Rückkehr: Unbeugsamer Einsatz für die europäischen Werte

Rückkehr : Unbeugsamer Einsatz für die europäischen Werte

OB Henriette Reker empfängt den Kölner Journalisten und Sozialarbeiter Adil Demirci, der 14 Monate in einem türkischen Gefängnis festgehalten wurde.

„Sie sind nicht nur ein Opfer, sondern auch ein Mann, der sich unbeugsam für europäische Werte einsetzt. Dafür können wir Ihnen nicht genug danken“, sagt Oberbürgermeisterin Henriette Reker beim Empfang für den Journalisten Adil Demirci gestern Nachmittag im Historischen Rathaus. Der Kölner war unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung am 18. April 2018 in der Türkei festgenommen worden.

Im Juni kehrte Adil Demirci
in seine Heimat Köln zurück

Erst nach 14 Monaten in einem Gefängnis durfte er am 17. Juni 2019 zurück in seine Heimatstadt Köln. Bereits im Februar war er auf Anordnung eines Gerichts in Istanbul aus der Haft entlassen worden. Zurück nach Deutschland durfte er aber erst zur Beerdigung seiner Mutter. Im Oktober geht der Prozess gegen ihn in der Türkei weiter – mit neuem Staatsanwalt und einem neuen Richter wie Demirci berichtet. Dieser kann den Prozess von Köln aus verfolgen, er muss nicht vor Gericht erscheinen.

„Die erste Zeit nach der Rückkehr war eine schwierige Zeit, das ist inzwischen besser geworden“, erklärt der Kölner. Vor einer Woche habe er seine Arbeit beim Internationalen Bund (IB) wieder aufgenommen, der während seiner Abwesenheit seinen Arbeitsvertrag entfristet und sein Gehalt weitergezahlt hatte. „Von der großen Unterstützung aus Köln und aus ganz Deutschland habe ich über die Mitarbeiter des deutschen Konsulats in der Haft erfahren. Ich habe auch einige Zeitungsartikel lesen können und Briefe aus Deutschland bekommen. Das hat mir immer wieder neue Kraft gegeben“, sagt Demirci. Er sei glücklich und froh, wieder zurück in der Heimat Köln zu sein.

Demirci fordert Unterstützung
für demokratische Gruppen

„Ich danke allen, die mich in meiner Haftzeit unterstützt und die sich mit mir solidarisiert haben. Ich weiß, dass ich kein Einzelfall in der Türkei bin. Viele junge Studenten, Journalisten und Akademiker sind in einer ähnlichen Situation. Sie brauchen auch weiterhin die Solidarität aus Köln, aber auch aus ganz Deutschland“, betont Demirci, der mit Schrecken registriert hat, dass gerade drei oppositionelle, kurdische Bürgermeister in der Türkei durch AKP-Bürokraten ersetzt worden sind. „Das ist ein Angriff auf die Demokratie. Demokratische Gruppen in der Türkei brauchen unsere Unterstützung.“

„Ich kann nicht ermessen, wie schwierig es ist, auszuhalten, wenn man zu Unrecht eines Verbrechens angeklagt ist, das man nicht begangen hat und wie schwer es ist, den Glauben an ein gutes Ende nicht zu verlieren“, sagt Reker. Sie sehe sich nicht nur als OB für Kölner, sondern als Oberbürgermeisterin für alle die in der Stadt ihre Heimat gefunden haben und die hierher geflüchtet sind. „Jeder Mensch ist in Köln herzlich willkommen, wenn er bereit ist, nach unseren demokratischen Werten zu leben und sich integrieren möchte.

Besorgter Blick der OB auf die Geschehnisse in Hongkong

Adil Demirci sei ein Aufklärer der Gesellschaft, der seinen Dienst für die Demokratie leiste. „Ich hoffe auf eine baldige Aufarbeitung von dem, was er erlebt hat. Falls hier unsere Unterstützung gefragt ist, bieten wir diese gerne an. Wir sind hier alle ganz stolz auf Sie“, beendet Reker ihre Rede beim Empfang.

Was die Menschenrechte angeht, blickt die OB derzeit mit Sorge auf die Geschehnisse in Hongkong und die Reaktionen der chinesischen Machthaber aus Kölns Partnerstadt Peking. „Das ist eine fatale Situation. Proteste, die sich für Rechte und Demokratie einsetzen müssen möglich sein und das überall in der Welt.“

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