut. Die Vereinbarung unterzeichneten Petra Rinnenburger, geschäftsführende Betriebsleiterin der Gebäudewirtschaft der Stadt, und Prof. Klaus Becker, geschäftsführender Vizepräsident der TH Köln.

Mit dem Schulterschluss zwischen städtischer Dienststelle und Hochschule wird eine Zusammenarbeit in der Lehre, ein regelmäßiger gemeinsamer Austausch mit gegenseitigen Netzwerkaktivitäten sowie die Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Gebäudewirtschaft als Arbeitgeber beschlossen. Die Kooperation kann helfen, dringend benötigtes Personal, etwa für den Bau und den Unterhalt von Schulen für die Stadt, zu gewinnen.

Inhaltlich arbeiten die Vertragspartner nun auch auf dem Gebiet der Digitalisierung der öffentlichen Bauwirtschaft zusammen. Hier kann Köln eine Vorreiterrolle einnehmen. Es geht insbesondere um die Entwicklung und Anwendung der so genannten „Building Information Modeling“-Methode (kurz BIM), die einen wesentlichen Baustein in der Kooperation darstellt.

BIM dient mit dem Einsatz von Software der optimierten Planung sowie der Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und sonstigen Bauwerken. Mit diesem Instrument werden alle +wichtigen Daten des Bauwerks digital erfasst. Die Informationen dienen als Datengrundlage — von der Planung über die Realisierung bis hin zum Betrieb und der Erhaltung von Bauwerken.

An der TH Köln befasst sich Prof. Jürgen Danielzik in seinem Lehrgebiet „Baubetrieb, Bauwirtschaft und Baumanagement“ seit mehr als 15 Jahren mit dem Thema BIM. Die Gebäudewirtschaft setzt bei der Planung, Ausführung und Bewirtschaftung ihres Immobilienbestandes künftig auf dieses Verfahren und treibt damit auf lokaler Ebene eine Entwicklung voran, die die Bundesregierung als strategisches Ziel definiert hat. Die BIM-Methode soll zu effizienteren Prozessen und einer belastbareren Kostenplanung führen.

„Mit unserer Kooperation bauen wir die Stärken des Standortes Köln im Bereich der Digitalen Bauwirtschaft langfristig aus“, sagte Prof. Klaus Becker. „Uns geht es darum, mit unserem Partner Ideen zu entwickeln, das an der Hochschule vorhandene Fachwissen in Lösungen in der Praxis zu übersetzen und das gemeinsame Wissen insbesondere für die Kölner Stadtgesellschaft wirksam zu machen“, so Becker weiter. Petra Rinnenburger spricht von einer „klassischen Win-Win-Situation“: „Die Studierenden analysieren, erforschen und entwickeln in ihren Arbeiten innovative Ansätze, deren Ergebnisse direkt dem Bau und dem Unterhalt unserer Schulen, Kindergärten und Verwaltungsgebäude dienen. Sie entwickeln Projekte und Ideen nicht für die Schublade, sondern für den Echtbetrieb und damit für die tatsächliche Anwendung.“

Nach der bereits bestehenden Kooperation mit der Fakultät für Anlagen-, Energie- und Maschinensysteme gibt es durch die n+eue Kooperation nun auch eine Partnerschaft mit der Fakultät für Bauingenieurwesen und Umwelttechnik - im Sinne des Technologie- und Wissenstransfers in beiderseitigem Interesse. Die Studenten bekommen früh und begleitet von erfahrenen Profis einen anschaulichen Praxisbezug. Gleichzeitig lernen sie die Attraktivität eines Arbeitgebers wie der Stadt Köln kennen. Die städtische Gebäudewirtschaft ist in ihrer Funktion als „größtes Ingenieurbüro der Stadt“ relativ unbekannt.

Bereits seit 2015 absolvieren Studierende der TH Köln unter der Leitung von Prof. Jochen Müller von der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme ihre Praxisphasen in der Abteilung Energiemanagement der Gebäudewirtschaft. Oder sie analysieren in Bachelor- oder Masterarbeiten Optimierungspotenziale von technischen Gebäudeausrüstungen im Bereich Gebäudeautomation und Instandhaltungsmanagement, die von Mitarbeitern der Gebäudewirtschaft betreut und an realen Gebäuden der Stadt durchgeführt werden. In Forschungsprojekten untersuchen Studenten für die städtische Gebäudewirtschaft bestimmte Innovationen am Markt.

Der Ingenieurmangel am Bau ist kein Problem nur der Stadt Köln. Alle Kommunen und die private Wirtschaft, ebenso wie der Verein Deutscher Ingenieure, beklagen eine Verschärfung des Fachkräftemangels in diesem Bereich. Dies stellt angesichts der weiter „wachsenden Metropole“ Köln mit drohendem Schulbaunotstand und anderen immer größeren baulichen Anforderungen auch im kulturellen Bereich eine besondere Herausforderung, aber eben auch eine Chance dar — nicht nur für Ingenieure und Architekten.

Der öffentliche Dienst kann vielfach nicht so viel zahlen wie die freie Wirtschaft. Dafür haben auch junge Bewerber - begleitet im Rahmen eines Mentoring-Programms der Gebäudewirtschaft — die Chance, sehr schnell und sehr umfang- und abwechslungsreiche Großprojekte von A bis Z verantwortlich zu betreuen. Familienfreundliche Rahmenbedingungen und flexible Arbeitszeiten sind zwei weitere Pluspunkte, die Studenten in der Kooperation ebenfalls kennenlernen. Über die Grenzen Kölns hinaus bietet die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln ab dem 1. August 2018 außerdem Studienplätze für einen praxisintegrierten Studiengang Bachelor of Engineering (Bauingenieurwesen) an.