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Kultur: Zeitgenössische Fotokunst trifft auf Architekturzeichnungen

Kultur : Zeitgenössische Fotokunst trifft auf Architekturzeichnungen

Gottfried Böhm zählt zu den bedeutendsten und vielfältigsten Architekten des 20. Jahrhunderts, das er ganz maßgeblich geprägt hat. Für sein Schaffen wurde er mehrfach ausgezeichnet. Insbesondere der Pritzker-Preis, der als Nobelpreis für Architektur gilt, ist hier zu nennen.

Böhm war der erste und bis heute einzig lebende deutsche Architekt, der diese hohe Auszeichnung erhalten hat.

Bezeichnend für Böhms Bauten sind deren skulpturaler Charakter sowie deren stringente und unmittelbare Materialität. Eine zentrale Rolle nehmen hierbei die Werkstoffe Beton, Glas und Stahl ein, die er verbunden mit neuen Technologien und Möglichkeiten zur Umsetzung für seine innovative und moderne Architektursprache nutzt. Alleine in Köln und der Region gibt es mehr als 20 von Böhm realisierte Bauten. „Er ist bis heute ein Vorbild und ein Vordenker für künftige Architekten“, sagt Kölns Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach.

Die Sonderausstellung
läuft bis zum 20. Dezember

Im Jahr seines 100. Geburtstag hat das Kölner Museum für angewandte Kunst (Makk) eine Sonderausstellung konzipiert. Dabei setzt Kuratorin und Makk-Direktorin Petra Hesse nicht auf architekturhistorische Themen, die schon ausführlich in anderen Schauen beleuchtet worden sind. „Es ging uns um einen neuen Zugang zum Werk Gottfried Böhms. So treten in der Ausstellung Fotografie als zeitgenössische Kunst und Böhm als Zeichner in einen Dialog.“

Für die Aufnahmen von fünf Sakralbauten aus Böhms früher Schaffensphase zwischen Ende der 50er und den 70er Jahren konnte das Kölner Museum die international anerkannte Architekturfotografin und Fotokünstlerin Hélène Binet gewinnen. Diese hat ihren ersten Bezug zu Köln durch Peter Zumthors Werk bekommen, dem sie über das Kolumba und die Bruder-Klaus-Kapelle begegnet ist. Auch mit der Arbeit von Rudolf Schwarz, der sich unter anderem für die Architektur des Makk verantwortlich zeichnet, hat sich der Bezug zu Köln vertieft.

Zu den Bauten Gottfrieds Böhms sagt die in London lebende Künstlerin in einem Statement: „Seine originelle Art des Bauens und die Art und Weise, wie er Räume schafft, die den Besucher dazu anregen, seine eigene Spiritualität zu finden, waren die Dinge, die mich am meisten inspiriert haben.“ Fünf Kirchen Böhms hat Binet in der Region besucht und dort ihre Begegnungen fotografisch als „Das Echo von Träumen“ festgehalten. Das waren St. Getrud in Köln, Herz Jesu in Bergisch Gladbach-Schildgen, die Kölner Universitätskirche St. Johannes der Täufer, Christi Auferstehung in Lindenthal und St. Mätthäus mit dem Hildegardis-Heim im Düsseldorfer Stadtteil Garath.

Insgesamt 32 Fotografien gibt es von schweizerisch-französischen Künstlerin zu sehen, deren Arbeitsschwerpunkt auf dem Bereich der analogen Architekturfotografie liegt. Zusammengearbeitet hat Binet bereits mit weltbekannten Architekten wie Daniel Libeskind oder Zaha Hadid. Basierend auf ihrem fundierten Architekturverständnis arbeitet Binet durch die Komposition von Licht, Schatten und Textur die charakteristischen Eigenschaften der Bauten heraus. Sie bietet dem Betrachter gleichzeitig eine neue Sehperspektive und ein einzigartiges Raumerlebnis.

Den Fotografien gegenübergestellt wurden insgesamt originale 16 Architekturzeichnungen von Gottfried Böhm, die als eigenständige Kunstwerke auf beeindruckende Weise die Architekturdarstellung der Moderne zum Ausdruck bringen. Ähnlich seiner architektonischen Formensprache wirken Böhms Zeichnungen skulptural und zeigen eine reiche Flächendarstellung. Seine bevorzugten Zeichenmittel sind Kohle und Bleistift.

Mit präzisen Schraffuren, Schummerungen, Durchtreibetechniken und Konturierungen fertigt er detailreiche Schwarz-Weiß-Kompositionen. Farbige Akzentuierungen insbesondere von Wand- und Deckenflächen setzt Böhm ein, um die Räume illusionistisch zu erweitern. Einige der Zeichnungen haben eine Besonderheit: Dort ist ein kleiner dicker Mann mit Stock und ein großer schlanker Mann, die beide das Bauwerk betrachten, zu finden – Dominikus und Gottfried Böhm.