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Interview: „Viele Leute vergessen, wie gut sie es haben“

Interview : „Viele Leute vergessen, wie gut sie es haben“

Am 17. Oktober kommt der amerikanische Songwriter Tony Carey mit seinem neuen Album in die Kulturkirche.

Tony Carey, der US-amerikanischen Songwriter hat Lieder wie „Room With A View“ und „A Fine, Fine Day“ geschrieben. Man kennt aber Tony Carey auch als Produzenten von Peter Maffay und Alben wie „Tabaluga und das leuchtende Schweigen“.Auch hat er mit Ritchie Blackmore’s Rainbow gespielt, deren Keyboarder er war. Tony produzierte auch einige Alben der italienischen Chanteuse Milva. Auf seinem neuen Album „Lucky Us, das am 26. April veröffentlicht wurde, singt Tony Carey berührende Westcoast-Balladen und erzählt Geschichten aus seinem bewegten Leben, die gleichzeitig ein Kommentar zum aktuelle Weltgeschehen ist. Und er spielt im Oktober einige Clubkonzerte in Deutschland. Am 17. Oktober ist Carey in der Kölner Kulturkirche an der Siebachstraße 85 zu Gast.

Ihr aktuelles Album hat den Titel „Lucky us“. Kann man in diesen Zeiten noch glücklich sein?

Tony Carey: Wer etwas zu essen und zu trinken, wer in einer vernünftigen Umwelt lebt und wer keinen Krieg erleben muss, der kann durchaus glücklich sein. Für viele Menschen in der Welt trifft das aktuell leider nicht zu – alleine drei Milliarden Menschen haben kein fließendes Wasser. Ich selbst bin komplett glücklich, ich kann im Vergleich zu vielen anderen Menschen auf dieser Welt über ein privilegiertes Leben verfügen. Da nervt die ewige Motzerei bei uns schon ziemlich. Viele Leute vergessen es, wie gut sie es haben. Sie sollten an die Menschen denken, die in Somalia oder südlich von Mexiko leben.

Es gibt aber schon Entwicklungen wie Trump in den USA, die einen nachdenklich machen.

Carey: Für mich ist Trump nicht die Krankheit, sondern nur ein Symptom. Ich bin mir sicher, dass der sehr bald weg sein wird – spätestens nach den nächsten Wahlen.

Viele dachten, so ein Mann würde nicht gewählt – und jetzt ist er US-Präsident.

Carey: Am meisten überrascht war Trump selbst – der wollte die Geschichte nur für mehr Publicity nutzen. Aber ich motze nicht ständig über die US-Politik, auch wenn er uns alle blamiert. Ich versuche das, so gut es geht, zu ignorieren. Mir ist wichtiger, dass wir keinen Krieg haben und dass es eine geregelte Krankenversicherung gibt.

Sind die neuen Songs politisch?

Carey: Meine Songs sind autobiografisch, ich erzähle meine Geschichten. Ich habe einen langen Weg hinter mir und vielleicht auch noch vor mir. Die kommende Tour heißt „Songs and Stories“. Ich erzähle auf der Bühne fast so viel, wie spiele. Natürlich sind auch die Geschichten manchmal politisch. In einem Song geht es um einem Familienvater, der seine Frau und seine Kinder schützen möchte. Doch es gibt Urgewalten wie ein Orkan, ein Erdbeben oder auch ein Atomkrieg, das sind Dinge, die man nicht aufhalten kann. Im Song „The Wind“ geht es um eine Atombombe, die explodiert. Er kann sie nicht aufhalten, er kann nur bei seiner Familie sein und sie lieben. Es gibt einen fürchterlichen Blitz und einen heftigen Wind. Und da steht man im Garten mit seiner Frau, gibt ihr die Hand und kann nur abwarten – eigentlich ein positiver Song über ein schreckliches Thema.

Sie leben in Deutschland, in Mainz?

Carey: Ja, ich bin vor 41 Jahren hierhergekommen. Das war eine schreckliche Zeit in der Weltpolitik. Da war es gut aus den USA wegzukommen. Aber ich selbst bin trotzdem sehr amerikanisch geblieben. Bis meine Eltern gestorben sind, war ich noch oft da.

Jetzt kommen Sie im Oktober in die Kölner Kulturkirche:

Carey: Ich habe in den 90ern öfters in Köln gespielt, seitdem war ich nicht mehr in der Stadt. Jetzt freue ich mich auf die Rückkehr. So eine alte Backsteinkirche ist für einen Solokünstler mit Gitarre und Klavier ein herrlicher Raum. Für eine Rockband wäre es wegen des Halls ein Desaster. Für mich ist es perfekt.

Was erwartet das Publikum?

Carey: Zwei Stunden Songs und Stories. Kein Rock, ich bin da eher der Oldschool 70er Pianoman. Ich werde die Titel auf Deutsch erklären, denn ich will, dass mein Publikum versteht, worüber ich singe. Es wird kein düsteres Konzert, wir werden viel zu lachen haben.