Open Air : Vier mal 11 Jahre am Tanzbrunnen

Am 24. August kommen die Bläck Fööss zum Konzert in „ihr Wohnzimmer“ nach Deutz. Auch Bömmel Lückerath ist wieder an Bord.

Es war für die Band und die Fans ein großer Schreck, als Fööss-Gitarrist Bömmel Lückerath bei einem Karnevalsauftritt auf dem Alter Markt plötzlich gesundheitliche Probleme bekam und sofort ins Krankenhaus gebracht werden musste. Inzwischen geht es dem Musiker schon deutlich besser: „Ich habe mir große Mühe gegeben, dass bei unserem Auftritt am 24. August am Tanzbrunnen wieder dabei sein kann. Ich werde bei dem Konzert aber nur eine Gastrolle übernehmen. So richtig werde ich bei den Fööss wieder nach den Herbstferien einsteigen. Aber der Auftritt am Tanzbrunnen ist für uns als Band sehr wichtig. Für mich ist das die schönste Open-Air-Bühne, die ich kenne. Jetzt wünsche ich mir schönes Wetter und dass ich bis dahin noch gesünder werde“, sagt Lückerath vor dem 44. Auftritt seiner Band am Tanzbrunnen.

Aktuell wird er noch von Christoph Granderath vertreten, das gilt auch für das Konzert am Tanzbrunnen, wo Lückerath aber bei einigen Liedern wieder zur Gitarre greifen wird. Granderath war nach dem Vorfall bei den Fööss eingesprungen: „Das war für uns wie ein Geschenk. Er ist ein guter Ersatz, passt in unseren Haufen und hat auch noch Zeit. Für das dreistündige Konzert am Tanzbrunnen muss er aber noch einige ihm noch unbekannte Stücke aus unserem Repertoire lernen. Für ihn ist das alles kein Problem, er sagte nur ‚wenn man helfen kann‘“, erinnert sich Sänger Erry Stoklosa.

„Beim Konzert gibt es die Klassiker der Fööss, aber auch Stücke vom neuen Album und auch wohl noch ganz neue Songs, an denen wir gerade noch arbeiten. Die Hauptattraktion ist aber der Auftritt von Bömmel. Für wie viele Lieder er auf der Bühne steht, wird sich noch ergeben. Aber Bömmel ist auf einem guten Weg“, sagt Sänger Mirko Bäumer. Etwa 36 Stücke seien für das Konzert geplant. Aktuell laufen dafür vor dem Bandurlaub noch die konkreten Planungen. Damit werden die Fööss fast dreimal so lange auf der Bühne sein wie zum Beispiel die Bluesrock-Veteranen von ZZ Top. Unterstützt werden die Fööss am Tanzbrunnen von einem Bläser-Quartett.

„Die Verjüngung der Band
ist uns gut gelungen“

Ein Grund zum Ärgern am Tanzbrunnen bleibt für viele Musiker und den Veranstalter Köln-Kongress nach wie vor, dass pünktlichst um 22 Uhr Schluss sein muss auf der Bühne, weil sich sonst wieder einmal Anwohner von der anderen Rhein-Uferseite beschweren. Hier hatte es seit 1996 schon juristische Auseinandersetzungen gegeben. Auch an der Volksbühne am Rudolfplatz gibt es Streitigkeiten wegen Lärm bzw. eine strikte Zeitregelung für Auftritte.

„Wir würden gerne auch dreieinhalb Stunden bis 22.30 Uhr spielen, aber das dürfen wir ja nicht. Das es so etwas in Köln gibt, finde ich sehr schade“, sagt Stoklosa. „Wir dokumentieren alles rund um die Konzerte am Tanzbrunnen. So gibt es hier direkt eine Messstation und eine weitere auf dem Hochhaus gegenüber. Da werden Anfang und das Ende von Konzerten genau festgehalten. Ansonsten kommen wir mit der neuen Beschallungsanlage bei den eigenen Veranstaltungen hier am Tanzbrunnen gut zurecht“, sagt Köln-Kongress-Geschäftsführer Bernhard Conin. „Oft müssen wir bei solchen Regelungen unser Programm entsprechend ausrichten, beliebte Stücke wie das ‚Bickendorfer Büdchen‘ wären am Konzertende zu laut“, erklärt Andreas Wegener.

Dass es die Fööss noch lange geben wird, dafür spricht derzeit vieles: „Die Verjüngung der Band ist uns gut gelungen. Auch die Sorgen, dass die neuen Köpfe bei der ‚Mutter aller kölschen Bands‘ bei den Fans nicht gut ankommen, war unbegründet. Die Fööss haben eine gewisse Philosophie, es ist wichtig, dass dieser Geist der Band auch weiter erhalten bleibt. Da haben wir auch eine gewisse Verpflichtung unserem Publikum gegenüber. Und das ist auch jetzt mit den neuen Köpfen absolut der Fall. Das gilt genauso für die sozialen Verpflichtungen, welche die Band angeht. Da sind die Neuen sehr engagiert“, sagt Stoklosa.

„Das Bild auf der Bühne hat sich verändert. Das gilt aber auch für das Bild vor der Bühne. Ich war in verschiedenen Bands aktiv und habe auch Fans zu den Fööss mitgebracht“, erklärt Bäumer, der seit 2017 dabei ist. Es sei schön, dass die Band mit alten Liedern und neuen Köpfen so gut vom Publikum angenommen werde.

Kölsche Weltmusik
mit den Bläck Fööss

Lob gibt es auch vom Bassist Hanz Thodam: „Die Integration von uns Neuen verläuft wunderbar. Der Geist der Lieder bleibt bestehen. Das sind tolle Lieder, die man überall gerne hört und es ist gut, dass die von den Fööss auch künftig weiter gespielt werden.“ Für ihn ist es der zweite Fööss-Auftritt am Tanzbrunnen: „Letztes Jahr war ich ziemlich aufgeregt, aber so langsam komme ich da rein. Die meisten Songs der Fööss habe ich inzwischen schon gespielt.“

Und Pit Hupperten ergänzt: „Es macht auch Spaß, neue Lieder für die Fööss zu schreiben, weil die Band auch so vielseitig ist. Da kann man als Musiker aus dem Vollen schöpfen. Das ist echte kölsche Weltmusik. Wir hoffen, dass uns das auch gelingt, wenn keiner mehr von den Ur-Fööss dabei ist.“ Für Stoklosa gibt es da klare Kriterien: „Wichtig ist, dass mit den Songs auch weiter Geschichten erzählt werden und dass die alten Geschichten mit den alten Liedern weiterleben. Auch die Sprache unsere Stücke ist ganz zentral.“

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