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Serie: Vom Komponisten vom Großen Griechenmarkt zur kölschen Ulknudel

Serie : Vom Komponisten vom Großen Griechenmarkt zur kölschen Ulknudel

Die großen Persönlichkeiten prägen die Geschichte einer Metropole wie Köln. Im heutigen Serienteil blicken wir auf einen bekannten Komponisten, einen bedeutenden Schriftsteller, einen einflussreichen Unternehmer, eine kölsche Ulknudel und die Kölner Mottoqueen.

Wir stellen ihr Leben vor und besuchen die Orte, die heute noch an diese Prominenten erinnern.

 

Jacques Offenbach: Vor drei Jahren wurde sein 200. Geburtstag in Köln gefeiert. Er gehört zu den bekanntesten Komponisten, in seiner Geburtsstadt war Jacques Offenbach aber bis zu den Feierlichkeiten nur wenig präsent. Sein Vater Isaac Juda Eberst kam 1816 von Offenbach als Kantor zur jüdischen Synagogengemeinde an den Rhein. In Köln nahm er den Namen seiner Heimatstadt an. Sein Grab findet sich auf dem alten Jüdischen Friedhof in Deutz. Jakob, aus dem in Paris Jacques wurde, kam 1819 als siebtes von zehn Kindern am Großen Griechenmarkt zur Welt, wo bis heute eine Gedenktafel an sein Geburtshaus erinnert. Wie einige seiner Geschwister zeigt der junge Jakob schon bald sein musikalisches Talent. Im Gymnicher Hof am Neumarkt trat er zusammen mit seinen Geschwistern Juda und Isabella als Trio auf, um Geld für den Musikunterricht zu verdienen. 1833 brachte sein Vater ihn und seinen Bruder Julius nach Paris. Dort sorgte Isaac Offenbach mit seiner Hartnäckigkeit dafür, dass seine Söhne am Konservatorium ihre musikalische Ausbildung bekamen. Das war der Beginn des Siegeszuges des Komponisten Jacques Offenbach. 1855 eröffnete er sein eigenes Theater und wurde später mit Stücken wie „Orpheus in der Unterwelt“ und vor allem mit seinem „Cancan“ weltberühmt. In seiner Geburtsstadt Köln gibt es inzwischen eine Offenbach-Gesellschaft, die an den berühmten Sohn der Stadt erinnern will. Sein Name findet sich auch an dem Platz, wo sich die Oper und das Schauspiel – derzeit als Dauerbaustelle – befinden.

 

Heinrich Böll: Zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Nachkriegszeit gehört Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll. Er wurde 1917 in der Kölner Südstadt an der Teutoburger Straße geboren. Sein Vater war der Kunstschreiner Viktor Böll. Die Inflation 1923 führte zum Bankrott des väterlichen Geschäfts und die Familie musste in ein ärmliches Quartier ziehen. Böll besuchte zunächst die Volksschule Raderthal und wechselte später auf das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium. In Bonn absolvierte er seine Buchhändlerlehre. 1939 begann er sein Studium der Germanistik und der Klassischen Philologie an der Kölner Uni. Doch schon kurz später wurde er von der Wehrmacht eingezogen und blieb bis 1945 Soldat. Während Böll im Krieg vor allem Briefe geschrieben hatte, begann nach Kriegsende von Bayenthal aus seine Karriere als Schriftsteller. Seine Hauptwerke wie „Haus ohne Hüter“, „Ansichten eines Clowns“, „Ende einer Dienstfahrt“ oder „Gruppenbild mit Dame“ entstanden zwischen 1951 und 1971. Böll, der ab 1969 im Agnesviertel lebte, war immer politisch aktiv. Er trat in Opposition zum restaurativen Zeitgeist der Adenauer-Ära. Später wurde er von der konservativen Presse wegen seiner Haltung zum RAF-Terrorismus heftig kritisiert, später sympathisierte Böll mit der deutschen Friedensbewegung. Sein bekanntestes Werk ist „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, das einen Beitrag zur Gewaltdebatte der 70er Jahre darstellt. Es wurde weltweit 2,7 Millionen mal verkauft. Böll starb 1985 in seinem Haus in der Voreifel. In seiner Geburtsstadt erinnert der Heinrich-Böll-Platz am Museum Ludwig an den Schriftsteller, der sich auch als Figur am Rathaus Turm wiederfindet.

