Wirtschaft Gemeinsam gegen die Wohnungsnot

Köln · Wer in Köln derzeit eine bezahlbare Wohnung sucht, kommt sehr schnell an seine Grenzen. Schon seit Jahren ist in der Millionenstadt der Bedarf an Wohnraum deutlich größer als das Angebot. Deshalb haben sich der Kölner Mieterverein und der Haus- und Grundbesitzerverein erstmals zusammengeschlossen und fordern die Stadtverwaltung und die Politik auf, die katastrophale Lage auf dem Wohnungsmarkt endlich effektiv zu bekämpfen.

 Wohnen wird in der Großstadt Köln immer mehr zum Luxus.

Wohnen wird in der Großstadt Köln immer mehr zum Luxus.

Foto: step/Eppinger

„Wir brauchen viel mehr Wohnungen, aber in Köln bewegt sich nichts, weil die Taten und die Umsetzung fehlen. Der mangelnde Wohnraum führt auch dazu, dass die Mieten stetig ansteigen“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Haus- und Grundbesitzervereins, Konrad Adenauer. Das Hauptproblem sei das knappe Bauland in Köln. Nach wie vor werde nicht genügend getan, um mehr Angebot zu schaffen. „Vielmehr muss festgestellt werden, dass Verwaltungshandeln die Ausweisung von Bauland nicht nur nicht befördert, sondern auch behindert“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der beiden Vereine.

Klimaschutz
versus Wohnungsbau

Kritisiert wird in diesem Zusammenhang insbesondere der „Masterplan Grün“ der Stadt, der nur den Klimaschutz priorisiere und wichtige Bauvorhaben hintanstelle. Die von der Verwaltung und der Politik bevorzugte Innenverdichtung, wie zum Beispiel durch Aufstockung flacher Gebäude, komme schnell an ihre Grenzen. Außerdem gebe es teils vehementen Widerstand gegen die Versiegelung von innerstädtischen Grünflächen.

„Wir brauchen deutlich mehr Ausweisung von Bauland an den Rändern Köln, um den Wohnungsbau an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Wir sehen uns der Klimawende verpflichtet, aber man darf im Gegenzug das Recht auf Wohnen nicht hintanstellen“, fordert Adenauer. Er sehe vonseiten der Stadt aber keinerlei Bestrebungen, das Angebot von Bauland auch nur annähernd den tatsächlichen Bedarf anzupassen.

Kritisiert wird auch das Vorgehen der Verwaltung bei der Erteilung von Baugenehmigungen. „Köln ist die einzige Großstadt, wo jedes Amt bei einer solchen Genehmigung zustimmen muss. Baugenehmigungen dauern aktuell drei bis vier Jahre. Davon entfallen nach meiner Berechnung acht Monate alleine auf die Zustimmung der verschiedenen Ämter“, kritisiert Franz-Xaver Corneth als Vorstandsvorsitzender des Kölner Mietervereins.

Auch große Stadtentwicklungsprojekte wie Kreuzfeld, Rondorf oder die Parkstadt Süd bräuchten viel zu lange, bis sie wirklich umgesetzt werden. „Bei Kreuzfeld dauert der Prozess jetzt schon länger als 30 Jahre, das müsste jetzt so langsam doch mal fertig werden“, kritisiert Corneth. Die Wohnraumfrage sei auch ein Faktor bei der Wirtschaftspolitik. „Welches Unternehmen siedelt sich in Köln an, wenn es keine Wohnungen für die Mitarbeiter gibt und die Mieten extrem hoch sind.“

In der Kritik steht zudem, dass die Stadt von den alten Bedarfszahlen beim benötigten Wohnraum abrückt und die Zahlen der notwendigen Wohnungen in Köln deutlich reduziert hat. „Das ist Selbstbetrug und Betrug am Kunden“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Haus- und Grundbesitzervereins, Thomas Tewes. Köln sei auch weiter eine attraktive Stadt, die Menschen von außen anziehe, was den Bedarf an Wohnraum noch weiter erhöhe.

Massive Kritik von beiden Vereinen gibt es außerdem bei den Kosten des Wohnens und des Bauens in Köln. So seien die Baukosten auch durch die energetischen Vorgaben weiter gestiegen. Das werde als Grund herangezogen, warum vor allem das kostengünstige Bauen für förderbedürftige Menschen nicht mehr möglich ist. „Die Genossenschaften verabschieden sich derzeit in Köln reihenweise von ihren Bauvorhaben, da sie die hieraus resultierenden Mieten ihrer Klientel nicht mehr zumuten können“, erklärt Corneth.

Problematisch seien zudem die massiv gestiegenen Nebenkosten in Köln, die bis zu 30 Prozent der Grundmiete ausmachten und daher oft auch zurecht als „zweite Miete“ bezeichnet würden. „Auch hier fließen neben den Energiekosten Gebühren wie die hohe Grundsteuer ein, auf die die Stadt einen direkten Einfluss hat“, sagt Adenauer und fordert die Politik und Verwaltung auf, dämpfend auf die Nebenkosten Einfluss zu nehmen.

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