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Corona: „Vor Anfang Mai wird es für uns in der Gastronomie keine Änderung geben“

Corona : „Vor Anfang Mai wird es für uns in der Gastronomie keine Änderung geben“

Die Kölner Unternehmensgruppe Diaz & Ranz betreibt in der Domstadt das Café Funkhaus, die Gastronomie im Schokoladenmuseum sowie die Hafenterrasse am Schokomuseum. Dazu kommt im Advent der Weihnachtsmarkt auf dem Alter und dem Heumarkt.

Wir haben mit Geschäftsführer Rodney Ranz über die Situation der Kölner Gastronomie gesprochen.

Wie erleben Sie die Situation im zweiten Lockdown?

Rodney Ranz: Schon beim ersten Lockdown haben wir die Zeit der Schließung genutzt, um Renovierungsarbeiten durchzuführen. Das machen wir jetzt gerade auch. So wird aktuell im Schokoladenmuseum die Küche komplett neu gebaut. Ansonsten warten wir ab, wann es die ersten Lockerungen für die Gastronomie geben wird. 

Was sind die Folgen der Schließung für Ihr Unternehmen?

Ranz: Wir haben natürlich durch die Schließung finanzielle Einbußen. Aber wir werden das durchstehen. Es gibt bei uns keine Liquiditätsprobleme, da wir in den vergangenen, guten Jahren genügend Reserven anlegen konnten. Schwieriger ist es bei der Situation der Mitarbeiter. Da stellt sich die Frage, wie viele am Ende zu uns zurückkommen werden. Wir versuchen so gut wie möglich, den Kontakt zu halten. Aber es wird zum Beispiel Studenten geben, die sich beruflich neu orientieren werden. 

Wie sieht aktuell Ihr Berufsalltag aus?

Ranz: Es gibt deutlich weniger zu tun. Das Arbeitsvolumen beträgt maximal 30 Prozent von dem, was wir normalerweise erledigen müssen. So beschäftigt man sich mit Dinge, die sonst nicht so im Vordergrund stehen wie zum Beispiel die Dokumentation. 

Welche Pläne haben Sie für Ihre Objekte?

Ranz: Wir suchen ständig nach Bereichen, in denen wir etwas verändern bzw. verbessern können. So wird es in der Gastronomie des Schokoladenmuseums künftig auch Frühstück geben. Dafür werden wir früher öffnen. Um das leisten zu können, haben wir unsere Küche komplett umgebaut. Entdeckt haben wir in der Krise auch die große Bedeutung der Außenbereiche, die wir am Museum im Bereich der Terrasse ausgebaut haben. Es gibt dort neue Pflanzen und ein neues Musikkonzept. Umgebaut haben wird die Küche auch im Café Funkhaus, wo wir künftig ein breiteres Angebot haben werden. 

Wie fällt die Bilanz des vergangenen Sommers aus?

Ranz: Für den Bereich der Café und Restaurants fällt die Bilanz sehr gut aus. Dort haben wir trotz der ausbleibenden Touristen 80 bis 85 Prozent unseres alten Geschäfts erreicht. Das lief bis in den Oktober hinein sehr gut. Anders sieht es bei unserem Eventgeschäft wie bei Hochzeiten oder Firmenveranstaltungen. Da ging das Geschäft fast gegen null. 

Wie beurteilen Sie die Perspektiven der Gastronomie in diesem Jahr?

Ranz: Für mich ist es nicht möglich, hier eine Prognose zu stellen. Aber unsere Planungsgrundlage ist derzeit, dass es vor Anfang Mai keine Änderung geben wird. Ich hoffe darauf, dass der Impfstoff bis dahin funktioniert und wir der Normalität wieder etwas näher kommen. 

Was halten Sie davon, Geimpften Privilegien zum Beispiel beim Restaurantbesuch zu gewähren?

Ranz: Zu einem Zeitpunkt, an dem gerade mal zwei Prozent geimpft sind, macht so eine Diskussion für mich keinen Sinn. Darüber werden die Experten sprechen, wenn deutlich mehr Menschen eine Impfung erhalten haben. Ich vertraue da auf die Politik. 

Wie wichtig war die Unterstützung von Bund, Land und Stadt für Sie?

Ranz: Ein ganz zentrales Element ist für uns das Kurzarbeitergeld. Nur so können wir unsere Belegschaft mit 200 Mitarbeitern zusammenhalten. Das Kurzarbeitergeld gibt ihnen und uns eine Perspektive für die Rückkehr in die Normalität. Bei der Überbrückungshilfe haben wir bislang nur eine Abschlagszahlung erhalten. Geholfen hat uns zum Beispiel die Freigabe von Außenflächen durch die Stadt. Das ist sehr gut gelaufen. 

Wie wird die Pandemie den Blick auf die Gastronomie verändern?

Ranz: Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, welche Bedeutung das gesellschaftliche Leben mit anderen Menschen hat. Man merkt erst, wenn man es nicht mehr hat, wie wichtig Dinge wie Restaurantbesuche oder Theater und Konzerte sind. Vor der Krise gab es da eher das Gefühl der Übersättigung, das hat sich jetzt geändert. 

Wie wirkt sich das auf das Verhalten der Menschen nach der Krise aus?

Ranz: Gute Dinge wie Homeoffice oder Videokonferenzen werden übernommen, zu anderen Dinge, die einem wichtig sind, wie Kultur und Gastronomie wird man zurückkehren. Die Menschen werden wieder in Konzerte und Restaurants gehen.

Sie veranstalten den großen Weihnachtsmarkt auf dem Alter und dem Heumarkt. Wie sind da die Perspektiven?

Ranz: Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass der Markt stattfinden kann. Für alles andere ist es jetzt noch zu früh, um Voraussagen zu treffen.