 

Hans Imhoff: Der 1922 in Köln geborene Unternehmer Hans Imhoff wurde als Schokoladenfabrikant berühmt. Noch heute erinnert das von ihm geschaffene Schokoladenmuseum im Rheinauhafen an ihn. Nachdem er zunächst in einer Autowerkstatt und bei Ford gearbeitet hatte, errichtete er 1945 einen Lebensmittelgroßhandel in Alf an der Mosel und gründete 1948 in Bullay seine Schokoladen- und Pralinenfabrik. Nach Köln kehrte er 1964 zurück, um die Süßwarenkette „Punkt und Pünktchen“ an der Start zu bringen. 1972 übernahm er die Kölner Stollwerck AG, die sich in dieser Zeit in einer Krise befand. Sie hatte damals ihren Sitz in der Südstadt, wo sich heute noch das Bürgerhaus Stollwerck befindet. Schon 1974 gab er den innerstädtischen Standort auf und zog mit seinem Unternehmen nach Westhoven. Dieses expandierte ständig und Stollwerck übernahm bekannte Marken wie Eszet, Waldbauer, Sprengel, Sarotti und Gubor. 2002 verkaufte Imhoff sein Familienunternehmen an den Konzern Barry Callebaut. Sein Schokomuseum mit den Exponaten seiner umfangreichen Sammlung eröffnete Imhoff im Jahr 1993. 2007 starb der Unternehmer. Sein Grab befindet sich auf dem Melatenfriedhof.

 

Trude Herr: Die Schauspielerin, Schlagersängerin und Theaterdirektorin Trude Herr gehört zu den bekannten Gesichtern der Domstadt. Sie wurde 1927 als die Tochter eines Lokomotivführers in Köln geboren. Sie wächst in einer kleinen Siedlung auf den Feldern zwischen Kalk, Deutz und Mülheim auf. Schon früh war der Beruf der Schauspielerin ihr Lebenstraum. Mit 22 gründet sie mit Kollegen ihr Theater, die Kölner Lustbühne. Dies geht allerdings schon nach kurzer Zeit pleite. Zeitweise arbeitet Herr als Bardame in der Barbarina. Den Schauspielerberuf behält sie aber weiter im Blick. In den 50er Jahren gehört Herr zu den ersten Büttenrednerinnen im Kölner Karneval. Ihr kompromisslosen Reden sorgen bei so manchem traditionellen Karnevalisten für Unverständnis. Ihre jecke Karriere endet, in der Variétébühne des Kaiserhofs wird sie zur Nachfolgerin von Grete Fluss. Ende der 50er Jahre kommt sie zum deutschen Film und dreht mit Kollegen wie Bill Ramsey, Heinz Ehrhardt und Gunther Philipp. Ihr bekannteste Lied als Sängerin ist „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“. Herr dreht auf ihren ausgiebigen Wüstenreisen auch selbst Filme. 1977 eröffnet sie ihr neues Theater an der Severinstraße in der Südstadt, das „Theater im Vringsveedel“. Dort bringt sie eine neue Form des Volkstheaters auf die Bühne. Neben „Die Stadt“ wird auch „Niemals geht man so ganz“ zu ihren musikalischen Erfolgen. Für ihre neue Karriere als Schriftstellerin zieht sich Herr in den 80ern auf die Fidschi-Inseln zurück. Nach ihrer Rückkehr stirbt sie 1991 in ihrem Domizil in Südfrankreich. Ihr Grab findet sich auf dem Nordfriedhof. Der Bildband „Trude Herr. Ein Leben“ aus dem Kölner Emons-Verlag erinnert an die Kölnerin.

 

Marie-Luise Nikuta: Als Mottoqueen, die jedes Jahr ein neues Mottolied für die Session liefert, wird Marie-Luise Nikuta in Köln bekannt und geliebt. Die 1938 in Nippes geborene Künstlerin war Sängerin, Texterin und Komponistin. Ihren ersten Hit „Mer fiere Fastelovend“ singt sie mit 13 im Kölner Kinderchor. Die ausgebildete Versicherungskauffrau widmet sich ab 1968 ihrer musikalischen Karriere. Insgesamt 160 Karnevalslieder stammen aus ihrer Feder. Zu den bekanntesten zählen „E paar Grosche för Ihs“ und „Weiste war, mer fahre met d‘r Stroßebahn noh Hus“. Mit den Roten Funken war Nikuta im Rosenmontagszug in Namibia unterwegs. 2014 kündigte sie ihren Rückzug an, verfasste aber noch weiter ihre Mottolieder. 2020 starb die Sängerin. Ihr Grab befindet sich auf Melaten und hat einen QR-Code, über den man per Smartphone eines ihrer Lieder abrufen kann.