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Kultur: Kunstwerke dienen als Bühnenbilder

Kultur : Kunstwerke dienen als Bühnenbilder

Drei Opern, eine musikalische Aufführung und eine inszenierte Lesung an einem Abend – morgen Abend gibt es die Premiere von „Schnittstellen II“ im Saal 3 der Oper im Staatenhaus in Deutz. Nach dem Erfolg von „Schnittstellen I“ im Jahr 2018 kehrt das interdisziplinäre Kulturprojekt von Michael Faust zurück auf die Bühne in Köln.

Eigens für diese Produktion haben Stipendiaten des Inter-Artes-Projektes Gargonza Artes im Auftrag der Oper Partituren, Libretti und Bühnenbilder für drei kurze und sehr aktuelle Opern geschaffen.

Außerdem liest der renommierte Rezitator und Schauspieler Bernt Hahn gemeinsam mit Susanne Flury „B“ (Auszüge im Werden), einen Text der jungen Autorin und Gargonza Stipendiatin Liat Fassberg, die jüngst mit dem „Münchener Dramatik-Förderpreis“ ausgezeichnet worden ist. In der Pause können die Besucher zudem im Saal 3 eine Ausstellung mit Werken der Bildenden Kunst und Architektur betrachten. Zu Beginn gibt es eine musikalische Aufführung mit einem Streichquartett als Video der Uraufführung in Gargonza sowie elektronischer Musik, die live im Saal entsteht. Vor der Premiere hat unsere Zeitung mit dem Initiator und Vorstandsvorsitzenden des Vereins Inter Artes, Michael Faust, gesprochen. 

Sie sind der Initiator des Inter-Artes-Projektes Gargonza Artes. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Michael Faust: Das Burgdorf Gargonza in der Toskana unweit von Siena habe ich Ende der 70er Jahre erstmals kennengelernt. Freunde hatten mir vom Grafen erzählt, der sich für Kultur begeistert. Inzwischen sind Conte Roberto Guicciardini und ich Freunde geworden. Der Graf hatte den lange gehegten Wunsch, seine restaurierte Burg, die einst schon Dante besucht hatte, mit Musik und Kunst zu füllen. So entstand die Idee, die jüngere Künstlergeneration von jener Inspirationskraft profitieren zu lassen, die ich selbst immer wieder in Gargonza verspürt habe. Die Künstlerin Mary Bauermeister nennt diese Kraft den „genius loci“. Unser Verein wurde in ihrem Atelier gegründet. Ich wollte an die junge Generation etwas weitergeben, dass ich selbst durch Stipendien und Preise bekommen habe. Die Idee war ein interdisziplinäres Kulturprojekt mit Stipendien von jungen Künstlern aus verschiedenen Sparten, die sich bei ihrem dreimonatigen Aufenthalt in Gargonza gegenseitig inspirieren. Es ging um hochbegabte Künstler, die gerade auf dem Sprung zu einer großen Karriere sind. Neben der hohen Qualität war mir die Offenheit für andere Künstler und deren Arbeit sehr wichtig. Die Leute müssen für das, was sie tun, wirklich brennen. Die Arbeit des Vereins und damit die Stipendien werden zum einen durch den Verkauf von Kunstwerken bekannter Künstler wie Tomy Cragg oder Rosemarie Trockel, als auch durch die Mitgliedsbeiträge finanziert. 

Wie kam das Projekt auf die Bühne der Kölner Oper?

Faust: Der Ursprung war eine Ausstellung unserer Stipendiaten im Museum für angewandte Kunst in Köln. Das war eine multimediale Schau, bei der wir die Kunst mit iPads präsentiert haben. Die Intendantin der Kölner Oper, Birgit Meyer, war vor Ort und begeisterte sich für die hohe Qualität der gezeigten Werke. Im Gespräch entstand die Idee, das Projekt auf die Bühne im Staatenhaus zu holen, wo es ganz andere Möglichkeiten der Inszenierung gibt, als dies in klassischen Opernhäusern der Fall ist. So ist dort ein Parcours der Künste entstanden, auf dem sich das Publikum hin und her bewegen konnte. Aus vielen Einzelkompositionen entstanden die „Schnittstellen I“. Damals gab es drei musikalische Aufführungen, eine Lesung und dazu Positionen aus Architektur und Bildender Kunst. Dafür haben wir die Säle 1 und 2 sowie das Foyer genutzt. 

Was hat sich bei „Schnittstellen II“ geändert?

Faust: Es gibt auch weiter Einzelpositionen. Neu sind die drei Kurzopern. Wir liefern mit unseren Stipendiaten dazu die Bühnenbilder, die Libretti und die Partituren. Die Bühnenbilder sind drei Kunstwerke, die für sich selbst stehen. Geschaffen wurden diese von Sandra Schlipkoeter, Micha Jönke und René Kersting. Bei der Oper „perdü“ stammt die Musik von Genoël von Lilienstern und das Libretto von Maren Kames, die für ihren Lyrikband gerade mehrere Preise erhalten hat. Bei „The Ends“ ist Andreas Edoardo Frank für die Komposition und Katarzyna Fetlińska für das Libretto zuständig. Die dritte Kurzoper trägt den Titel „Pepita-Lunarium“ mit der Musik von Matej Bonin und dem Libretto von Anne-Kathrin Heier. Für die gesamte Inszenierung des Abends ist Oliver Klöter als Regisseur zuständig. Zu erleben gibt es außerdem die Werke der aktuellen Gargonza-Award-Preisträger Daphné Hejebri (Komposition), Liat Fassberg (Literatur), Thimo Franke (Bildende Kunst) und Lara Briz Bejerano (Architektur). 

Wie erlebt der Zuschauer im Saal den Abend?

Faust: Wir haben fünf Spielflächen, die im gesamten Saal verteilt sind. Wegen Corona war ein stehendes und sich bewegendes Publikum nicht möglich. So haben wir auf die drehbaren Stühle aus „Soldaten“ zurückgegriffen. Sie sind nach den vorgegebenen Abständen fest im Boden verankert. Durch das Drehen kann das Publikum einen 360-Grad-Abend erleben und kann zu jeder Zeit alles im Raum sehen. 

Ist das auch der Reiz für die Arbeit im Staatenhaus?

Faust: Das Staatenhaus ist sehr flexibel. Es erinnert im Inneren an ein Containerschiff, auf dem sich alles bewegen lässt. In einem etablierten Opernhaus könnten wir ein Projekt wie „Schnittstellen“ nicht umsetzen. Mir geht es darum, an diesem Abend einen Bogen zu schlagen und nicht nur Einzelpositionen hintereinander zu reihen. Das ist uns hier auch durch die hervorragende Arbeit von Regisseur Oliver Klöter gelungen. Da hat sich bei mir ein Traum erfüllt.

 

Service: Weitere Aufführungen im Staatenhaus am Rheinparkweg in Köln-Deutz gibt es am 21., 23. und 28. September jeweils um 19.30 Uhr.

www.oper.koeln