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Leben zwischen Informatik und Kunst

Leben zwischen Informatik und Kunst

Der Burscheider Künstler Sascha W. Kwasniok zeigt im Rathaus 60 seiner Werke. Die Hälfte davon ist in den vergangenen sechs Monaten entstanden.

Burscheid. Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Kunst im Rathaus“ zeigt der in Burscheid lebende Künstler Sascha W. Kwasniok in der Zeit vom 23. März bis 31. Oktober eine Auswahl seiner Arbeiten. Das Spektrum der gezeigten Arbeiten reicht von surrealistischen Ansätzen bis hin zu Darstellungen des menschlichen Körpers im Spannungsfeld zwischen Realismus und Abstraktion.

Leben zwischen Informatik und Kunst
Foto: Doro Siewert

„Schon als Kind und Jugendlicher habe ich sehr gerne gezeichnet und gemalt. Mein Ziel war es nach dem Abi Kunst oder Design zu studieren. Deshalb habe ich zunächst eine Ausbildung zum Grafisch- Technischen Assistenten gemacht. Leider hat sich herausgestellt, dass ich gegen Druckfarben allergisch bin. Damit war der Traum vom Designstudium beendet“, erinnert sich Kwasniok, der sich entschließt entschied, nun Mathematik und Informatik zu studieren.

„Das war eine komplett neue Richtung in meinem Leben. Das ist mir nicht leicht gefallen, aber vielleicht war es die clevere Entscheidung, denn von seiner Kunst zu leben ist heute sehr schwer“, sagt Kwasniok zurückblickend. Heute leitet er in Köln für die Katholische Zusatzversorgungskasse eine IT-Abteilung mit 60 Mitarbeitern. „Mit dem Malen und Zeichnen habe ich aber nie aufgehört. Seit etwa drei Jahren mache ich das wieder regelmäßig.“

Seine in Burscheid lebende Tante Heidi Lichtenberg überzeugte den Künstler, seine Werke auch öffentlich in Ausstellungen zu zeigen. Die aktuelle Schau im Rathaus ist die größte in seiner bisherigen Karriere. „Wenn meine Tante mich nicht dazu überredet hätte, gäbe es wohl keine Ausstellung in Burscheid. Kunst ist für mich ein sehr persönliches Refugium, in dem ich meine Kreativität ausleben kann und in das mir keiner reinreden kann. In einer Ausstellung sehen alle meine Bilder und können dazu etwas sagen. Vor der Eröffnung der Schau war ich ziemlich nervös. Das ist etwas ganz anderes als im Berufsalltag. Als ich das erste Mal die Bilder im Rathaus hängen sah, war ich geschockt, weil sie so anders aussahen. Mittlerweile gefällt mir die Ausstellung aber sehr gut.“

Insgesamt sind 60 Werke zu sehen. „Im Oktober waren es gerade mal 30, ich musste in den vergangenen sechs Monaten viele Extraschichten einlegen, um auf die finale Zahl zu kommen.“ Dabei ist die Nacht die Zeit, in der sich Kwasniok in sein Atelier zurückzieht. „Zunächst esse ich mit meiner Frau und den beiden Kindern zu Abend und nehme mir noch Zeit mit meiner Frau. Dann geht es von 21 bis Mitternacht oder länger ins Atelier. Dazu kommen dann noch die Wochenenden. Da muss man schon eine sehr verständnisvolle Familie haben.“

Auch Tochter Rebecca hat ihren Vater schon im Atelier besucht. „Sie hat im Prinzip das versucht, was ich gerade mache. Dabei sind ihre Bilder oft besser als meine - sie sind spontaner und bunter“, lobt der Künstler seinen Nachwuchs. Ins Bergische Land ist er wegen des Arbeitsplatzes in Köln gekommen. „Ich wurde in Bottrop geboren, bin in Duisburg zur Schule gegangen und habe bis vor zwei Jahren in Oberhausen gelebt.“

In seiner Arbeit als Maler gab es in den vergangenen Monaten einen Wandel: „Früher war ich sehr von Dali und seinen feinen Pinselstrichen geprägt. Aber ich wollte keine schlechte Dali-Kopie sein. Daher habe ich den feinen Pinsel gegen den groberen Spachtel getauscht. Das macht die Arbeit gröber, schmutziger, aber auch spontaner, weil man so nicht alles durchplanen kann. Es kommt eine Masse Zufall aufs Bild. Man muss aber auch mit Flecken leben, die man so nicht eingeplant hat.“

Inspiriert wurde Kwasniok zuletzt unter anderen von Gerhard Richter: „Bei ihm fand ich spannend, dass er so viele unterschiedliche Dinge gemacht und immer wieder das Neue gesucht hat. Aktuell ist mir das Werk von Francis Bacon sehr wichtig. Damit habe ich mich kunsttheoretisch intensiv beschäftigt. Er hat immer wieder versucht, sich selbst zu erklären und dabei hat er die eigene Kunst wohl nie verstanden. Er war stets mit sich selbst uneins, da macht ihn zu einer spannenden Persönlichkeit.“

Service: Zu sehen ist die Ausstellung in den Räumen des Burscheider Rathauses an der Höhestraße 7-9 zu den üblichen Öffnungszeiten: Mo 8.15-18 Uhr, Di 8.15-16 Uhr, Do 8.15-16 Uhr, Fr 8.15-12 Uhr.